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Alle für eine Steuer, und eine Steuer für alle?

CAMBRIDGE, MASS.: Wenn die nächste ausgewachsene globale Finanzkrise zuschlägt, sage bitte keiner, der Internationale Währungsfonds habe nicht versucht, sie zu verhindern. Der IWF hat vor kurzem eine neue, globale Steuer für Finanzinstitute vorgeschlagen, in etwa proportional zu deren Größe, sowie eine weitere Steuer auf Bankengewinne und -bonuszahlungen.

Die Finanzindustrie hat mit vorhersehbarem Hohn und Spott auf diesen Vorschlag reagiert. Interessanter und bedeutsamer freilich sind die uneinheitlichen Bewertungen der Staats- und Regierungschefs und der Finanzminister der G20. Die Regierungen in den Epizentren der aktuellen Finanzkrise, insbesondere die der USA und Großbritanniens, sind geradezu enthusiastisch, insbesondere, was die Besteuerung nach Größe angeht. Schließlich wollen sie das sowieso machen. Länder, die in letzter Zeit keinen GAU ihres Bankensystems erlebten, so wie Kanada, Australien, China, Brasilien und Indien, sind weniger begeistert. Warum sollten sie Systeme ändern, die sich als so widerstandsfähig erwiesen haben?

Es ist allzu leicht, die Einzelheiten des IWF-Plans zu kritisieren. Doch mit seiner allgemeinen Diagnose des Problems liegt der IWF weitgehend richtig. Die Finanzsysteme sind durch stillschweigende Garantien des Steuerzahlers aufgebläht, die es den Banken – besonders den Großbanken – erlauben, Geld zu Zinsen aufzunehmen, die die Risiken, die diese Banken im Rahmen ihres Strebens nach übertriebenem Profit eingehen, nur unzureichend widerspiegeln. Da diese Risiken dann an den Steuerzahler weitergereicht werden, ist die Besteuerung der Finanzunternehmen proportional zu ihrer Kreditaufnahme eine einfache Methode, für Fairness zu sorgen.

„Was für Risiken?“, heißt es seitens der Finanzunternehmen. Die durchschnittlichen Kosten der Rettungsmaßnahmen hätten „lediglich“ bei ein paar Prozentpunkten vom BIP gelegen. Und das bei einer Krise, wie sie in einem halben Jahrhundert nur einmal vorkommt.