Transatlantischer Handel für alle

WASHINGTON, DC – Die Verhandlungen zur Schaffung einer Transatlantischen Handels- und Investitionspartnerschaft (THIP) zwischen der Europäischen Union und den Vereinigten Staaten werden allgemein begrüßt. Der britische Premierminister David Cameron bezeichnete die THIP als eine „Chance, die sich nur einmal in einer Generation bietet” und bezifferte die potenziellen Gewinne mit jeweils 95,7 Milliarden Euro für die EU und die USA sowie 101 Milliarden Euro für den Rest der Welt.

In einer Welt, die des Wartens auf den Abschluss der endlosen Doha-Runde der Welthandelsorganisation überdrüssig ist, mag selbst eine bilaterale Handelsinitiative wie eine Wohltat erscheinen, vor allem zu einer Zeit, da „bilateral“ die halbe Weltwirtschaft beherrscht, wie jüngst in einem Financial Times-Leitartikel ausgeführt wurde. Doch es besteht auch eine ernst zu nehmende Kehrseite: Das Abkommen könnte den Exporteuren aus Entwicklungsländern schaden, wenn die EU und die USA keine konzertierten Bemühungen unternehmen, die Interessen dieser Akteure zu schützen.

Jenes Merkmal des vorgeschlagenen Abkommens, das die meiste Begeisterung hervorruft - nämlich der Schwerpunkt auf regulatorischen Schranken wie verpflichtende Produktstandards - sollte eigentlich die größte Besorgnis hervorrufen. Angesichts niedriger Zölle in der EU und den USA - durchschnittlich weniger als 5 Prozent - würden weitere präferenzielle Zollsenkungen Außenstehende nicht gravierend beeinträchtigen. Doch wenn es um Standards geht - wie etwa jene für Sicherheit, Gesundheit und Umwelt - sind die Anforderungen hinsichtlich des Marktzugangs brutal und bieten wenig Wahlmöglichkeiten: entweder man entspricht dem geltenden Standard oder man verkauft nicht.

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