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Ein UN-Konsens

„Wenn alles eine Priorität ist, dann ist in Wirklichkeit nichts eine Priorität.“ So reagierte der amerikanische UN-Botschafter John Bolton auf meine Forderung, zur Lösung drängender Probleme dieser Welt, konkrete Prioritäten zu setzen.

Dass derartige Prioritäten von der Politik anerkannt werden, ist von entscheidender Bedeutung. Politiker ersparen sich die Erarbeitung von Aufgabenlisten mit eindeutigen Prioritäten, weil das manche Gruppen verärgern könnte, deren Interessen nicht an erster Stelle gereiht werden. Es ist halt einfacher, alles zu einer „obersten Priorität“ zu erklären.

Die Vereinten Nationen geben Milliarden Dollar aus, um die Menschenrechte zu fördern, die Umwelt zu schützen, Krankheiten zu bekämpfen und die Armut zu verringern. Das Budget der Organisation ist zwar imposant, aber – wie alle Budgets – begrenzt. Die Entscheidungen, wie man mit den größten Herausforderungen der Menschheit umgehen soll, gründen sich allerdings in den seltensten Fällen auf ein System systematischer Prioritätensetzung.

Vielmehr werden diese Entscheidungen inmitten eines ständigen Kampfes um Ressourcen zwischen konkurrierenden Interessensgruppen, Ländern und Organisationen gefällt. Der stellvertretende UN-Generalsekretär Mark Malloch Brown hat darauf hingewiesen, dass zwischen den Vertretern bevölkerungsreicher Nationen und den Repräsentanten wohlhabenderer Länder Misstrauen herrscht – eine Pattsituation, die er als Konfrontation der „Einwohnerzahl gegen Brieftaschen“ beschreibt.