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Ein niederländischer Pontius Pilatus in Srebrenica

Der britische Diplomat und Historiker Harold Nicholson sagte einmal, ein Diplomat wäre ein ehrenwerter Gentleman, der im Ausland Lügen zum Nutzen seines eigenen Landes verbreite. Die jüngsten offiziellen Berichte aus Den Haag über das Verhalten des niederländischen Bataillons im bosnischen Srebrenica im Jahr 1995 lassen vermuten, dass die UN-Blauhelme ehrenwerte Soldaten sind, die im Ausland potenzielle Opfer vor Aggression schützen sollen - und sich anschließend als Mitverantwortliche für den Völkermord wiederfinden.

Dies entspricht vielleicht nicht ganz den tatsächlichen Vorkommnissen rund um das niederländische Bataillon in Srebrenica, aber der jüngste, 6000 Seiten umfassende Bericht des Niederländischen Instituts für Kriegsdokumentation lässt den Schluss zu, dass, wenn es um die Verantwortung für das grausame Massaker an 7.000 bosnischen Muslimen in Srebrenica unter den Augen der UN-Schutztruppe (UNPROFOR) geht, sich alle Beteiligten die Hände in Unschuld waschen und den Ball an andere weiterspielen.

Die Vorkommnisse in der UN-Schutzzone Srebrenica im Juli 1995 sind sehr vielschichtig und wollte man einen präzisen Bericht darüber, würde man wahrscheinlich wie im Film Rashomon nur unterschiedliche individuelle Schilderungen der grausamen Tat bekommen. Nicht einmal der sehr um Fairness bemühte niederländische Bericht gibt ein vollständig objektives Bild. Dennoch sind einige Fakten unbestritten:

Srebrenica war eine UN-Schutzzone, eine muslimische Enklave in einer von den Serben kontrollierten Region.