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Warum freier Handel wichtig ist

NEW YORK – Auch wenn Skeptiker oft das Gegenteil behaupten, ist das Konzept des freien Handels nach wie vor aktuell. Es bezieht sich nicht nur auf den allgemeinen Wohlstand (das “Gesamt-BIP”), sondern auch auf dessen Verteilung, wodurch es außerdem ethisch relevant wird.

Zwischen der Offenheit des Handels und wirtschaftlicher Prosperität gibt es starke und deutliche Verbindungen. Arvind Panagariya von der Columbia University hat beispielsweise Entwicklungsländer in zwei Gruppen aufgeteilt: “Wunderländer” mit BIP-Wachstumsraten pro Kopf von 3% oder mehr und “Debakelländer” ohne Wachstum oder mit negativen Wachstumsraten. Er fand heraus, dass beide Gruppen im Zeitraum von 1961-1999 vergleichbare Wachstumsraten im Handelsbereich aufwiesen.

Natürlich könnte man argumentieren, dass BIP-Wachstum die Ursache für Handelswachstum ist, anstatt umgekehrt – bis man allerdings die Länder genauer unter die Lupe nimmt. Es stimmt auch nicht, dass Handelswachstum wenig mit Handelspolitik zu tun hat: Die Handelsströme wurden nicht nur durch geringere Transportkosten, sondern auch durch stetigen Abbau von Handelshemmnissen gesteigert.

Auffallend ist die dramatische Steigerung des BIP-Wachstums in Indien und China, nachdem diese Länder in den 1980ern und frühen 1990ern ernsthaft begannen, Handelsbeschränkungen zu beseitigen. In beiden Ländern war die Rücknahme protektionistischer Politik nicht die einzige Reform, aber ein wichtiger Faktor.

Auch in den Industrieländern wurde die Handelsliberalisierung der frühen Nachkriegszeit von anderen Formen wirtschaftlicher Öffnung begleitet (z.B. der Rückkehr zu freier Konvertierbarkeit der Währungen), was zu starkem Wachstum des BIP führte. In den 1970ern und 1980ern flaute das Wirtschaftswachstum ab, allerdings aufgrund der makroökonomischen Krisen, die durch den Erfolg des OPEC-Kartells und die darauf folgende Deflationspolitik des damaligen Notenbankvorsitzenden Paul Volcker verursacht wurden.

Darüber hinaus ist die Ansicht, dass die historische Erfahrung für Protektionismus spricht, falsch. Das Argument, dass die protektionistische Politik des 19. Jahrhunderts zum Wachstum junger Industrien in den USA beigetragen hätte, wurde vom Wirtschaftshistoriker Douglas Irwin in Frage gestellt. Er hat außerdem gezeigt, dass viele der erfolgreichen Hochzollländer wie Kanada und Argentinien die Zölle als Einkommensquelle genutzt haben, und nicht als Mittel zum Schutz der inländischen Produktion.

Auch sollten Anhänger des Freihandels keine Sorge haben, dass dieser das Wachstum mancher Entwicklungsländer blockiert, wie Kritiker behaupten. Der Handel hat lediglich eine unterstützende Funktion. Wenn beispielsweise die Infrastruktur schlecht ist oder die Innenpolitik Investoren davon abhält, Marktchancen wahrzunehmen (ein Beispiel sind die lähmenden Lizenzbeschränkungen Südasiens), werden keine Ergebnisse erzielt. Um von der Öffnung des Handels zu profitieren, muss das sonstige wirtschaftliche Umfeld stimmen.

Aber dann greifen die Kritiker zur Behauptung, die handelsbedingten Wachstumsvorteile kämen nur den Eliten und nicht den Armen zugute, seien also unausgewogen. In Indien allerdings hat das Wachstum aufgrund von Reformen, darunter der Handelsliberalisierung, fast 200 Millionen Menschen aus der Armut befreit. Für China, das noch stärker wächst, wird geschätzt, dass seit dem Beginn der Reformen mehr als 300 Millionen Menschen die Armutsgrenze nach oben überschritten haben.

In der Tat profitieren auch die Industrieländer vom Einfluss des Handels auf die Verminderung der Armut. Entgegen verbreiteter Ansicht schadet es den reichen Ländern nicht, mit armen Ländern Handel zu treiben. Das Gegenteil ist der Fall. Druck auf die Arbeitslöhne wird nur durch technischen Fortschritt verursacht, der ungelernte Arbeitskräfte einspart. Der Import billiger, arbeitsintensiver Güter aus Entwicklungsländern dagegen hilft den Armen, die diese Güter konsumieren.

Wenn freier Handel Armut verringert, sollten sich die Kritiker nicht für moralisch überlegen halten. In Wahrheit sind es die Anhänger des Freihandels, die auf der richtigen Seite stehen: Muss nicht angesichts immer noch mehr als einer Milliarde Menschen, die in Armut leben, unser größter moralischer Anspruch darin bestehen, diese Zahl zu reduzieren? Es ist verführerisch, über “soziale Gerechtigkeit” nur zu reden, aber schwierig, tatsächlich etwas dagegen zu tun. Hier haben die Befürworter des freien Handels die Nase vorn.

Wie der Historiker Frank Trentmann gezeigt hat, wurde im Großbritannien des 19. Jahrhunderts der freie Handel in moralischer Hinsicht dafür gelobt, dass er nicht nur wirtschaftlichen Wohlstand fördert, sondern auch Frieden. Außerdem sollten wir uns daran erinnern, dass der damalige US-Außenminister Cordell für seinen unermüdlichen Einsatz für den internationalen Freihandel 1945 den Friedensnobelpreis erhielt. Das norwegische Nobelpreiskomittee sollte endlich wieder die Zeichen der Zeit erkennen.

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