Geistesabwesende Mörder

Als Spezies haben Menschen ein großes Selbstregulierungsproblem. Wir fischen, jagen und betreiben Abholzung und Ackerbau auf allen Erdteilen derart aggressiv, dass wir andere Arten buchstäblich von der Erdoberfläche verdrängen. Unser starkes Verlangen, alles von der Natur zu nehmen, was wir bekommen können, lässt für andere Lebensformen äußerst wenig übrig.

Als die Regierungen der Welt 1992 zum ersten Mal versprachen, sich mit der durch den Menschen verursachten Erderwärmung zu befassen, gelobten sie ebenfalls, das durch Menschen bedingte Aussterben anderer Arten aufzuhalten. Das Übereinkommen zur biologischen Vielfalt, das auf dem Rio-Erdgipfel beschlossen wurde, stellte fest, dass „biologische Vielfalt im allgemeinen Interesse der Menschheit liegt.“ Die Unterzeichner einigten sich darauf, die biologische Vielfalt durch die Schonung der Arten und ihrer Habitate zu erhalten und biologische Ressourcen (z. B. Wälder) nachhaltig zu nutzen. Im Jahr 2002 gingen die Unterzeichner des Vertrags einen Schritt weiter und verpflichteten sich zu einer „merklichen Reduzierung der Geschwindigkeit, mit der der Verlust der biologischen Vielfalt zurzeit fortschreitet“, bis 2010.

Leider bleibt das Übereinkommen zur biologischen Vielfalt wie so viele andere internationale Abkommen im Wesentlichen unbekannt und unerfüllt, und niemand tritt dafür ein. Diese Nachlässigkeit ist eine menschliche Tragödie. Gegen einen sehr geringen Kostenaufwand – und unterm Strich vielleicht gar keinen – könnten wir die Natur erhalten und somit die Grundlage für unser eigenes Überleben und Auskommen schützen. Wir töten andere Arten nicht, weil wir das müssten, sondern weil wir zu nachlässig sind, uns anders zu verhalten.

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