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Ein liquides Europa

BRÜSSEL – Kehrt die Eurozone vom Rand des Abgrunds zurück? Möglich wäre es, da sich abzeichnet, dass das neue Regelwerk zur Lösung der anhaltenden Staatsschuldenkrise eine Schlüsselkomponente enthält, die bisher gefehlt hat. Die Abwesenheit dieser Komponente war eine Ursache für die um sich greifende Finanzkrise in diesem Sommer, die sich über kleine Peripherieländer wie Griechenland, Irland und Portugal hinweg ausbreitete und auch systemrelevante Staaten wie Italien und Spanien angriff.

Die Ansteckung begann mit der Erkenntnis der Investoren, dass der europäische Rettungsfonds, die Europäische Finanzstabilisierungsfazilität, nur zur finanziellen Unterstützung der peripheren Staaten ausgelegt war. Dieser Fonds hat heute und auch zukünftig nicht genug Mittel, um die umfangreichen Anleihekäufe zu finanzieren, die zur Stabilisierung der Schuldenmärkte großer Volkswirtschaften wie Spanien und Italien erforderlich sind. Die EFSF hat höchstens 440 Milliarden € zur Verfügung (alles darüber hinaus würde das AAA-Rating Frankreichs gefährden), während Italien und Spanien zusammen mit mehr als 2 Billionen € verschuldet sind.

Anfang August fand in der Schuldenkrise der Euro-Peripherieländer ein Dominoeffekt statt, da die Finanzmärkte nicht darauf warten wollten, dass ein Land nach dem anderen herabgestuft würde. Statt dessen nahmen sie das Endergebnis oder zumindest ein mögliches Szenario vorweg, nämlich die Auflösung der gesamten Krisenbewältigungsstruktur.

Die Märkte hatten erkannt, dass der Euro sich in einer Zwickmühle befand. Einerseits war die Kreditkapazität der EFSF begrenzt, und andererseits war die Europäische Zentralbank nicht willens, in größerem Stil Anleihen der gefährdeten Staaten aufzukaufen. Später stellte sich heraus, dass die Linie der EZB gar nicht so hart war, obwohl sie erklärte, die Interventionen einzustellen, sobald die neue EFSF funktionsfähig sein würde. Und angesichts der begrenzten Feuerkraft der EFSF wären die Märkte ohne Unterstützung gewesen.