Friday, September 19, 2014
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Wenn Technophobie Schaden anrichtet

STANFORD – In den späten 1990er-Jahren ist in Ländern auf aller Welt ein bemerkenswertes Phänomen aufgetreten. Ein Nahrungsmittel- und Getränkehersteller nach dem anderen kapitulierte vor Aktivisten, die sich gegen eine vielversprechende neue Technologie zur Wehr setzten: Die gentechnische Veränderung von Pflanzen zur Erzeugung von Lebensmittelzutaten. Die Kapitulation dauert bis heute an.

Der japanische Brauereikonzern Kirin und die dänische Brauerei Carlsberg haben gentechnisch veränderte Zutaten aus ihren Bieren genommen. Der Fast-Food-Gigant Mc Donald's hat sie in den Vereinigten Staaten von der Speisekarte verbannt; die Lebensmittelhersteller Heinz und Gerber (damals im Besitz der schweizerischen Novartis AG) haben sie aus ihren Babynahrungssortimenten entfernt und der Snack-Produzent Frito-Lay hat darauf bestanden, dass seine Vertragsanbauer die Anpflanzung gentechnisch veränderter Maispflanzen einstellen, die ein bakterielles Protein enthalten, dass Resistenz gegenüber Schädlingen verleiht.

Es gab unterschiedliche Begründungen für diese Maßnahmen. Tatsache ist jedoch, dass sich die Unternehmen − indem sie den Forderungen einer unbedeutenden Anzahl fehlgeleiteter Aktivisten nachgegeben haben − entschieden haben, Verbrauchern weniger sichere Produkte anzubieten und sich somit juristischen Risiken aussetzen.

Jahr für Jahr werden weltweit unzählige abgepackte Lebensmittel einbehalten oder vom Markt zurückgerufen, die mit „naturreinen“ Verunreinigungen wie Teilen von Insekten, schädlichem Schimmelbefall, Bakterien und Viren kontaminiert sind. Landwirtschaft wird im Freien und in der Erde betrieben und deshalb sind solche Verunreinigungen eine Tatsache des Lebens. Im Laufe der Jahrhunderte waren unverarbeitete Ernten oftmals die Hauptursache für Massenvergiftungen durch Lebensmittel. Die Ernten waren mit Pilztoxinen belastet – ein Risiko, das verschärft wird, wenn Insekten Ernten befallen und Nahrungsmittelpflanzen Wunden zufügen, in denen (Schimmel-)Pilze Fuß fassen können.

So sind etwa Fumonisine und einige andere Schimmelpilzgifte hochgiftig und verursachen Speiseröhrenkrebs beim Menschen und tödliche Krankheiten bei Nutztieren, die infiziertes Getreide fressen. Außerdem beeinträchtigen Fumonisine die zelluläre Aufnahme von Folsäure, einem Vitamin, das das Risiko von Neuralrohrdefekten bei sich entwickelnden Föten reduziert. Fumonisine können somit Folsäuremangel verursachen – und Fehlbildungen wie Spina Bifida –, auch wenn in der Ernährung eigentlich enthalten ist, was für eine ausreichende Menge des Vitamins sorgen würde.

Aus diesem Grund haben viele Aufsichtsbehörden empfohlene Höchstgehalte für Fumonisine festgelegt, die in Lebensmitteln und Futtermitteln aus Getreide zulässig sind. Die konventionelle Methode diese Vorgaben einzuhalten und den Verzehr von Schimmelpilzgiften zu verhindern besteht darin, einfach unverarbeitetes und verarbeitetes Getreide zu testen und es im Falle einer Kontaminierung wegzuwerfen – eine Vorgehensweise, die sowohl unwirtschaftlich als auch fehleranfällig ist.

Moderne Technologie – im Besonderen die gentechnische Veränderung von Pflanzen durch rekombinante DNA-Technologie (auch als Lebensmittelbiotechnologie oder genetische Modifikation bekannt) – bietet jedoch eine Möglichkeit das Problem zu vermeiden. Entgegen der Behauptungen von Biotech-Kritikern, die darauf beharren, dass genetisch modifizierte Ernten durch neue Allergene oder Toxine in der Lebensmittelversorgung Risiken darstellen (von denen keines tatsächlich eingetreten ist), geben solche Produkte der Nahrungsmittelindustrie eine bewährte und praktische Methode an die Hand, den Pilzbefall an seinem Ursprung zu bekämpfen.

Ein hervorragendes Beispiel ist Mais, der modifiziert wird, indem ein Gen (oder Gene) eines harmlosen Bakteriums in Handelssorten gespleißt werden. Die bakteriellen Gene exprimieren Proteine, die für Insekten, die sich in die Maispflanzen hineinbohren zwar giftig, für Vögel, Fische und Säugetiere, einschließlich Menschen, aber harmlos sind. Da der modifizierte Mais Schadinsekten abwehrt, verringert sich auch der Schimmelpilzbefall mit Fusarien und somit  Fumonisinen, den Schimmelpilzgiften.

Tatsächlich haben Forscher an der Iowa State University und am US-Landwirtschaftsministerium herausgefunden, dass der Gehalt an Fumonisinen in modifiziertem Mais um bis zu 80% geringer ist als in konventionellem Mais. Eine italienische Studie an entwöhnten Ferkeln, die entweder mit konventionellem Mais oder mit Mais der gleichen Sorte gefüttert wurden, der so verändert wurde, dass er ein bakterielles Protein bildet, das Resistenz gegenüber Schädlingen verleiht, ist zu dem Ergebnis gelangt, dass die modifizierte Sorte einen geringeren Fumonisin-Gehalt aufweist. Noch wichtiger ist, dass die Ferkel, die den gentechnisch veränderten Mais gefressen haben, ein höheres Endgewicht erreicht haben, ein Maßstab für die Gesundheit insgesamt, obwohl es bei der Futteraufnahme keinen Unterschied zwischen den beiden Gruppen gegeben hat.

Angesichts der Vorteile für die Gesundheit – ganz zu schweigen von den oftmals höheren und verlässlicheren Erträgen – sollten Regierungen Anreize schaffen, um die Verwendung des gentechnisch veränderten Getreides und anderer Nutzpflanzen zu fördern. Abgesehen davon sollte man erwarten, dass Akteure, die für öffentliche Gesundheit eintreten, Anspruch auf den Anbau und die Verwendung derart verbesserter Sorten erheben, ähnlich den Forderungen, Trinkwasser mit Chlor und Fluorid zu versetzen. Und Lebensmittelhersteller, die verpflichtet sind, ihren Kunden die sichersten und besten Produkte zur Verfügung zu stellen, sollten darum kämpfen gentechnisch veränderte Produkte auf den Markt zu bringen.

Leider geschieht nichts dergleichen. Aktivisten leisten weiterhin lautstarken und hartnäckigen Widerstand gegen gentechnisch veränderte Lebensmittel, obwohl seit beinahe 20 Jahren nachweisliche, erhebliche Vorteile aufgezeigt werden. Hierzu zählen der geringere Einsatz chemischer Pestizide (und somit weniger Abfluss von Chemikalien ins Grundwasser), die stärkere Nutzung von Anbaumethoden, die Bodenerosion verhindern, höhere Gewinne für Landwirte und weniger Pilzbefall.

Als Reaktion auf die Nörgelei der Aktivisten haben politische Entscheidungsträger die Erprobung und Vermarktung gentechnisch veränderter Nutzpflanzen unwissenschaftlichen und drakonischen Vorschriften unterworfen, die verheerende Konsequenzen haben. Eine bahnbrechende Studie der politischen Ökonomie landwirtschaftlicher Biotechnologie ist zu dem Schluss gelangt, dass Überregulierung „Verzögerungen in der globalen Verbreitung bewährter Technologien [verursacht], was das Wachstum des globalen Nahrungsmittelangebots bremst und die Preise für Nahrungsmittel erhöht“. Die derzeitige Politik schafft zudem „negative Anreize für Investitionen in weitere Forschung und Entwicklung, was zu einem Nachlassen der Innovationsdynamik bei Technologien der zweiten Generation führt, von denen umfassende Vorteile für Verbraucher und Umwelt erhofft werden“.

Leidtragend sind alle, die an der Herstellung und am Konsum von Nahrungsmitteln beteiligt sind: Verbraucher (insbesondere in Entwicklungsländern) werden vermeidbaren Risiken für ihre Gesundheit ausgesetzt und Nahrungsmittelproduzenten setzen sich durch den Verkauf von Erzeugnissen, die für „konzeptionelle Mängel“ bekannt sind, juristischen Risiken aus.

Eine Politik, die unverzichtbare Innovationen in der Nahrungsmittelproduktion benachteiligt und zu verhindern sucht, ist keine Politik, die für die Öffentlichkeit das Beste will.

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  1. CommentedNijaz Deleut Kemo

    Dear Henry,
    Recent developments in EU Environmental Law and Policy are: First is, European Court of Justice (ECJ) Case: C-58/10 until 68/10, Monsanto SAS and others 22/03/2011., it is about preliminary ruling on GMO crop emergency measures in France, and concerned a ban isued by France on cultivation of the GMO corn crop MONO810. Advocate General (AG) Mengozzi concluded that emergence measures can only be taken in cases where the risk is considerable. "The PRECAUTIONARY PRINCIPLE however tells that precautionary MEASURES can be taken in case where science is not (yet) able to assess the PROBABILITY RISK AT HAND. The second is, European Parliament (EP) backs national right to cultivation bans. If the Council manages to find common position, this balanced agreement will allow Member States and regions the RIGHT TO NOT GROW GMOs if they so choose. So, I'm pleased about this development, too. The Commission has proposed to grant EU Member States the right to ban crops on all but health or environmental grounds, which were to be solely assessed by the European Food Safety Authority. An EU-level safety checks and authorization will continue to be a precondition to a green light for growing GMOs, and its guidelines need updating. Austria, France, Greece, Hungary, Germany and Luxembourg have activated a "SAFEGUARD CLAUSE", so far. That is, and that is good enough, I do hope, for both sides in this issue of public concern for years.

  2. CommentedWilliam Wallace

    I confess I am of two minds on genetic engineering.

    In its simple, straight-forward presentation in non-technical journals, recombining genes seems as simple and potentially innocuous as changing one lego block for another, without non-local impacts on the entire "structure."

    Yet I continue to come across science news that portrays many biological processes as as multi-genetic in nature. This seems to imply that switching out one gene can not only affect its primary function, but have unintended collateral effects. Further, iirc, plants often "innovate" genetically by incorporating DNA from other plants, thus giving plants their characteristic prolific chromosome nature (e.g. adders-tongue). So, a gene that is non-plant in origin that becomes artificially entwined in the plant kingdom could have potentially nightmare consequences on one or more ecosystems, especially after species-hopping.

    Genetic engineering really needs some intermediate-level discussion beyond what is presented in popular science articles so that non-specialists can benefit from a more informed discussion. Until then, I am not easily reassured of the intended, and unintended, consequences of this technology.

      CommentedJose Azevedo

      Good point! I hate simplistic views on how technology is so good, how come these ignorant people not see it? Did you noticed the choice of words? "disingenuous activists", all, bleating irrationalities and causing over-regulation. One can almost hear a secret wish that they all get fumonisin cancer and die.

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