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Eine Geschichte von zwei Währungsräumen

PALO ALTO – Die Vereinigten Staaten und Europa sind zwei gigantische Freihandelszonen, von denen jede wohlhabend ist, aber auch ernsthafte kurzfristige Probleme und immense langfristige Herausforderungen aufweist. Außerdem sind es zwei Gebiete mit einheitlicher Währung: dem Dollar und in weiten Teilen Europas dem Euro. Die Herausforderungen, die auf beide zukommen, sind gewaltig.

Doch ist nur Europas Währungsunion mit Ungewissheiten bezüglich ihrer Zukunft konfrontiert; Amerika muss mit keiner existenziellen Währungskrise rechnen. Die Ähnlichkeiten und Unterschiede der beiden Wirtschaftsmächte, vor allem im Hinblick auf die interne Arbeitsmobilität, Produktivität und Haushaltspolitik, legen nahe, warum dies so ist – ferner bieten sie Hinweise darauf, ob die Eurozone die Krisen in ihrer Peripherie meistern und sich zu einem stabilen Währungsraum entwickeln kann.

Die Arbeitsmobilität aus ärmeren in reichere Gegenden bietet einen Stoßdämpfer gegen unterschiedlich ausgeprägte wirtschaftliche Not. Der zweite natürliche Stoßdämpfer ist eine Währungsabwertung, die die Wettbewerbsfähigkeit in dem am stärksten betroffenen Gebiet steigert. Das kann bei einer Gemeinschaftswährung nicht passieren, und ökonomische Anpassungen sind doppelt so schwierig, wenn die Arbeitskräfte nicht mobil genug sind, um dazu beizutragen, regionale Einkommensrückgänge und Arbeitslosigkeit abzumildern.

Die Gründe für die im Vergleich zu Amerika geringere Mobilität von Arbeitskräften in der Eurozone sind mannigfaltig. Zwar waren Amerikas ursprüngliche dreizehn Kolonien eine lockere Föderation, und noch ein Jahrhundert nach der Revolution sahen sich viele Amerikaner zuerst als Bürger ihres Bundesstaats und erst dann als US-Bürger. Doch war der eigene Bundesstaat keine voll ausgebildete Nation, mit einer eigenen verbindenden und tief verwurzelten Geschichte, Kultur, ethnischen Identität und Religion.