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Wenn Technophobie Schaden anrichtet

STANFORD – In den späten 1990er-Jahren ist in Ländern auf aller Welt ein bemerkenswertes Phänomen aufgetreten. Ein Nahrungsmittel- und Getränkehersteller nach dem anderen kapitulierte vor Aktivisten, die sich gegen eine vielversprechende neue Technologie zur Wehr setzten: Die gentechnische Veränderung von Pflanzen zur Erzeugung von Lebensmittelzutaten. Die Kapitulation dauert bis heute an.

Der japanische Brauereikonzern Kirin und die dänische Brauerei Carlsberg haben gentechnisch veränderte Zutaten aus ihren Bieren genommen. Der Fast-Food-Gigant Mc Donald's hat sie in den Vereinigten Staaten von der Speisekarte verbannt; die Lebensmittelhersteller Heinz und Gerber (damals im Besitz der schweizerischen Novartis AG) haben sie aus ihren Babynahrungssortimenten entfernt und der Snack-Produzent Frito-Lay hat darauf bestanden, dass seine Vertragsanbauer die Anpflanzung gentechnisch veränderter Maispflanzen einstellen, die ein bakterielles Protein enthalten, dass Resistenz gegenüber Schädlingen verleiht.

Es gab unterschiedliche Begründungen für diese Maßnahmen. Tatsache ist jedoch, dass sich die Unternehmen − indem sie den Forderungen einer unbedeutenden Anzahl fehlgeleiteter Aktivisten nachgegeben haben − entschieden haben, Verbrauchern weniger sichere Produkte anzubieten und sich somit juristischen Risiken aussetzen.

Jahr für Jahr werden weltweit unzählige abgepackte Lebensmittel einbehalten oder vom Markt zurückgerufen, die mit „naturreinen“ Verunreinigungen wie Teilen von Insekten, schädlichem Schimmelbefall, Bakterien und Viren kontaminiert sind. Landwirtschaft wird im Freien und in der Erde betrieben und deshalb sind solche Verunreinigungen eine Tatsache des Lebens. Im Laufe der Jahrhunderte waren unverarbeitete Ernten oftmals die Hauptursache für Massenvergiftungen durch Lebensmittel. Die Ernten waren mit Pilztoxinen belastet – ein Risiko, das verschärft wird, wenn Insekten Ernten befallen und Nahrungsmittelpflanzen Wunden zufügen, in denen (Schimmel-)Pilze Fuß fassen können.

So sind etwa Fumonisine und einige andere Schimmelpilzgifte hochgiftig und verursachen Speiseröhrenkrebs beim Menschen und tödliche Krankheiten bei Nutztieren, die infiziertes Getreide fressen. Außerdem beeinträchtigen Fumonisine die zelluläre Aufnahme von Folsäure, einem Vitamin, das das Risiko von Neuralrohrdefekten bei sich entwickelnden Föten reduziert. Fumonisine können somit Folsäuremangel verursachen – und Fehlbildungen wie Spina Bifida –, auch wenn in der Ernährung eigentlich enthalten ist, was für eine ausreichende Menge des Vitamins sorgen würde.

Aus diesem Grund haben viele Aufsichtsbehörden empfohlene Höchstgehalte für Fumonisine festgelegt, die in Lebensmitteln und Futtermitteln aus Getreide zulässig sind. Die konventionelle Methode diese Vorgaben einzuhalten und den Verzehr von Schimmelpilzgiften zu verhindern besteht darin, einfach unverarbeitetes und verarbeitetes Getreide zu testen und es im Falle einer Kontaminierung wegzuwerfen – eine Vorgehensweise, die sowohl unwirtschaftlich als auch fehleranfällig ist.

Moderne Technologie – im Besonderen die gentechnische Veränderung von Pflanzen durch rekombinante DNA-Technologie (auch als Lebensmittelbiotechnologie oder genetische Modifikation bekannt) – bietet jedoch eine Möglichkeit das Problem zu vermeiden. Entgegen der Behauptungen von Biotech-Kritikern, die darauf beharren, dass genetisch modifizierte Ernten durch neue Allergene oder Toxine in der Lebensmittelversorgung Risiken darstellen (von denen keines tatsächlich eingetreten ist), geben solche Produkte der Nahrungsmittelindustrie eine bewährte und praktische Methode an die Hand, den Pilzbefall an seinem Ursprung zu bekämpfen.

Ein hervorragendes Beispiel ist Mais, der modifiziert wird, indem ein Gen (oder Gene) eines harmlosen Bakteriums in Handelssorten gespleißt werden. Die bakteriellen Gene exprimieren Proteine, die für Insekten, die sich in die Maispflanzen hineinbohren zwar giftig, für Vögel, Fische und Säugetiere, einschließlich Menschen, aber harmlos sind. Da der modifizierte Mais Schadinsekten abwehrt, verringert sich auch der Schimmelpilzbefall mit Fusarien und somit  Fumonisinen, den Schimmelpilzgiften.

Tatsächlich haben Forscher an der Iowa State University und am US-Landwirtschaftsministerium herausgefunden, dass der Gehalt an Fumonisinen in modifiziertem Mais um bis zu 80% geringer ist als in konventionellem Mais. Eine italienische Studie an entwöhnten Ferkeln, die entweder mit konventionellem Mais oder mit Mais der gleichen Sorte gefüttert wurden, der so verändert wurde, dass er ein bakterielles Protein bildet, das Resistenz gegenüber Schädlingen verleiht, ist zu dem Ergebnis gelangt, dass die modifizierte Sorte einen geringeren Fumonisin-Gehalt aufweist. Noch wichtiger ist, dass die Ferkel, die den gentechnisch veränderten Mais gefressen haben, ein höheres Endgewicht erreicht haben, ein Maßstab für die Gesundheit insgesamt, obwohl es bei der Futteraufnahme keinen Unterschied zwischen den beiden Gruppen gegeben hat.

Angesichts der Vorteile für die Gesundheit – ganz zu schweigen von den oftmals höheren und verlässlicheren Erträgen – sollten Regierungen Anreize schaffen, um die Verwendung des gentechnisch veränderten Getreides und anderer Nutzpflanzen zu fördern. Abgesehen davon sollte man erwarten, dass Akteure, die für öffentliche Gesundheit eintreten, Anspruch auf den Anbau und die Verwendung derart verbesserter Sorten erheben, ähnlich den Forderungen, Trinkwasser mit Chlor und Fluorid zu versetzen. Und Lebensmittelhersteller, die verpflichtet sind, ihren Kunden die sichersten und besten Produkte zur Verfügung zu stellen, sollten darum kämpfen gentechnisch veränderte Produkte auf den Markt zu bringen.

Leider geschieht nichts dergleichen. Aktivisten leisten weiterhin lautstarken und hartnäckigen Widerstand gegen gentechnisch veränderte Lebensmittel, obwohl seit beinahe 20 Jahren nachweisliche, erhebliche Vorteile aufgezeigt werden. Hierzu zählen der geringere Einsatz chemischer Pestizide (und somit weniger Abfluss von Chemikalien ins Grundwasser), die stärkere Nutzung von Anbaumethoden, die Bodenerosion verhindern, höhere Gewinne für Landwirte und weniger Pilzbefall.

Als Reaktion auf die Nörgelei der Aktivisten haben politische Entscheidungsträger die Erprobung und Vermarktung gentechnisch veränderter Nutzpflanzen unwissenschaftlichen und drakonischen Vorschriften unterworfen, die verheerende Konsequenzen haben. Eine bahnbrechende Studie der politischen Ökonomie landwirtschaftlicher Biotechnologie ist zu dem Schluss gelangt, dass Überregulierung „Verzögerungen in der globalen Verbreitung bewährter Technologien [verursacht], was das Wachstum des globalen Nahrungsmittelangebots bremst und die Preise für Nahrungsmittel erhöht“. Die derzeitige Politik schafft zudem „negative Anreize für Investitionen in weitere Forschung und Entwicklung, was zu einem Nachlassen der Innovationsdynamik bei Technologien der zweiten Generation führt, von denen umfassende Vorteile für Verbraucher und Umwelt erhofft werden“.

Leidtragend sind alle, die an der Herstellung und am Konsum von Nahrungsmitteln beteiligt sind: Verbraucher (insbesondere in Entwicklungsländern) werden vermeidbaren Risiken für ihre Gesundheit ausgesetzt und Nahrungsmittelproduzenten setzen sich durch den Verkauf von Erzeugnissen, die für „konzeptionelle Mängel“ bekannt sind, juristischen Risiken aus.

Eine Politik, die unverzichtbare Innovationen in der Nahrungsmittelproduktion benachteiligt und zu verhindern sucht, ist keine Politik, die für die Öffentlichkeit das Beste will.