Skip to main content

Cookies and Privacy

We use cookies to improve your experience on our website. To find out more, read our updated Cookie policy, Privacy policy and Terms & Conditions

watkins19_YASUYOSHI CHIBAAFP via Getty Images_kenyacoronavirus Yasuyoshi Chiba/AFP via Getty Images

Afrikas Wettlauf gegen COVID-19

LONDON – Es gibt nun besorgniserregende Anzeichen dafür, dass das COVID-19-Virus in der Sahelzone Fuß gefasst hat, der ärmsten Region der Welt. Es ist noch nicht zu spät, eine humanitäre Katastrophe zu verhindern, aber dafür sind entschlossene nationale Maßnahmen und internationale Zusammenarbeit erforderlich.

Bis vor kurzem war die geringe Zahl der gemeldeten Fälle in Afrika eher Anlass zur Untätigkeit. Vielleicht schränkte auch die höhere Temperatur die Übertragungsraten von COVID-19 ein. In einer Region mit mehr Kindern (die weniger anfällig sind) und weniger älteren Menschen als anderswo, so vermuteten einige Experten, biete die Demografie auch einen gewissen Schutz.

Aber die Zeit der Untätigkeit ist vorbei. Der Generaldirektor der Weltgesundheitsorganisation, Tedros Adhanom Ghebreyesus, ehemaliger Gesundheitsminister Äthiopiens, hat Afrika dringend aufgefordert, sich der Bedrohung durch COVID-19 zu stellen. Regierungen und Hilfsorganisationen bereiten sich nun auf das Schlimmste vor und reagieren verspätet auf einen Infektionsverlauf, der dem europäischen ähnelt: erst eine kleine anfängliche Fallbelastung, dann ein exponentieller Anstieg.

Südlich der Sahara gibt es in Afrika derzeit 1.305 bestätigte Fälle des COVID-19-Coronavirus - weniger als 1 Prozent der weltweiten Gesamtzahl. Nur 11 Länder haben mehr als 20 bestätigte Fälle. Allein in Europa wurden in den 24 Stunden, bevor ich diesen Kommentar schrieb, über 4.000 neue Fälle gemeldet.

Aber diese Zahlen verdecken das Ausmaß der Pandemiegefahr. Da nur wenige Länder genügend Tests durchführen können, sind die gemeldeten Fälle möglicherweise nur die Spitze des Eisbergs - und die Zahlen klettern schnell in die Höhe. Während die meisten frühen Fälle von Besuchern aus Europa „importiert” wurden, melden nun mehrere Länder, wie Südafrika, Senegal, Kenia, Liberia und die Demokratische Republik Kongo, die Übertragung innerhalb der Gemeinschaften.

Viele afrikanische Regierungen handeln jetzt mit größerer Entschlossenheit als einige europäische Regierungen. Länder wie Senegal und Nigeria testen und verfolgen Fälle. Flughäfen werden entweder vollständig oder für Besucher aus Ländern mit einer hohen Zahl von gemeldeten Fällen geschlossen. In Ghana wurden öffentliche Versammlungen und Beerdigungen verboten. In mehreren Ländern wurden Schulen geschlossen. Soziale Distanzierung wird gefördert.

Project Syndicate is conducting a short reader survey. As a valued reader, your feedback is greatly appreciated.

Take Survey

Doch Afrikas Regierungen und Gemeinschaften können diese Pandemie nicht allein eindämmen. Selbst einige der stärksten Gesundheitssysteme der Welt, die milliardenschwere Finanzspritzen erhalten, geraten unter enormen Druck angesichts der Belastung durch den Coronavirus. Da etwa ein Drittel der Krankenhauspatienten eine intensive Behandlung benötigt, überfordert COVID-19 die Krankenhäuser, das Gesundheitspersonal und die medizinische Infrastruktur, insbesondere die Versorgung mit persönlicher Schutzausrüstung und medizinischem Sauerstoff. Man sieht es zurzeit an der Krise in der italienischen Region Lombardei und des NHS im Vereinigten Königreich.

Wenn Prävention und Eindämmung versagen und sich COVID-19 ausbreitet, werden Afrikas Gesundheitssysteme der Belastung nicht standhalten können. Aufgrund chronischer Unterinvestitionen und eines Defizits von mehr als drei Millionen Gesundheitsfachkräften sind die Länder nicht in der Lage, selbst die grundlegendsten Gesundheitsbedürfnisse zu befriedigen, geschweige denn auf COVID-19 zu reagieren.

Keine Region ist weiter von der allgemeinen Gesundheitsversorgung entfernt. Die Hälfte der Bevölkerung hat keinen Zugang zu modernen Gesundheitsdiensten. Die öffentlichen Gesundheitsausgaben belaufen sich im Durchschnitt auf nur 16 Dollar pro Person - weit weniger als die 86 Dollar pro Person, die zur Finanzierung der medizinischen Grundversorgung benötigt werden. Es gibt nur sieben Krankenhausbetten und einen Arzt pro 10.000 Menschen (Italien hat über 34 Betten und 40 Ärzte).

Nehmen wir medizinischen Sauerstoff, ein wesentlicher Bestandteil der Behandlung für COVID-19-Patienten, die an akuter Atemnot in Verbindung mit einer viralen Lungenentzündung leiden. Es wird manchmal vergessen, dass es in Afrika bereits eine Lungenentzündungsepidemie gibt, an der jedes Jahr über 400.000 Kinder sterben. Wie der australische pädiatrische Facharzt Hamish Graham gezeigt hat, könnten viele dieser Todesfälle durch Antibiotika und medizinischen Sauerstoff abgewendet werden. Das Problem ist, dass medizinischer Sauerstoff nur selten verfügbar ist.

Und damit nicht genug. Die Gesundheitssysteme stehen im Kampf gegen COVID-19 zwar an vorderster Front, aber die Pandemie stellt eine weitaus größere Bedrohung dar. Die schwache Nachfrage in China hat bereits die Rohstoffpreise erreicht. Die Rezession in Europa und die sinkenden Ölpreise werden den großen Volkswirtschaften der Region schaden. Die afrikanischen Wachstumsprognosen werden nach unten revidiert, mit möglicherweise verheerenden Folgen für die Armut. Die Bildung von Millionen von Kindern wird durch die Schließung von Schulen unterbrochen werden. Die am meisten Benachteiligten könnten durch die Armut in den Arbeitsmarkt gezwungen werden oder, im Fall von heranwachsenden Mädchen, in die frühe Heirat.

Im Gegensatz zur Situation im Jahr 2008 schränken die Staatsverschuldung und der begrenzte Zugang zu den internationalen Kreditmärkten die Fähigkeit der Regierungen ein, die Ausgaben für Sicherheitsnetze, Gesundheit und wirtschaftliche Infrastruktur zu erhöhen. Vor diesem Hintergrund und angesichts des schieren Ausmaßes der Coronavirus-Bedrohung ist die internationale Zusammenarbeit kritischer denn je.

Leider waren die Antworten bisher nur halbherzig. Die Weltbank hat ein Paket von Schnellfinanzierungen geschnürt, das zur Stärkung der Gesundheitssysteme beitragen wird. Aber das Geld fließt zu langsam. Es ist jetzt dringend erforderlich, dass die Finanzierung der Bank in die Vorbereitung öffentlicher Gesundheitssysteme auf Diagnose, Behandlung und Eindämmung von COVID-19 investiert wird.

Echte Bereitschaft wird eine rücksichtslose Priorisierung erfordern. Abgesehen von der frühzeitigen Förderung der sozialen Distanzierung haben Länder in Ostasien, die die Pandemie erfolgreicher eingedämmt haben, groß angelegte Tests durchgeführt, um die Träger zu isolieren, Kontakte zu verfolgen und Übertragungsketten zu unterbrechen. Afrika muss diesem Beispiel folgen. Ohne weitere Tests könnte ein Ausbruch unentdeckt bleiben, bis es zu spät ist. Deshalb sind die Bemühungen des britischen Ministeriums für internationale Entwicklung und der Regierung des Senegal um die Entwicklung eines Schnelldiagnosetests so wichtig.

Die nächsten Wochen sind kritisch. In Zusammenarbeit mit den afrikanischen Gesundheitsministerien ist die WHO in einer guten Position, um die Entwicklung von Plänen zur Eindämmung von COVID-19 an vorderster Front zu unterstützen, einschließlich der für Test- und Diagnoseausrüstung, medizinisches Material und Schutzkleidung benötigten Mittel. Es gibt ein fertiges Instrument zur Unterstützung dieser Pläne. Dennoch haben es die Geber immer noch nicht geschafft, den im Januar lancierten Nothilfeappell der WHO in Höhe von 675 Millionen Dollar vollständig zu finanzieren.

Die zweite Verteidigungslinie ist die fiskalische Unterstützung. Afrika braucht dringend finanzielle Zusagen des Internationalen Währungsfonds. Die derzeitigen Notfallkreditlinien - rund 10 Milliarden Dollar für alle Länder mit niedrigem Einkommen - sind einfach zu klein. Abgesehen von der Bereitstellung von fiskalischem Helikoptergeld sollten sowohl der IWF als auch die Weltbank zusammenarbeiten, um die Investitionen in Gesundheit, Bildung und Sicherheitsnetze zu unterstützen, die für den Aufschwung so entscheidend sind.

Afrika mag den politischen Entscheidungsträgern in der reichen Welt als eine ferne Sorge erscheinen. Aber wenn uns das Coronavirus eines gelehrt hat, dann ist es, dass pandemische virale Bedrohungen keine Grenzen respektieren. Dies ist keine Krankheit, die in unseren eigenen Hinterhöfen besiegt werden kann. Sie muss weltweit besiegt werden, oder sie wird überhaupt nicht besiegt werden. Und jetzt müssen wir sie in Afrika besiegen.

Aus dem Englischen von Eva Göllner

https://prosyn.org/Opf0ZArde;
  1. op_twliu1_XinhuaXiao Yijiu via Getty Images_wuhancoronavirushospitaldoctor Xinhua/Xiao Yijiu via Getty Images
    Free to read

    Witnessing Wuhan

    Tracy Wen Liu

    While Chinese authorities have been projecting an image of national triumph over the COVID-19 outbreak there, the doctors and nurses on the front lines tell a different story. Having lived through hell, they see little to celebrate, much to mourn, and reason to remain fearful.

    10

Edit Newsletter Preferences