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Eine Friedensagenda für die globale Entwicklung

MONROVIA, LIBERIA – In dieser Woche kommen die 27 Mitglieder des Hochrangigen Beratergremiums für die Zukunft der globalen Entwicklungsziele im liberianischen Monrovia zusammen, um den Generalsekretär der Vereinten Nationen Ban Ki-moon zu beraten. Bei dem Treffen wird das Gremium eine „kühne, aber dennoch praktische“ Vision für gemeinsame Maßnahmen für nachhaltige Entwicklung ausarbeiten.

Während diese Diskussionen stattfinden – unter der Schirmherrschaft der liberianischen Präsidentin und Friedensnobelpreisträgerin Ellen Johnson Sirleaf, des indonesischen Präsidenten Susilo Bambang Yudhoyono und des britischen Premierministers David Cameron – werden die nahe gelegene Sahelzone und die Region der Großen Seen weiterhin von Gewalt und Konflikten geplagt. So kommt es in vielen afrikanischen Ländern (ganz zu schweigen von Syrien und anderen Staaten) zur Vertreibungen von Menschen im großen Stil und unsäglichem menschlichem Leid – Missstände, die den beispiellosen wirtschaftlichen Fortschritt des Kontinents im letzten Jahrzehnt umzukehren drohen.

Das Gremium (in dem ich Mitglied bin) muss die Gelegenheit nutzen, die das Treffen in Monrovia bietet, um zu einer globalen Entwicklungsagenda beizutragen, die den Teufelskreis aus Konflikt und Armut aufbricht, der die Wirtschaftsaktivität behindert und das menschliche Wohlergehen untergräbt.

Über ein Jahrzehnt gaben die Millenniumsentwicklungsziele (MEZ), die in zwei Jahren auslaufen, den Rahmen der internationalen Entwicklungszusammenarbeit vor, mit dem Schwerpunkt, die Armut weltweit zu bekämpfen. Bei der Ausarbeitung einer neuen, umfassenden Folgeagenda sollten die globalen Entscheidungsträger anerkennen, dass die MEZ zwar Millionen Menschen weltweit dazu verholfen haben, Analphabetismus, Krankheit und Hunger hinter sich zu lassen, ihre Wirkung insgesamt jedoch unzureichend war, vor allem in instabilen Ländern, die von Konflikten heimgesucht werden. Statistiken der Weltbank zeigen, dass kein von Konflikten betroffenes Land mit niedrigen Einkommen auch nur ein einziges MEZ erreicht hat. Das zeigt, dass das Rahmenwerk sich nicht dazu eignet, Probleme wirksam zu bekämpfen, die durch organisierte Gewalt und Unsicherheit hervorgerufen werden.