Dean Rohrer

Die reale Abwertung findet nicht statt

MÜNCHEN – Unter erheblichem Druck von außen ringen sich die Krisenländer des Euroraums zu schmerzlichen Einschnitten beim Staatsetat durch. Gehälter werden gekürzt, und Staatsbedienstete werden entlassen, um die Neuverschuldung auf ein erträgliches Maß zu senken.

Und doch verbessert sich die Wettbewerbsfähigkeit nicht. Die neuesten Eurostat-Zahlen zur Entwicklung des Preisindex der selbst erzeugten Waren (BIP-Deflator) zeigen in den meisten Krisenländern keinerlei Tendenz zur realen Abwertung. Eine reale Abwertung durch Senkung der Preise gegenüber den Wettbewerbern im Euroraum ist aber das einzige Mittel, Wettbewerbsfähigkeit wiederherzustellen. Auch eine Senkung der Lohnstückkosten durch Produktivitätszuwächse kann die Wettbewerbsfähigkeit nur in dem Maße erhöhen, wie sie tatsächlich eine Preissenkung bewirkt.

Die Krisenländer waren in der Phase des billigen Kredits, die mit dem Euro gekommen war, inflationär aufgeblasen worden. Dadurch ging die Wettbewerbsfähigkeit verloren. Es entstanden Leistungsbilanzdefizite und riesige Außenschulden. Nun, da die Kapitalmärkte diese Defizite nicht mehr zu finanzieren bereit sind, muss der Rückwärtsgang bei den Preisen eingelegt werden, aber der ist offenkundig blockiert.

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