Exit from comment view mode. Click to hide this space
Email | Print

Wohin steuern Afrikas „Frontier Markets“?

NEW YORK – Die Wahlen in Simbabwe scheinen wieder einmal einen Gemeinplatz zu bestätigen: Afrika scheint nur dann in die internationalen Schlagzeilen zu gelangen, wenn Katastrophen passieren – Dürren, Putsch, Krieg, Völkermord. Doch im Laufe der letzten Jahre haben mehrere Länder südlich der Sahara einen bislang einzigartigen Zustrom an ausländischem Kapital verzeichnet. Die jüngsten globalen Finanzkrisen haben Afrikas Reiz nur verstärkt, da seine so genannten „Frontier Markets“ (Grenzmärkte) weniger anfällig für die internationale Volatilität sind als die meisten der bekannteren aufstrebenden Wirtschaftsräume der Welt.

Es gibt drei Hauptgründe, warum viele Länder südlich der Sahara so gut abschneiden. Erstens bringen die hohen Rohstoffpreise unerwartete Gewinne für die führenden Förderer von Rohstoffen in der Region. Der wachsende Bedarf an Energie, Metallen und Mineralen – insbesondere in China – hat zu Auslandsinvestitionen in bisher unerreichter Höhe geführt. Selbst große Pensionskassen werden langsam darauf aufmerksam. Außerdem hat eine große Anzahl der ärmsten Länder Afrikas von dem exponentiellen Wachstum von Spendengeldern (vor allem aus den Vereinigten Staaten) profitiert.

Doch während diese beiden positiven Trends sich wahrscheinlich fortsetzen, wird sich ein dritter positiver Faktor vielleicht als nicht so dauerhaft erweisen. Jedes Jahr schicken Afrikaner, die außerhalb des Kontinents wohnen, ungefähr $ 30 Milliarden an Familie und Freunde zu Hause. Diese Überweisungen sind für die ökonomische Stabilität in mehreren afrikanischen Ländern lebenswichtig. Eine Verlangsamung der Wirtschaft in den USA und Europa könnte diese Bargeldspritze beträchtlich verringern, da Einwanderer häufig die Ersten sind, die ihre Arbeit verlieren, wenn sich die Angst vor einer Rezession breit macht.

Gleichzeitig sind Afrikas neu entstehende Wirtschaftsräume, obwohl sie weniger anfällig für globale Finanzturbulenzen sind als andere aufstrebende Märkte, höchst anfällig für politische Unruhen in ihrer Nähe. Die drei Länder, die in den letzten Jahren als Säulen der regionalen Stabilität dienten – Nigeria, Kenia und Südafrika –, sind derzeit zu sehr mit ihren eigenen politischen Problemen beschäftigt, um die Friedenstruppen und Wiederaufbaufonds bereitzustellen und den politischen Druck auszuüben, die bei Konflikten an anderen Stellen in der Region häufig den Schaden begrenzen.

Die meisten Probleme Nigerias sind bekannt. Militante Gruppierungen im ölreichen Nigerdelta legten zeitweise bis zu 30 % der Ölexporte des Landes still, die eine wichtige Einnahmequelle für den Staat darstellen. Präsident Umaru Yar’Adua hat konkrete Schritte unternommen, um die Korruption in Nigeria auf höchster Ebene zu bekämpfen, und scheint Fortschritte bei einem umfassenden Friedensabkommen mit den Deltarebellen gemacht zu haben

Doch könnte Yar’Adua bald mit einem großen, vorläufigen Problem konfrontiert werden. Nachdem das nationale Wahltribunal des Landes bereits die Ergebnisse mehrerer Provinzwahlen gekippt hat, könnte es auch die Ergebnisse der Präsidentschaftswahl im letzten Jahr annullieren und ihn zwingen, von neuem als Präsidentschaftskandidat anzutreten. Obwohl Yar’Adua den Rückhalt, den er im Laufe des letzten Jahres aufgebaut hat, nutzen könnte, um mit einem noch größeren Vorsprung zu gewinnen, würde der 90 Tage dauernde Wahlkampf mit Sicherheit Bürgerunruhen auslösen, und Nigerias Führung wäre zu sehr mit den inneren politischen Rivalitäten beschäftigt, um bei der Stabilisierung von Konflikten in anderen afrikanischen Ländern zu helfen.

Kenia steckt in größeren Schwierigkeiten. Das solide Wirtschaftswachstum und die am schnellsten wachsenden Aktienbörsen der Welt konnten das Land nicht vor einer sich verschärfenden politischen Krise und wachsender ethnischer Gewalt seit den umstrittenen Ergebnissen der Präsidentschaftswahl im Dezember bewahren. Präsident Mwai Kibaki, dem internationale Beobachter Wahlfälschung vorwerfen, hat zu verstehen gegeben, er würde die Macht in einer Einheitsregierung teilen, doch hat Oppositionsführer Raila Odinga diese Versprechen schon oft gehört. Odinga hat sich seiner Zeit für Kibakis Wahlsieg 2002 stark ins Zeug gelegt, nur um mitanzusehen, wie Kibaki bei einem ähnlichen Versprechen sein Wort brach.

Trotz der alarmierenden Gewalteskalation, sind die Ängste vor einem Bürgerkrieg in Kenia wahrscheinlich übertrieben. Kenias Orange Oppositionsbewegung hat vor kurzem wichtige Schlüsselpositionen im Parlament eingenommen und hält sich an den Aufruf von UNO-Generalsekretär Kofi Annan und den Vertretern der Afrikanischen Union, Ruhe zu bewahren. Doch sollte niemand erwarten, dass Kenia so schnell wieder eine stabilisierende Rolle in der Region übernehmen wird.

Die dritte Säule des Kontinents, Südafrika, verbringt das Jahr 2008 im Sumpf einer eskalierenden politischen Fehde zwischen Thabo Mbeki, dem scheidenden Präsidenten, und Jacob Zuma, einem ehemaligen Abgeordneten, der kürzlich zum neuen Vorsitzenden des regierenden African National Congress gewählt wurde und aussichtsreichster Kandidat für die Nachfolge Mbekis, seines erbitterten Rivalen, im nächsten Jahr ist.

Südafrikas Gerichte sind zum politischen Schlachtfeld geworden, da Mbeki und seine Verbündeten versuchen, Zumas Kandidatur mit Korruptionsvorwürfen zunichte zu machen. Der resultierende politische Flächenbrand könnte Zuma dazu zwingen, auf die Unterstützung wichtiger Verbündeter in Südafrikas Gewerkschaftsbewegung und in der Kommunistischen Partei zurückzugreifen, was den marktwirtschaftlichen Konsens der politischen Elite in Frage stellt und eine Debatte über Südafrikas zukünftige Wirtschaftspolitik provoziert.

Kein afrikanisches Land südlich der Sahara hätte das wirtschaftliche Gewicht und politische Selbstvertrauen, um Nigeria, Kenia und Südafrika in nächster Zeit als Säulen der Stabilität zu ersetzen. Regionale Blöcke wie die Westafrikanische Wirtschaftsgemeinschaft (ECOWAS), die Südafrikanische Zollunion (SACU) und die Ostafrikanische Gemeinschaft (EAC) werden letztendlich eine große Rolle bei der Lösung der hartnäckigsten diplomatischen und ökonomischen Probleme des Kontinents spielen. Doch wird das nicht in diesem Jahr geschehen.

Es bleiben viele gute Gründe für Investoren, das Risiko der afrikanischen Frontier Markets einzugehen. Doch muss nicht zwangsläufig erst eine Dürre, ein Putsch, Krieg oder Völkermord stattfinden, damit sie sich die Sache noch einmal gründlich überlegen.

Reprinting material from this Web site without written consent from Project Syndicate is a violation of international copyright law. To secure permission, please contact us.

Exit from comment view mode. Click to hide this space

Comments (0)

You need to login in order to leave a comment. If you do not yet have an account, please register.

Show comments of
close

The two commenting options explained

Watch a 1 minute video
to discover how you can comment on the entire article or a specific paragraph. The two images below also explain the two ways of commenting.

1) Entire article comment
Once logged in, simply click inside the comment box where it says "Enter text here." Enter and post your comment.

2) Paragraph comment
Please log in first. Then click to the left of the desired paragraph. Your cursor will automatically move to the comments box. Enter and post your comment.

Top Project Syndicate commentaries

Email this article

Your name is required.

Your email is required.


Your friend's name is required.

Your friend's email is required.


A message is required.