Ethiopia ALBERT GONZALEZ FARRAN/AFP/Getty Images

Jahrzehnt der Entwicklung für Afrika

WIEN – Seit 2000 verzeichnet Afrika ein beeindruckendes Wirtschaftswachstum, was hauptsächlich auf Entwicklungshilfe und einen lang andauernden Rohstoffboom zurückzuführen ist. Aber obwohl der Kontinent zwar eine große Diversität hinsichtlich der sozioökonomischen Entwicklung aufweist, verschleiern die Wachstumszahlen allgemein eine fehlende Strukturreform.

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Viele afrikanische Länder müssen erst noch einen Wandel vollziehen, der für eine langfristige Entwicklung hin zu gesellschaftlicher Inklusion und ökologischer Nachhaltigkeit notwendig ist, nämlich die Industrialisierung. Wo immer eine Industrialisierung vollzogen wurde, hat es die ökonomische Diversifizierung zuverlässig verbessert und dazu beigetragen, die Bedingungen für Wachstum und Entwicklung in einem wettbewerbsfähigen Rahmen aufrecht zu erhalten.

In den vergangenen Jahrzehnten haben sich einige Entwicklungsländer – hauptsächlich in Asien – erfolgreich industrialisiert. Aber trotz wiederholter Versuche haben afrikanische Länder dies nicht geschafft. 2014 lag der Anteil der Region Asien-Pazifik an der Wertschöpfung in der globalen Produktion bei 44,6 Prozent, der Afrikas bei lediglich 1,6 Prozent. Südafrika ist das einzige industrialisierte Land in der Sahelzone, und damit ist diese die am wenigsten industrialisierte Region der Welt.

Damit afrikanische Länder eine nachhaltige Entwicklung erzielen, werden sie den Anteil der Industrie – hauptsächlich Produktion – an Investition, Leistung und Handel erheblich erhöhen müssen. Die meisten afrikanischen Länder haben allerdings bereits erkannt, dass ein derartiger Wandel notwendig ist, um sich den vielen, miteinander verbundenen Herausforderungen zu stellen, denen sie nun gegenüberstehen.

Eine dieser Herausforderungen ist das Bevölkerungswachstum. Mehr als die Hälfte der 1,2 Milliarden Menschen, die auf dem Kontinent leben, ist jünger als 19 Jahre, und fast eine Person von fünf ist zwischen 15 und 24. Jedes Jahr drängen 12 Millionen Menschen neu auf den Arbeitsmarkt und müssen mit den Instrumenten und Fähigkeiten ausgestattet werden, die sie brauchen, um ihren Lebensunterhalt zu bestreiten. Die Industrialisierung ist der Schlüssel dafür, der schnell wachsenden afrikanischen Bevölkerung dabei zu helfen, eine demografische Dividende zu realisieren.

Eine damit zusammenhängende Herausforderung ist die Migration. Viele der ehrgeizigsten jungen Menschen mit Unternehmergeist schließen sich anderen auf der Route nach Norden an. Aber kein Land, ganz besonders kein afrikanisches Land, kann es sich leisten, so viel Talent und Potenzial zu verlieren. Die Industrialisierung allein kann die Migrationskrise nicht lösen, aber sie kann eine Ursache bekämpfen, indem sie Arbeitsplätze in den Herkunftsländern schafft.

Eine dritte Herausforderung ist der Klimawandel, der große Risiken birgt, ganz besonders für Länder, in denen die meisten Menschen in der Landwirtschaft arbeiten. Um diese Herausforderung anzugehen, muss Afrika grüne Technologien entwickeln und umsetzen und gleichzeitig mehr Investition in Ressourceneffizienz und saubere Energie lenken. Mit den richtigen Investitionen können afrikanische Länder die Kosten für die Energielieferung in ländliche Gegenden senken und zu den globalen Bemühungen beitragen, Emissionen zu reduzieren und die Folgen des Klimawandels zu mildern.

Kurz gesagt, Afrika muss sich industrialisieren, und zwar sozial inklusiv und ökologisch nachhaltig. Angesichts der Tatsache, dass die meisten vorherigen Bemühungen um nachhaltige Entwicklung in Afrika gescheitert sind, muss ein neuer Ansatz her: ein breit aufgestellter, länder-bezogener Prozess, der finanzielle und nicht-finanzielle Ressourcen nutzt, regionale Integration fördert und die Kooperation der afrikanischen Entwicklungspartner untereinander vereinfacht.

Die Hauptversammlung der Vereinten Nationen hat den Zeitraum 2016-2025 gerade zur dritten Dekade der industriellen Entwicklung für Afrika erklärt. Während dieser Zeit wird die UN-Industrieentwicklungsorganisation (UNIDO), die ich leite, den neuen Ansatz für nachhaltige Entwicklung wie oben umrissen anführen. UNIDO steht voll hinter Partnerschaften für die Mobilisierung von Ressourcen und bietet mit dem Programme for Country Partnership (PCP) ein Testmodell für afrikanische Länder an, dem diese folgen können.

Das PCP von UNIDO bietet Ländern technische Hilfe, Politikberatung und Investitionen, um ihnen zu helfen, Industrialisierungsstrategien zu entwickeln und umzusetzen. Das Programm wurde 2014 ins Leben gerufen und bereits in zwei afrikanischen Ländern – Äthiopien und Senegal – sowie in Peru erfolgreich umgesetzt.

Das PCP ist ein Partnerschaftsmodell für verschiedene Entscheidungsträger, das an die nationale Entwicklungsagenda der jeweiligen Länder angepasst werden kann. Es wurde entwickelt, um zusammen mit den bereits laufenden Entwicklungsbemühungen der Regierungen und ihrer Partner zu arbeiten, bei gleichzeitiger Bereitstellung zusätzlicher Finanzmittel und Investitionen für Sektoren mit hohem Wachstumspotenzial und einem hohen Stellenwert auf der Agenda für industrielle Entwicklung der jeweiligen Regierungen. Prioritätssektoren werden normalerweise nach ihrem Potenzial für Arbeitsplatzschaffung, Investition und Export sowie für ihren Zugriff auf notwendige Rohstoffe ausgewählt.

Der Ansatz von PCP soll die Auswirkungen aller Partnerprogramme und Projekte maximieren, die für die Industrieentwicklung relevant sind. Zu diesem Zweck sind strategische Partnerschaften mit Finanzinstitutionen und dem Unternehmenssektor besonders interessant. Damit können afrikanische Länder zusätzliche Ressourcen für Infrastruktur, Innovation, Fachkräfte und neue Technologien freisetzen.

Das Ziel von UNIDO ist es, das PCP als Mainstream-Modell für alle afrikanischen Länder zu etablieren. Wir sind bereit, Afrika auf seinem Weg zu inklusiver und nachhaltiger Industrialisierung zu helfen, bis 2025 und darüber hinaus.

Aus dem Englischen von Eva Göllner.

http://prosyn.org/9qCktZE/de;

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