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Eine beispiellose Zukunft

JERUSALEM – Mit meinen nun beinahe 90 Lebensjahren kann ich mich nicht an eine Zeit erinnern, in der die Vergangenheit für die politische Entscheidungsfindung so unerheblich war. Keine der bedeutenden Entwicklungen der Gegenwart wurde von irgendjemandem vorhergesehen. Experten untersuchten zwar die Vergangenheit, aber infolge ihrer Verhaftung in alten Paradigmen konnten sie die Zukunft daraus nicht ableiten.  

Aufgrund der dynamischen Komplexität der Welt von heute, in der angesichts einer wissenschaftlich begründeten und sich rasch wandelnden Weltwirtschaft noch mehr Ereignisse voneinander abhängig sind, gelingt es uns nicht, die Zukunft auf Grundlage einer linearen Extrapolation der Vergangenheit zu prognostizieren. Die einzige Gewissheit besteht darin, dass die Zukunft von wissenschaftlichem Fortschritt und Innovation bestimmt sein wird, die im Voraus nicht bekannt sein können.

Infolge dieser Entwicklungen nimmt die traditionelle Macht von Staaten und Staatenlenkern ab. In der globalisierten Wirtschaft von heute üben nicht Politiker, sondern Erneuerer den größten Einfluss aus. Die globalisierte Wirtschaft betrifft alle Staaten und doch kann kein einzelner Staat das Ergebnis bestimmen, weil Wissenschaft und Technologie grenzenlos sind. Global agierende Unternehmen wollen auf der ganzen Welt ihren Geschäften nachgehen, wodurch einerseits zwar die Souveränität leidet, aber andererseits Rassismus und Vorurteile sowie in signifikanter Weise auch der Nationalismus geschwächt werden. 

Aufgrund dieses Wandels liegen die Geschicke dieser Welt nunmehr in den Händen einer jüngeren Generation. Sie ist die technologisch versierter als ihre Eltern und untereinander durch soziale Netzwerke verbunden, die Landesgrenzen, Sprachbarrieren oder unterschiedliche Regierungsformen überwinden. Die jungen Gründer von Facebook und Google üben größeren globalen Einfluss aus, als viele Staatsoberhäupter und Generäle.