The Next Wave
Eine Verschwörung, so immens ...
Naomi Wolf
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NEW YORK: Ist dies das Zeitalter der Verschwörungstheorien? Viel deutet darauf hin, dass wir uns in einer Art goldenem Zeitalter der Spekulationen, Dokumentierung und Schlussfolgerungen durch die Bürger befinden, die sich normalerweise über das Internet manifestieren und viral um den Erdball verbreiten. Dabei werden Verschwörungstheorien den Rändern des öffentlichen Diskurses, wohin sie im Allgemeinen in der Vergangenheit verbannt waren, entrissen, und finden manchmal ihren Weg mitten ins Zentrum der Politik.
Mir ist dies rein zufällig bewusst geworden. Als Autorin eines Buches über die missbräuchliche Übernahme exekutiver Macht in den USA während der Bush-Jahre stolperte ich bei Recherchen zu neuen Entwicklungen über Onlinegespräche, die sich mit Begeisterung Geschichten von Manipulationen hinter den Kulissen widmen.
Dabei gibt es einige zentrale Themen. Ein häufiges Thema in den USA ist, dass globale Eliten – u.a. mittels der Bilderberg Group und des Council on Foreign Relations – insgeheim die Einrichtung einer „Weltregierung“ planen, die statt von den nationalen Regierungen von ihnen selbst beherrscht wird. Manchmal kommen stärker folkloristische Details ins Spiel, die als Mitglieder bei dieser Kabale die Illuminati, die Freimaurer, Rhodes-Stipendiaten oder, wie immer, die Juden nennen.
Die Hauptmerkmale dieser Geschichte sind jedem vertraut, der sich mit der Weitergabe bestimmter Arten von Storys in Krisenzeiten beschäftigt hat. In literarischer Hinsicht ähnelt diese Verschwörungstheorie stark den Protokollen der Weisen von Zion – mit einer verschwiegenen globalen Elite von großer Macht und mit verwerflichen Zielen. Historisch geht es tendenziell immer um denselben Themenbereich: Furcht erregende, unkontrollierte Umwälzungen unter Führung gebildeter, urbanisierter Kosmopoliten.
Wer die Weimarer Republik studiert hat, weiß, dass plötzliche Verwerfungen und Erschütterungen – eine rapide Verstädterung, die Störung traditioneller familiärer und gesellschaftlicher Beziehungen, die Lockerung sexueller Beschränkungen und der wirtschaftliche Zusammenbruch – damals viele Deutsche für simplizistische Theorien empfänglich machten, die ihre Verwirrung aufzulösen und ihrem Leid eine höhere Bedeutung zu geben schienen.
In ähnlicher Weise behauptet heute das „9/11 Truth Movement“, dass der Anschlag auf die beiden Türme des World Trade Centers ein „Inside Job“ gewesen sei. In der muslimischen Welt gibt es eine weit verbreitete Verschwörungstheorie, wonach die Israelis hinter den Anschlägen standen und alle in den Gebäuden arbeitenden Juden am 11. September zu Hause geblieben wären.
Verschwörungstheorien kommen normalerweise dort auf, wo die Menschen ungebildet sind und es keine gründlich arbeitende unabhängige Presse gibt. Warum also finden derartige Theorien heutzutage in den USA und anderen wohlhabenden Demokratien Anhänger?
Die heutige explosive Zunahme an Verschwörungstheorien wird durch dieselben Umstände angeheizt, die deren Akzeptanz in der Vergangenheit steuerten: rapider gesellschaftlicher Wandel und tief greifende wirtschaftliche Unsicherheit. Ein eindeutig designierter „Feind“ mit einem unverkennbaren „Plan“ ist psychologisch bequemer als die chaotische Evolution gesellschaftlicher Normen und die Funktionsweisen – oder Fehlentwicklungen – eines ungebremsten Kapitalismus. Und während Verschwörungstheorien oftmals ganz offensichtlich irrational sind, sind die in ihnen aufgeworfenen Fragen häufig vernünftig, selbst wenn die Antworten oft unbelegt oder schlicht falsch sind.
Mit ihrer Suche nach Antworten reagieren diese Bürger rational auf irrationale Gegebenheiten. Viele Bürger glauben, und zwar zu Recht, dass ihre Massenmedien es versäumen, Missbräuche zu untersuchen und zu dokumentieren. In den meisten hoch entwickelten Ländern haben die Zeitungen zu kämpfen oder geben auf; investigative Berichterstattung ist häufig das Erste, an dem gespart wird. Die Konzentration von Medieneigentum und -beherrschung heizt das Mistrauen der Öffentlichkeit weiter an und bereitet den Boden für ein investigatives Tätigwerden der Bürger, das in dieses Vakuum drängt.
Ebenso sind in einem Zeitalter, in dem Firmenlobbyisten freie Hand bei der Gestaltung – wenn nicht gar der Abfassung – der öffentlichen Ordnung haben, viele Menschen (erneut zu Recht) der Ansicht, dass ihre gewählten Mandats- und Funktionsträger sie nicht länger vertreten. Daher ihre Neigung, an unsichtbare Kräfte zu glauben.
Und schließlich: Selbst rational denkende Menschen sind inzwischen empfänglicher für bestimmte Verschwörungstheorien, weil wir in den vergangenen acht Jahren tatsächlich eine Reihe ausgeklügelter Verschwörungen erlebt haben. Die Bush-Administration verschwor sich, die Amerikaner und andere in einen illegalen Krieg zu ziehen und nutzte dafür gefälschte Beweise. Muss man sich dann wundern, dass so viele rational denkende Menschen versuchen, aus einer politischen Realität klug zu werden, die in der Tat ungewöhnlich unübersichtlich geworden ist? Wenn selbst Angehörige des Untersuchungsausschusses zum 11. September sich von den eigenen Schlussfolgerungen distanzieren (weil sie auf unter Folter erlangten Belegen basierten), kann es dann überraschen, dass viele eine zweite Untersuchung wollen?
Es passiert häufig genug, dass Bürger, die an den Rändern des Diskurses nachgraben – und derartigen Theorien anhängen – Nachrichten vermelden, die von den etablierten Medien ignoriert werden. So war es etwa ein „Verschwörungstheoretiker“, Alex Jones, der zuerst den Einsatz von Mikrowellentechnologie gegen US-Bürger durch amerikanische Polizisten dokumentierte. Der New Yorker hat die Story dann sehr viel später ohne Angabe der Originalquelle bestätigt.
Die Tendenz der etablierten Medien, das, was im Bereich der Verschwörungstheorien im Internet tatsächlich berichtenswert ist, weder zu überprüfen noch zu veröffentlichen, spiegelt in Teilen eine klassenbedingte Voreingenommenheit wider. Verschwörungstheorien gelten als vulgär und intellektuell anspruchslos. Also werden selbst sinnvolle kritische Fragen oder gut belegte Daten, die von investigativ tätigen Bürgern zutage befördert werden, von gut ausgebildeten, offiziellen Journalisten tendenziell wie radioaktiver Müll behandelt.
Das wahre Problem bei all diesen wilden Verschwörungstheorien ist, dass sie die Bürger aufgewühlt, aber ohne einen soliden Beleghintergrund zurücklassen, auf dem sie ihre Weltsicht aufbauen können – und ohne eine konstruktive Richtung, in die sie ihre Emotionen kanalisieren können. Dies ist der Grund, warum sich potenziell interessante Spekulationen von Bürgern in so vielen Diskussionsfäden in Hasstiraden und Paranoia verwandeln. In einem fiebrigen Umfeld ohne gute redaktionelle Überprüfung oder Instrumente zur Dokumentation lassen sich die Bürger ausnutzen und von Demagogen aufwiegeln – so wie man es in den letzten Wochen bei Sarah Palins Wahlkampfveranstaltungen erleben konnte, nachdem Internettheorien Barack Obama als Terroristen oder als mit Terroristen im Bunde dargestellt hatten.
Wir müssen den Informationsfluss des Internetzeitalters ändern. Die Bürger sollten leichter in der Lage sein, investigativen Reportern in den etablierten Medien Informationen zukommen zu lassen, ihnen Storys anzubieten und Hinweise zu schicken. Sie sollten neue Onlinegebilde organisieren, in denen sie eine Gebühr für direkte investigative Berichterstattung zahlen – ohne eine Einflussnahme durch wirtschaftlichen Druck. Und die investigativ tätigen Bürger sollten in grundlegenden Aspekten des Journalismus geschult werden: wie man gute Daten findet, Storys durch zwei unabhängige Quellen bestätigen lässt, verantwortlich zitiert und Anonymität meidet – d.h., zu seinen eigenen Texten steht, so wie es konventionelle Reporter tun.
Auf diese Weise können Bürger ernsthaft als Dokumentatoren und Rechercheure unserer gemeinsamen Lage angesehen werden – und sich selbst als solche betrachten. In einer Zeit, in der offiziellen Stellen nicht zu trauen ist, sollte eine gesunde investigative Energie erhellen und nicht nur aufheizen.
Naomi Wolf ist Verfasserin von The End of America: Letter of Warning to a Young Patriot sowie Give me Liberty: How to Become an American Revolutionary und Mitbegründerin des US-amerikanischen Demokratiebündnisses American Freedom Campaign.
Copyright: Project Syndicate, 2008.
www.project-syndicate.org
Aus dem Englischen von Jan Doolan
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bkhudenko 12:12 11 Nov 08
There are no conspiracsies! Ms. Wolf! Your good-man Mr. Paulson is giving out almost a trillion dollars taken from "We the People" without asking "We the People", the money to be used for multi-billion dollar pots of bonuses to his, Mr. Paulson's, Wall-Street-buddies-in-robbery-of-"We the People". Those buddies, the utter business failures, are sacredly entitled for the funds to maintain their chosen life style. Everyone in the governmental command, all devote Capitalists, are feeding the business failure Top Financial Managers with the free lunch. You teach us = "We the People", with aplomb, that "We the People" should not dare even think to verbally object to the gross conspiracy on the Internet. Naomi, dear and sweet, are you a well paid agent of The Paulsons-the-swindlers?


good1 12:08 09 Nov 08
About free flow of info. on the internet, Ms Wolf believe that some of those info. "conspiracy theory" causes/promotes following results:
"In seeking answers, these citizens are reacting rationally to irrational realities."
"The real problem with this frantic conspiracy theorizing is that it leaves citizens emotionally agitated but without a solid ground of evidence upon which to base their worldview, and without constructive directions in which to turn their emotions."
This is just two quotes that Ms Wolf presented and claim to be the problems of existing free flow of info. on the internet.
She further suggested:
"We need to change the flow of information in the Internet age. Citizens should be able more easily to leak information, pitch stories, and send leads to mainstream investigative reporters. They should organize new online entities in which they pay a fee for direct investigative reporting, unmediated by corporate pressures. And citizen investigators should be trained in basic journalism: finding good data, confirming stories with two independent sources, using quotes responsibly, and eschewing anonymity – that is, standing by their own bylines, as conventional reporters do."
I am rather confused.
Is Ms Wolf for the absolute free flow or is she against the control of info.?
Is the free flow objectionable because the result can be not what Ms Wolf expected ?
To clarify her stand on the "absolute free flow of info. on the internet"
I will like to pose the following questions to Ms Wolf:
1)Why is Ms Wolf repeatedly using the Weimar(Nazi) Republic as an example to all her proves of things she think is going wrong?
2)Does continual free flow of all Info. presently available in the USA ever existed during the Weimar Republic?
3)Does all info. need to be editorialized ( controlled ) ?
4)How does Ms Wolf think the 'control' of info. during initial phase of Weimar Republic started?
5)Does Ms Wolf believe that an average American is in danger of being brain washed/confused/turned off by preponderance of conflicting ideas?
6)Is Ms Wolf suggesting that people "should be trained in basic journalism: finding good data, confirming stories with two independent sources, using quotes responsibly, and eschewing anonymity – that is, standing by their own bylines, as conventional reporters do" before being able to comment?
7)Does Ms Wolf ever used the quote "from a reliable source --- be named"?
8)Does Ms Wolf ever find any info. that does subscribe to her belief objectionable?
9)Has Ms Wolf ever been wrong about some ideas she put forth?
10)Has she offer recantation/apology for those ideas?
If Ms Wolf will answer theses questions honestly to herself than Ms Wolf will realize that she is as close to being a 'zealot' that she suggest this free flow of info. is doing to some Americans.
Welcome to the real world Ms Wolf.