0

Eine Zollunion für den Balkan

Der Sturz von Milosevic heilt nicht den politischen Jammer des Balkans, sondern erhöht vielmehr die Dringlichkeit, mit der dieser Jammer angegangen werden muss. Jugoslawien ist zerfallen, doch die Auflösung ist unvollständig. Vojislav Kostunica wurde in Jugoslawien zum Präsidenten gewählt, sein Mandat erhielt er allerdings einzig und allein durch die Unterstützung in Serbien. Montenegro, Serbiens Juniorpartner in der jugoslawischen Föderation, hat die Wahl zu einem großen Teil boykottiert, während die Albaner im Kosovo sie schlichtweg ignoriert haben.

Dennoch war es das in seinen Fundamenten instabile Jugoslawien, das vor kurzem in die UN aufgenommen wurde. Eine Menge Probleme bleiben ungelöst: die Beziehungen zwischen Serbien und Montenegro und der Status des Kosovo (ganz zu schweigen von der serbischen Nordprovinz Vojvodina). Alle Lösungen, alle Vorschläge für einen Wandel werden aufgrund der sich widersprechenden Souveränitätsansprüche neue Konflikte erzeugen.

Wie groß die Versuchung auch sein mag, das Problem durch das Ziehen neuer Grenzen oder durch die Erschaffung neuer Einheiten zu beseitigen: dieses Rätsel kann nicht mit Begriffen wie Souveränität gelöst werden. Diese traditionelle Lösung würde die Probleme des Balkans nur weiter aufrechterhalten. Eine neue Zugangsweise ist notwendig: Die Europäische Union sollte die Aussicht auf die europäische Integration als einen Weg zur Foerderung der regionalen Integration verwenden.

Die EU könnte wie ein Magnet agieren, mit dessen Hilfe die Regionen sich dadurch einander annähern, dass die Region als Ganzes Europa nähergebracht wird. Dieser Gedanke hat eine große Anziehungskraft bei den Menschen in der Region, doch nur die EU kann ihn auch in die Tat umsetzen. Nach der NATO-Intervention im Kosovo haben die europäischen Führer diesen Gedanken zum Grundstein ihrer Vision für den Balkan werden lassen. Die Idee selbst wurde im Stabilitätspakt bewahrt, der anlässlich des Sarajevo-Gipfels im Juli 1999 unterzeichnet wurde.