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Amerikas zweite Chance mit Indien

NEW YORK – Als der indische Ministerpräsident Narendra Modi im Juni Washington besuchte, hat dies außerhalb von Indien nur wenig öffentliche Aufmerksamkeit erregt. Aber die Diplomaten und Militärs in Asien und anderswo haben sicherlich genau hingeschaut, und zwar aus gutem Grund: Die Annäherung der beiden weltweit bevölkerungsreichsten Demokratien könnte die Zukunft der Welt entscheidend prägen.

Es ist erwähnenswert, dass Modi in seiner Ansprache vor dem US-Kongress nicht weniger als fünfzehnmal die Wörter „Partner“ oder „Partnerschaft“ gebrauchte. Die offizielle gemeinsame Erklärung der beiden Regierungen beschreibt Indien als „Hauptverteidungspartner“ der Vereinigten Staaten, der das Recht hat, fortgeschrittene Technologien mit militärischer Anwendung zu nutzen.

Die Beziehungen zwischen Indien und den USA haben sich innerhalb einer Generation von kühler Distanziertheit zu strategischer Nähe entwickelt – angesichts geopolitischer Maßstäbe eine blitzschnelle Veränderung. Die Faktoren hinter diesem Wandel verdienen Beachtung, da viele von ihnen zu einer noch größeren Annäherung der beiden Länder beitragen könnten.

Ein bedeutende Rolle bei der bilateralen Annäherung spielte das Ende des Kalten Krieges, da es die weitere Verbindung Indiens mit der Sowjetunion unmöglich machte und die Anreize des Landes für eine Entwicklung in Richtung Blockfreiheit erhöhte.