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Neues vom Risikoabbau

NEW YORK – Bis zu den jüngsten Turbulenzen an den Finanzmärkten waren zahlreiche riskante Anlagen (u.a. Aktien, Staatsanleihen und Rohstoffe) seit dem vergangenen Sommer unermüdlich gestiegen. Doch trotz abnehmender Risikoscheu und Volatilität und steigender Vermögenspreise blieb das Wirtschaftswachstum weltweit kraftlos. Und nun sieht es aus, als würden sich die weltwirtschaftlichen Fehler der Vergangenheit möglicherweise rächen.

Japan, das seit zwei Jahrzehnten gegen Stagnation und Deflation kämpft, musste sich den Abenomics zuwenden, um eine Rezession mit fünf Talsohlen zu vermeiden. In Großbritannien konzentriert sich die Debatte seit dem letzten Sommer auf eine mögliche VW-förmige Rezession. Der größte Teil der Eurozone steckt weiter in einer schweren Rezession, die sich nun von der Peripherie auf Teile des Kerns ausweitet. Selbst in den USA ist die Wirtschaftsentwicklung weiter lustlos, und das Wachstum verharrt seit inzwischen mehreren Quartalen bei rund 1,5%.

Und jetzt haben sich die Lieblinge der Weltwirtschaft – die Schwellenmärkte – als unfähig erwiesen, ihre eigenen Konjunkturabschwünge zu überwinden. Laut dem IWF hat sich Chinas jährliches BIP-Wachstum auf 8% verlangsamt, gegenüber 10% in 2010. Im selben Zeitraum ist Indiens Wachstumsrate von 11,2% auf 5,7% zurückgegangen. Russland, Brasilien und Südafrika wachsen mit rund 3%, und auch die Entwicklung in anderen Schwellenmärkten hat sich verlangsamt.

Diese Kluft zwischen Wall Street und Main Street (steigende Vermögenspreise trotz unerwartet schlechter Wirtschaftsentwicklung) lässt sich durch drei Faktoren erklären. Erstens sind die weltwirtschaftlichen Extremrisiken (Ereignisse mit niedriger Wahrscheinlichkeit und potenziell katastrophalen Auswirkungen) – ein Zerbrechen der Eurozone, der Sturz der USA von der Fiskalklippe, eine harte Landung in China, ein Krieg zwischen Israel und Iran wegen der Atomfrage – heute niedriger als noch vor einem Jahr.