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Ein falsch bewerteter Euro?

CAMBRIDGE: Die Europäische Zentralbank (EZB), erfasst von einer wegen der Ölpreise und eines Dollar-Höhenflugs steigenden Inflation, hat die Zinssätze nochmals um eine Stufe erhöht. Es soll noch mehr kommen. Wachstum ist wunderbar, Inflation ist furchtbar, und eine Zentralbank kann nicht umhin zu wählen: Sie muss die Preisstabilität selbst dann wiederherstellen, wenn es die Opferung von Wachstum bedeutet. Dies steht wenigstens bevor, wenn es keine plötzliche Entlastung durch einen Aufschwung des Euro gibt. Aber ist es realistisch, eine Erholung von einer Währung zu erwarten, die seit ihrer Geburt belagert wird?

Bei seiner Einführung erklomm der Euro beeindruckende Höhen, wie ein High-Tech-IPO. Aber das IPO ging bald erbärmlich unter. Seit seiner Einführung ist der Euro von seinem Höchststand sogar weiter heruntergefallen als der Nasdaq beim High-Tech-Ausverkauf vor einigen Monaten. Wie bei den High-Tech-Überfliegern des Nasdaq stellen sich auch beim Euro diese nörgelnden Fragen: Was ist der elemantare Wert? Gibt es eine grundlegende Fehlbewertung des Euro gegenüber anderen Währungen (besonders dem Dollar), und wie lange dürfte dies anhalten? Es wird allgemein angenommen (aber niemand wettet viel darauf), dass der Nasdaq noch weiter zu rutschen droht, während der Euro früher oder später zur Normalität zurückkehren muss, was immer dies heißen mag. Könnte das Gegenteil passieren?

Eine neuere Studie des IWF berichtet von „Gleichgewichts-“Wechselkursen, die von Langzeitfaktoren-Modellen bei Währungsbewertungen ausgehen. Die Gleichgewichtskurse werden in der beigefügten Tabelle aufgeführt; so sind die heutigen Wechselkurse. Diesen theoretischen Gleichgewichtskursen des IWF zufolge wird der Euro erheblich fehlbewertet, gegenüber dem Dollar wird er 30% und gegenüber dem Yen 18% unterbewertet!

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