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Gescheiterte Erholung der Weltwirtschaft

NEW HAVEN: Die Weltwirtschaft erlebt ihre zweite Wachstumspanik in nicht mal zwei Jahren. Gewöhnen Sie sich daran. In einer nachkrislichen Welt ist dies ein Zeichen einer gescheiterten Erholung.

Der Grund hierfür ist einfach. Der typische Geschäftszyklus weist einen natürlichen Dämpfungsmechanismus auf, der unerwartete Schläge abfedert. Je schlimmer der Abschwung, desto stärker die Gegenreaktion und desto größer die kumulative Kraft einer selbsttragenden Wiederbelebung. Ausgeprägte V-förmige Aufschwünge zeichnen sich durch eine eingebaute Elastizität aus, die es ihnen erlaubt, Erschütterungen relativ problemlos wegzustecken.

Eine Erholung nach einer Krise jedoch ist eine ganz andere Sache. Wie Carmen Reinhart und Kenneth Rogoff in ihrem Buch Diesmal ist alles anders gezeigt haben, erholen sich nach einer Krise – historisch langfristig betrachtet – Wirtschaftsleistung und Beschäftigung tendenziell eindeutig unterdurchschnittlich.

Solchen schwachen Erholungen fehlt es per definitionem an der Abfederung V-förmiger Aufschwünge. Entsprechend zeigen externe Erschütterungen schnell ihre Anfälligkeit auf. Wenn derartige Erschütterungen stark genug sind und auf eine geschwächte Weltwirtschaft treffen, die sich ihrer „Abreißgeschwindigkeit“ von etwa 3% jährlichem Wachstum nähert, könnte sich der Rückschlag zur gefürchteten W-förmigen Rezession ausweiten.