0

Eine Nahostunion?

TOLEDO: Das Toledo International Centre for Peace richtete in diesem Herbst eine Konferenz aus, bei der es um die Kooperation in Wasserfragen im Nahen Osten ging. Eine Schlussfolgerung der Konferenz war, dass jede wirksame Antwort auf die ungleiche Verteilung natürlicher Ressourcen in der Region eine regionale sein muss. Mit dieser Idee im Hinterkopf schlug Munther Haddadin, ehemaliger jordanischer Minister für Wasserressourcen, eine „Wasser- und Energieunion“ für den Nahen Osten vor – als langfristigen Mechanismus für die Integrierung einer fragmentierten Region.

Die Idee überzeugt. Sich um derart grundlegende Bedürfnisse in einer Weise zu kümmern, die Mangel und Überschuss regional verwaltet, folgt einer bezwingenden Logik.

Tatsächlich sind die Parallelen zur Rolle von Kohle und Stahl bei der Schmiedung der Europäischen Union so eindeutig, dass im vergangenen Monat der ehemalige deutsche Außenminister Joschka Fischer eine derartige Union forderte. Dasselbe taten der frühere tschechische Präsident Václav Havel und eine Gruppe weltweiter Geistesgrößen, die sich für die Idee einer regionalen Integration durch Wasser aussprechen. In Anlehnung an die von uns in Spanien abgehaltene Konferenz treten auch wir sehr für dieses lohnenswerte Ziel ein.

Freilich wurde die europäische „Montanunion“ erst möglich, nachdem Europas zentrale politische Konflikte beigelegt waren. Und auch ein erfolgreicher Prozess regionaler Integration im Nahen Osten wird einen politischen Rahmen erfordern, der die für eine regionale Kooperation nötige Stabilität gewährleistet. Alle Seiten müssen wissen, wo ihre Grenzen anfangen und aufhören, und vergangenes Unrecht Vergangenheit sein lassen, damit der Kreislauf der Rache und der automatische Reflex zugunsten kurzfristiger Vorteile regionale Lösungen der anstehenden Probleme nicht konterkarieren.