0

Eine Außenpolitik für das neue und das alte Europa

Die Nachrichten aus dem Irak erinnern mich an meine Zeit als polnischer Premier während des ersten Golfkrieges. Ich habe von zu Hause aus auf CNN gesehen, wie die ersten Raketen in Bagdad einschlugen. Stunden später teilte mir das Militär mit, dass sich ein bewaffneter Konflikt im Irak anbahne. ``Ja, ich weiß,'' antwortete ich. ``Ich habe die Bombardierung im Fernsehen gesehen.''

Zwölf Jahre später ist der polnische Premierminister nicht mehr auf einen verspäteten Anruf seiner Militärs angewiesen, um zu erfahren, dass der Krieg im Irak ausgebrochen ist. Im Rahmen der NATO-Partnerschaft wurden alle Einzelheiten den Angriff betreffend schon im Vorfeld zur Verfügung gestellt. Polen nimmt sogar eine führende Position bei der Besetzung des Irak ein. Was für einen langen Weg ist Polen seit dem Zusammenbruch des Kommunismus im Jahr 1989 gegangen!

Das Wenigste von all dem ist allerdings das Ergebnis einer durchdachten Strategie, denn (leider) haben wir es in Polen versäumt, langfristige Richtlinien für unsere Außenpolitik als NATO-Mitglied und zukünftigem Mitglied der EU festzulegen. Wir beschränken uns weiterhin darauf, den unmittelbaren Nutzen oder Schaden einer Initiative abzuschätzen.

Nimmt man dazu die herrschende außenpolitische Schizophrenie - einige Polen glauben, unser Land würde das Schicksal Europas durch seine bloße Existenz beeinflussen, wieder andere leiden unter einem lähmenden Pessimismus und befürchten, Polen könne nie über seinen Status als ein ``Land zweiter Klasse'' hinauskommen - so hat man das Rezept für Handlungsunfähigkeit. Irgendwie, so hoffen wir, werden sich die Dinge schon zum Guten wenden.