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Die reale Abwertung findet nicht statt

MÜNCHEN – Unter erheblichem Druck von außen ringen sich die Krisenländer des Euroraums zu schmerzlichen Einschnitten beim Staatsetat durch. Gehälter werden gekürzt, und Staatsbedienstete werden entlassen, um die Neuverschuldung auf ein erträgliches Maß zu senken.

Und doch verbessert sich die Wettbewerbsfähigkeit nicht. Die neuesten Eurostat-Zahlen zur Entwicklung des Preisindex der selbst erzeugten Waren (BIP-Deflator) zeigen in den meisten Krisenländern keinerlei Tendenz zur realen Abwertung. Eine reale Abwertung durch Senkung der Preise gegenüber den Wettbewerbern im Euroraum ist aber das einzige Mittel, Wettbewerbsfähigkeit wiederherzustellen. Auch eine Senkung der Lohnstückkosten durch Produktivitätszuwächse kann die Wettbewerbsfähigkeit nur in dem Maße erhöhen, wie sie tatsächlich eine Preissenkung bewirkt.

Die Krisenländer waren in der Phase des billigen Kredits, die mit dem Euro gekommen war, inflationär aufgeblasen worden. Dadurch ging die Wettbewerbsfähigkeit verloren. Es entstanden Leistungsbilanzdefizite und riesige Außenschulden. Nun, da die Kapitalmärkte diese Defizite nicht mehr zu finanzieren bereit sind, muss der Rückwärtsgang bei den Preisen eingelegt werden, aber der ist offenkundig blockiert.

Im Jahr 2010 war die Inflation in einigen Krisenländern hinter den Wettbewerbern im Euroraum ein wenig zurück geblieben. Die neuesten Eurostat-Zahlen für das dritten Quartal 2011 bieten aber schon wieder ein anderes Bild. Danach hat sich das Preisniveau im Jahresvergleich in Portugal und Griechenland gegenüber dem Rest der Eurozone praktisch nicht verändert, und in Italien und Spanien ist es sogar leicht gestiegen (+ 0,4% bzw. + 0,3%).