Europa auf gefährlichem Terrain

LONDON – Anfang dieser Woche haben sich rund 100 europäische Persönlichkeiten in einem offenen Brief an die Regierungschefs aller 17 Länder der Eurozone gewandt. In diesem Brief ist ausformuliert, was die europäischen Regierungschefs inzwischen offenbar begriffen haben: Sie können die Probleme nicht weiter vor sich her schieben. Außerdem verstehen sie jetzt, und das ist ebenso wichtig, dass es nicht reicht dafür zu sorgen, dass Regierungen ihre Schulden zu akzeptablen Zinsen finanzieren können; sie müssen sich auch der Schwäche des europäischen Bankensystems annehmen.

Tatsächlich verstärken sich die Probleme des europäischen Bankensektors und der Staatsverschuldung gegenseitig. Die fallenden Preise für Staatsanleihen haben die Unterkapitalisierung der Banken offenbart, während die Risikoprämien für Staatsanleihen durch die Aussicht gestiegen sind, dass Regierungen die Rekapitalisierung der Banken finanzieren werden müssen. Die Aussicht zusätzliches Kapital aufbringen zu müssen, während sich ihre Aktien zu einem Bruchteil des Buchwertes verkaufen, bietet Banken einen starken Anreiz ihre Bilanzsummen zu reduzieren, indem sie Kreditlinien zurückziehen und ihre Kreditportfolios verkleinern.

Europas Staats- und Regierungschefs machen sich Gedanken, was sie tun sollen, und ihr nächster Schritt wird schicksalhafte Konsequenzen haben: Entweder werden sich die Märkte beruhigen oder es wird zu neuen Extremen kommen. Alle sind sich einig, dass eine geordnete Umstrukturierung der griechischen Schulden notwendig ist, da eine ungeordnete Insolvenz zum Zusammenbruch der Eurozone führen kann. Was die Banken anbelangt befürchte ich allerdings, dass die Führungsköpfe der Eurozone einige ungeeignete Maßnahmen in Erwägung ziehen.

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