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Eine trügerische Erholung?

NEW YORK – In welche Richtung entwickeln sich die amerikanische und die globale Wirtschaft? Im letzten Jahr gab es bei dieser Debatte zwei Seiten. Ein Lager behauptete, die Rezession in den Vereinigten Staaten werde V-förmig verlaufen – kurz und flach. Sie werde nur acht Monate andauern, wie die beiden vorhergehenden Rezessionen von 1990-1991 und 2001, und die Welt werde sich vom US-Konjunkturrückgang abkoppeln.

Andere, unter anderem ich, behaupteten, dass es sich angesichts des überhöhten Verschuldungsgrads im Privatsektor (Haushalte, Finanzinstitute und Unternehmen) um eine U-förmige Rezession handeln werde – lang und tief. Sie werde etwa 24 Monate andauern, und die Welt werde sich nicht vom Konjunkturrückgang der USA abkoppeln.

Heute, 20 Monate nach dem Anfang der US-Rezession, ist die Ansicht, es handele sich um eine V-förmige Rezession, vom Tisch: Die Rezession wurde im Sommer 2008 durch massive Auswirkungen auf alle Länder global. Dies ist die schlimmste amerikanische und globale Rezession seit 60 Jahren. Wenn die US-Rezession Ende dieses Jahres vorbei ist, was wahrscheinlich ist, wird sie dreimal so lang gedauert haben wie die vorherigen beiden und in Bezug auf den Gesamtrückgang der Produktion etwa fünfmal so tief gewesen sein.

Heute herrscht unter Ökonomen der Konsens, dass die Rezession bereits vorbei ist, dass die US- und die Weltwirtschaft schnell wieder zum Wachstum zurückkehren werden und dass kein Risiko eines Rückfalls besteht. Leider könnten sie mit diesem neuen Konsens jetzt ebenso falsch liegen, wie die Befürworter des V-förmigen Szenarios in den letzten drei Jahren falsch lagen.