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Eine Geschichte von zwei Terminals

PEKING – Seit Terminal 5 im Londoner Flughafen Heathrow vor kurzem eröffnet wurde, wird es von Fehlern heimgesucht. Auf der anderen Seite des Globus funktioniert Terminal 3 in Peking, das nur einen Tag vor Terminal 5 vollständig in Betrieb genommen wurde, fast ohne Pannen. Die Medien haben, was nicht überraschend ist, in den Fehlern von T5 in London geschwelgt, während sie die Erfolge von T3 in Peking vernachlässigten.

Pekings T3 übertrifft Londons T5 in jeder Hinsicht. Während in T5 nur 12.000 Gepäckstücke pro Stunde und 30 Millionen Passagiere pro Jahr abgefertigt werden können (wenn überhaupt welche abgefertigt werden), werden in T3 pro Stunde 20.000 Gepäckstücke und pro Jahr 50 Millionen Passagiere abgefertigt. Während T5 vor allem British Airways zur Verfügung steht, werden in T3 Air China und zwei Dutzend andere Fluggesellschaften bedient.

Mit einer Million Quadratmetern ist T3 in Peking das größte Terminal der Welt, sein Bau war jedoch wesentlich günstiger als der von T5 in London. Nimmt man die neuesten Wechselkurse, so hat T3 lediglich $ 3,86 Milliarden gekostet, gegenüber $ 8,6 Milliarden für das Londoner T5. Des Weiteren wurde T3 in weniger als vier Jahren errichtet, wohingegen für T5 fast 20 Jahre gebraucht wurden.

Doch hätte man einen grundlegenden Aspekt übersehen, wenn man T3 einen Erfolg des Sozialismus und T5 das Versagen des Kapitalismus nennen würde. Schließlich handelt es sich bei Chinas politischem System, wenn man überhaupt noch von Sozialismus reden kann, bestenfalls um „Sozialismus chinesischer Prägung“, der zusehends mehr marktorientierte Wirtschaftsaktivität und größere wirtschaftliche Offenheit und Transparenz verkörpert.