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Die Krise der akademischen Freiheit im Westen

WIEN – In Europa bahnt sich eine Krise der akademischen Freiheit an. Gerät sie im Westen unter Beschuss, wird dies normalerweise für ein Randthema gehalten, das auf Länder wie Ungarn beschränkt ist, die immer autoritärer werden. Aber eine ehrliche Bestandsaufnahme würde zeigen, dass das Problem viel weiter verbreitet ist, als es die Europäer und Amerikaner zugeben wollen.

Ja, die Lage ist schlimm im Ungarn von Ministerpräsident Viktor Orbán – einem Mitgliedsland der Europäischen Union, in dem der verfassungsrechtliche Schutz der akademischen Freiheit abgeschafft, den Gender-Studien die Zulassung als akademisches Fach verweigert und ein ehemaliger Militäroberst zum Kanzler der Budapester Universität für Theater und Filmkunst ernannt wurde. Aber blicken wir nach Frankreich, wo Frédérique Vidal, die Ministerin für Hochschulen, Forschung und Innovationen die Universitäten des Landes beschuldigt hat, einem „Islamo-gauchisme“ (einem Islamo-Linkstrend) zu folgen, und mit einer Untersuchung des gesamten akademischen Fachs der postkolonialen Studien begonnen hat.

Und diese Bedrohung beschränkt sich nicht auf die EU. Sowohl in Großbritannien als auch in den Vereinigten Staaten, die lange das große Vorbild für akademische Freiheit waren, scheinen die Gesetzgeber Ungarns illiberalem Regime folgen zu wollen. In den USA werden in den republikanisch kontrollierten Bundesstaaten Gesetzentwürfe vorgestellt, die verhindern sollen, dass „kritische Rassentheorie“ und andere akademische Fächer an öffentlichen Schulen unterrichtet werden.

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