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Tausend für einen

HAIFA – Nach einem seltenen diplomatischen Ereignis, nämlich einer Einigung mit der Hamas, feiert Israel nun die Befreiung des entführten Soldaten Gilad Shalit. Es ist, als ob die Regierung einen Israeli vom Mars zurückgeholt hätte.

Natürlich wurden über die Jahre auch andere israelische Soldaten und Zivilisten von arabischen Staaten gefangen gehalten oder von Terrororganisationen und anderen militanten Gruppen entführt. Und Israel war auch schon in der Vergangenheit bereit, hunderte oder tausende Häftlinge für die Befreiung einer kleinen Anzahl seiner Bürger freizulassen. Aber soweit ich mich erinnern kann, war die öffentliche Unterstützung und Begeisterung für ein solches Abkommen noch nie zuvor so hoch. Mit der Nachricht von Shalits Befreiung ging eine beispiellose Welle von Freude durch das Land.

Ein Grund für diesen Ausbruch von Begeisterung ist klar: Die Familie von Shalit war in den fünf Jahren seit seiner Entführung erstaunlich erfolgreich darin, das Interesse an seinem Fall lebendig zu halten. Für eine Einigung der Regierung mit der Hamas zur Freilassung des Soldaten gab es bereits seit langem eine breite Unterstützung in der israelischen Öffentlichkeit.

Viele Israelis aller sozialer Schichten haben sich der Kampagne für Shalits Befreiung angeschlossen. Es wurden Demonstrationen und Treffen organisiert. Überall wurden Poster mit der Anzahl der Tage seit seiner Gefangennahme aufgehängt. Die größte Initiative ging aber von den Mitgliedern der Shalit-Familie aus: Sie verließen ihr Haus in einem kleinen Dorf in Galiläa und zelteten über ein Jahr lang in Jerusalem in der Nähe des Amtssitzes des Premierministers, um die israelische Öffentlichkeit an das Leiden des Opfers zu erinnern und die Regierung dazu zu bewegen, die Bedingungen der Hamas zu erfüllen.