A man looks at his phone Issouf Sanogo/Getty Images

Junge Menschen gegen Jugendarbeitslosigkeit

TORONTO – In ganz Afrika sind junge Menschen unterwegs. Sie bilden einen großen Migrationsstrom, verursacht durch Faktoren wie Armut, Instabilität und Naturkatastrophen, der die Aufnahmeländer auf dem ganzen Kontinent unter großen wirtschaftlichen und sozialen Druck setzt. Aber die größte Ursache für die Vertreibung ist ein Problem, das viele Menschen auf der ganzen Welt gemeinsam haben: die Unfähigkeit, dort, wo sie leben, Arbeit zu finden.

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Viele afrikanische Länder haben im vergangenen Jahrzehnt ein erhebliches Wachstum des Bruttoinlandsprodukts verzeichnet. Aber der zusätzliche Wohlstand hat nicht zu formellen Beschäftigungsverhältnissen geführt. 70 Prozent der Arbeiter in der Sahelzone arbeiten im informellen Sektor, wie auf kleinen Farmen, als Straßenverkäufer und im Haushalt, und nicht in festen Arbeitsverhältnissen.

Die afrikanischen Jugendlichen sind am stärksten von dieser Arbeitslosigkeit und dem Trend zur Unterbeschäftigung betroffen. Aber die jungen Menschen halten auch die Schlüssel zum Motor des problembehafteten afrikanischen Arbeitsmarkts in Händen.

Bis 2030 werden über 120 Millionen junge Menschen auf dem ganzen Kontinent in den Arbeitsmarkt eintreten. Um genügend stabile Arbeitsplätze zu schaffen, muss Afrika die Bildung verbessern, Zugang zu Finanzdienstleistungen erweitern, zivile Teilhabe unterstützen und soziale Sicherheitssysteme bieten. Aber die größte Veränderung wird kommen, wenn junge Menschen Unternehmer werden können. Mit der richtigen Hilfe können die jüngsten Arbeitssuchenden des Kontinents das Wachstum von Arbeitsplätzen in Afrika vorantreiben.

Junge Afrikaner stellen sich in vielerlei Hinsicht bereits heute dieser Herausforderung. Diese Generation ist besser ausgebildet als ihre Eltern, und sie lebt in Ländern, die von schneller und breit angelegter Entwicklung profitieren, einschließlich einem wachsenden Zugang zu Information, Finanzprodukten und anderen unternehmerischen Diensten. Junge Afrikaner haben hohe Ansprüche hinsichtlich der Gestaltung der Zukunft ihrer Länder.

Und trotzdem wird Unternehmertum oft als letzter Ausweg angesehen. Junge Afrikaner verkaufen Waren oder Produkte auf Märkten, nicht weil sie das wollen, sondern weil sie keine andere Wahl haben. Selbstständigkeit wird oft mit anderen jahreszeitlichen oder vorübergehenden Beschäftigungen oder mit Teilzeitarbeit kombiniert. Ziel ist, irgendwie über die Runden zu kommen, nicht, sich eine Karriere aufzubauen.

Aber die Zeiten ändern sich. Und bereits heute treten junge Afrikaner hervor, die komplexe Probleme bewältigen und viele ihrer Altersgenossen beschäftigen. Es gibt zahlreiche Erfolgsgeschichten. In Kenia haben Munyutu Waigi und Ivan Mbowa geimeinsam Umati Capital gegründet, einen digitalen Finanzplatz, der Verarbeitern, Händlern und Kooperativen in der Landwirtschaft hilft, Zugang zu den Mitteln zu erhalten, mit denen sie ihr Geschäft ausbauen können. 2015 haben Waigi und Mbowa für ihre Bemühungen den Zambezi Preis erhalten, der innovative Ansätze für die Förderung der Finanzinklusion anerkennt.

In Ghana hat Mabel Suglo Eco-Shoes mitgegründet, ein Unternehmen, das Künstlern mit Behinderung hilft, modische und bequeme Schuhe und Accessoires aus alten Reifen und recycelten Stoffen herzustellen. 2015 wurde sie für ihre innovative Unternehmensstrategie mit dem Anzisha Preis geehrt, einer gemeinsamen Initiative der African Leadership Academy in Südafrika und der Mastercard Foundation. Suglo ist Mentorin für fünf Angestellte in Sachen Produktentwicklung und Finanzkompetenz. Ihr Geschäft wächst.

Und in Südafrika schuf Marlon Parker, Gründer der Akademie für Sozialinnovation und der Inkubator-RLabs, die virtuelle Währung Zlato, um eine aktive Beteiligung an Schulungskursen zu fördern. Wenn junge Leute in den Cafés der RLabs an Kursen teilnehmen, Laptops benutzen oder Räume buchen, erhalten sie eine Zlato-Gutschrift, die in Essen, Gesundheitsbetreuung und grundlegende Dienste umgetauscht werden kann. Seit der Gründung 2008 hat RLabs Tausende von Arbeitsplätzen geschaffen und ist jetzt in 24 Ländern präsent.

Die jüngsten Unternehmer Afrikas finden nicht nur Mittel und Wege, um sich selbst zu unterhalten und ihre Gemeinschaften zu stärken, sondern sie beseitigen auch den wichtigsten Grund für Migration auf dem Kontinent und darüber hinaus. Unternehmer, die vom Anzisha Preis unterstützt werden, haben beispielsweise mehr als 300 Arbeitsplätze geschaffen und mehr als 850.000 $ Kapital erzeugt. Mitglieder von Ashoka, einer weiteren Organisation, die von der Mastercard Stiftung unterstützt wird, haben erstaunliche 200.000 Arbeitsplätze geschaffen.

Die Fertigkeit, mit der junge Menschen durch derartige Unternehmungen Arbeitsplätze schaffen, macht Hoffnung auf die Zukunft. Diese intelligenten und talentierten Afrikaner beweisen, dass sie die Ausdauer besitzen, die notwendig ist, um bestehende Hindernisse zu überwinden und zum Wohlbefinden ihrer Familien, Gemeinschaften und Länder beizutragen.

Das ist keineswegs überraschend. Junge Menschen sind überall ganz nah an den Herausforderungen ihrer Generation und haben oft Lösungen für die parat, die am meisten davon betroffen sind. Wir sollten alle unsere Unterstützung anbieten. Während sich mehr junge Afrikaner darauf vorbereiten, in den Arbeitsmarkt einzutreten, wird eine angemessene Arbeitsplatzschaffung eine andauernde Erweiterung des Unternehmertums erfordern. Schließlich sind dies die Arbeitsplätze, die junge Afrikaner für viele Generationen auf dem Kontinent halten werden.

Aus dem Englischen von Eva Göllner.

http://prosyn.org/0Lz3oAf/de;

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