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Anpassen oder sterben

MAILAND – In rasch wachsenden Schwellenmärkten sorgt eine Mischung aus internen wirtschaftlichen Kräften, unterstützenden Maßnahmen und Veränderungen der Weltwirtschaft für einen raschen und weit reichenden Wandel. Die Umgestaltung wirtschaftlicher Strukturen passiert so schnell, dass sie praktisch nicht zu übersehen ist – trotz der zeitweise verwirrenden Komplexität des Wandels.  

In diesem sich ständig verändernden Umfeld werden häufig Fehler gemacht. Der wohl gravierendste ist, zu lange an einer erfolgreichen Wachstumsstrategie festzuhalten (an einer Kombination aus komparativem Vorteil und unterstützenden Maßnahmen). Im handelbaren Sektor einer Volkswirtschaft verlagert sich der komparative Vorteil ständig, wodurch es zu strukturellen Veränderungen und schöpferischer Zerstörung kommt. Länder, die sich am Übergang von einem armen hin zu einem Land mittleren Einkommens befinden, versuchen häufig, diese Veränderungen aufzuhalten. Allerdings führt dies zu einer Verlangsamung, wenn nicht gar zu einem völligen Erliegen des Wachstums.

Obwohl der private Sektor (im In- und Ausland) diese Veränderungen vorantreibt, spielen staatliche Strategien und Investitionsmuster des öffentlichen Sektors eine entscheidende unterstützende oder ergänzende Rolle. Auch hier sind Anpassungen nötig. Das erwiesenermaßen beste politische Rahmenwerk für die wichtigsten Schwellenökonomien konzentriert sich nicht nur auf makroökonomische und geldpolitische Stabilität, sondern auch auf Anpassung, die von einer vorausschauenden (wiewohl von Natur aus unvollkommenen) Beurteilung bevorstehender mikro- und makroökonomischer Strukturveränderungen sowie der dafür nötigen unterstützenden Maßnahmen geleitet ist.

Wie ist das nun mit den großen Industrieländern? Aus historischen Gründen ist die politische Denkweise weniger flexibel und an Anpassung orientiert. Strukturwandel wird hauptsächlich als die Domäne des privaten Sektors betrachtet und daher nicht als wichtiger Teil langfristiger politisch-strategischer Überlegungen. Von der Nachkriegszeit  bis in die jüngere Vergangenheit beherrschten die Industrieländer die Weltwirtschaft. Die Schwellenländer übten relativ geringen Einfluss auf sie aus und auf die raschen strukturellen Veränderungen in der Weltwirtschaft müssen sie erst noch angemessen reagieren.