Africa Scientists Peter Martell/AFP/Getty Images

Der neue Braindrain in den Naturwissenschaften

DUBAI – Im Dezember 2013 äußerte der mit dem Nobelpreis ausgezeichnete Physiker Peter Higgs gegenüber der britischen Tageszeitung The Guardian, er würde, wenn er heute eine Stelle an der Universität suchte, „vermutlich als nicht produktiv genug eingeschätzt werden“. Higgs, der seit seiner bahnbrechenden Arbeit im Jahr 1964 nicht einmal zehn Fachaufsätze geschrieben hat, ist überzeugt, dass keine Universität ihn heute einstellen würde.

Wissenschaftler sind mit der Vorstellung des „Publiziere oder stirb“ nur allzu vertraut. Sie müssen immer mehr in unabhängig begutachteten Fachzeitschriften publizieren, um auf der Karriereleiter nach oben zu klettern, ihre Arbeitsplatz zu schützen und die Finanzierung ihrer Institute sicherzustellen. Was aber geschieht – in den Naturwissenschaften oder anderen Fächern – mit Wissenschaftlern etwa im Nahen Osten, die andere Forschungsschwerpunkte verfolgen als die für eine universitäre bzw. wissenschaftliche Karriere möglicherweise entscheidenden Fachzeitschriften, und die zudem kaum Verbindungen zu derartigen Fachzeitschriften unterhalten?

Wissenschaftler und wissenschaftliche Einrichtungen mit hohen Veröffentlichungsquoten in etablierten Fachzeitschriften werden als produktiver eingestuft. Sie profitieren hiervon durch verbesserte Karrierechancen und eine bessere Finanzausstattung ihrer Forschungen. Ob die von ihnen veröffentlichten Arbeiten messbaren Einfluss auf ihr Forschungsgebiet haben, ist dabei leider allzu oft zweitrangig. Die Anreize, die sich ihnen bieten, bedeuten, dass Quantität häufig wichtiger ist als Qualität.

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