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Ein Neuanfang im Kaukasus

ERIWAN – Werden die aktuellen türkischen Turbulenzen zwischen Premierminister Recep Tayyip Erdoğan und der mächtigen Armee die seit langem mutigsten Initiativen des Landes komplizieren und verzögern? Die Rede ist von jenen Schritten, die in die Wege geleitet wurden, um die jahrzehntealten Spannungen sowohl mit den Armeniern als auch den Kurden beizulegen.    

Die Neuorganisation der Rolle der türkischen Armee ist von entscheidender Bedeutung, aber wenn die Türkei ihre Öffnung gegenüber den Armeniern und den Kurden nicht weiter verfolgt, werden sich ihre Beziehungen zu den beiden Völkern, die innenpolitische Situation des Landes und auch die Spannungen im Kaukasus zweifellos verschärfen. Der Konflikt zwischen Armeniern und Aserbaidschanern wegen Berg-Karabach ist der gefährlichste der vielen Krisenherde in der Region, zu denen auch jener zwischen Georgien und Russland wegen Südossetien und Abchasien zählt.

Im Konflikt zwischen Georgien und Russland reichen allerdings der Größenunterschied und die einseitige Machtverteilung, um eine Rückkehr der Gewalt zu verhindern. Außerdem bestehen keinerlei verwobenen Bündnisse, die die Situation komplizieren. Georgien ist kein Mitglied der Nato und die Vereinigten Staaten werden wegen Georgien sicher nicht gegen Russland in den Krieg ziehen.

Der Konflikt zwischen Armenien und Aserbaidschan ist da schon bedrohlicher. Dabei handelt es sich nämlich nicht mehr um ein zweiseitiges Tauziehen zwischen kleinen postsowjetischen Republiken, sondern um ein dreiseitiges Problem zwischen Armenien, der Türkei und Aserbaidschan. Dieses Dreieck ist die direkte Folge eines Normalisierungsprozesses zwischen Armenien und der Türkei, der begann, als sich die Präsidenten beider Länder bei einem Fußball-Match trafen.