0

Die Finanzparty könnte weiterziehen

LONDON: Es gab einmal eine Zeit, in der Ranglisten nur auf den Sportseiten der Zeitungen zu finden waren. Inzwischen sind sie eine globale Manie.

Es gibt Ranglisten über Schulen und Universitäten, über die Rentabilität oder das gesellschaftliche Engagement von Unternehmen, über die Zufriedenheit der Menschen in unterschiedlichen Ländern und solche, die Verbrauchermarken nach ihrem Wert einzuordnen suchen. Es gibt sogar eine Rangliste der lustigsten Witze der Welt (viel gelacht habe ich nicht).

Auch die Finanzwelt ist voll von derartigen Ranglisten. Investmentbanker warten mit angehaltenem Atem darauf, dass die Ranglisten für Fusionen und Übernahmen herauskommen, obwohl die Verbindung zwischen einem hohen Listenplatz und der Unternehmensrentabilität irgendwo zwischen locker und nicht existent anzusiedeln ist. Eine ganze Weile schon gibt es Ranglisten über Banken; derzeit beruhen diese eher auf der Kapitalstärke als auf dem Anlagevolumen, was eine gewisse Verbesserung darstellt, aber noch immer nicht allzu aussagekräftig ist.

Zudem gibt es inzwischen eine Reihe von – beträchtliche Ängsten hervorrufenden – Ranglisten, die Finanzplätze primär auf der Basis von Unternehmensbefragungen klassifizieren. In London und in geringerem Ausmaß in New York (manche Amerikaner neigen dazu, zu glauben, die Welt werde ihnen die Tür einrennen, egal, wie schlecht man dort aufgenommen wird!) stellt man sich zunehmend die Frage, wie schwer die Finanzkrise Ruf und Performance der großen Finanzzentren des Westens in Mitleidenschaft gezogen hat.