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Warum auf den Euro warten?

Die Osterweiterung der EU ist noch nicht vollzogen, aber die Debatte ist schon einen Schritt weiter: wann, so wird gefragt, sollten die neuen, in ihrer Mehrheit postkommunistischen Mitglieder den Euro einführen? Vorausgesetzt, sie erfüllen die im Vertrag von Maastricht festgelegten Voraussetzungen bezüglich der EWU - und es werden nicht unfairerweise strengere Konvergenzkriterien festgelegt - geht es im Wesentlichen um die Frage, ob es für die neuen Mitglieder günstiger ist, zu warten oder einen schnellen Beitritt anzustreben.

Zunächst einmal muss an dieser Stelle betont werden, dass ein Land für den raschen Beitritt zur EWU ein ehrgeizigeres Steuer- und Strukturprogramm verfolgen muss, als wenn der Beitritt noch hinausgezögert würde. Andernfalls wäre der frühe Beitritt eine leere Geste.

Meiner Meinung nach ist es nicht nur möglich, sondern auch erstrebenswert, eine frühe Einführung des Euro hinauszuzögern. Mit 'früher Einführung' meine ich den kürzest möglichen Zeitraum - zwei Jahre - nachdem ein neues Mitglied seine Währungspolitik den steuerlichen und monetären Zwängen des Ausgleichsmechanismus des Europäischen Währungssystems (ERM II) unterordnet. Bei einem Eintritt sowohl in die EU als auch in den ERM im Jahr 2004 sollten neue Mitglieder die Mitgliedschaft in der Eurozone um 2006 anstreben.

Ist dies realistisch? Die meisten Kandidaten haben bereits ein hohes Maß an struktureller Konvergenz mit der EU erreicht. Die Exporte in die Union sind seit 1991 in die Höhe geschnellt, als auf den Zusammenbruch des COMECON-Handelssystems der sowjetischen Ära eine radikale Umorientierung der Wirtschaft - mit Hilfe von massiven Auslandsinvestitionen aus der EU - hin zu westlichen Märkten folgte. Die meisten Beitrittskandidaten exportieren heute mehr in die EU als Griechenland, Portugal und Spanien zum Zeitpunkt ihres Beitritts zu EU und EWU.