Gegen Vereinfachung

NEW YORK – Es wird gesagt, dass die Amerikaner Meister im Vereinfachen sind. Dies hat sich allerdings immer mehr zu einem globalen Trend entwickelt, der wie damals die Blue Jeans immer neue Gebiete erobert.

Die Geschwindigkeit unseres Alltags hat durch diese unaufhaltsame Entwicklung sichtlich zugenommen – leider. Die Tyrannei des Pragmatismus scheint sich durch alle komplizierten Dilemmas unserer Zeit zu ziehen. Durch die Routine der Abkürzungen werden zu viele Wahlmöglichkeiten ignoriert oder umgangen.

Nirgends wirkt dieser Trend zerstörerischer als im heutigen kommerziellen Umgang mit Kunst. Sogar der viel gelobte Wettbewerb scheint durch die “Unternehmensmentalität”, die die Welt der Kultur durchströmt, zynisch verfälscht und manipuliert zu werden – durch die finanzielle Vorauswahl, die bestimmt, was von Verlegern, Produzenten und anderen Impresarios unterstützt wird. Stellen Sie sich nur vor, was beispielsweise mit den Werken von Proust, Kafka, Musil, Faulkner oder Borges passiert wäre, wenn sie wie Schuhe oder Kosmetik dem Wettbewerb des Massenmarktes unterworfen gewesen wären.

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