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Was bringt 2011?

NEW YORK: Die Weltwirtschaft beendet das Jahr 2010 gespaltener, als sie es begonnen hat. Schwellenmärkte wie Indien, China und die südostasiatischen Volkswirtschaften verzeichnen ein robustes Wachstum; Europa und die USA dagegen haben mit Stagnation – ja, tatsächlich einer Malaise japanischen Stils – und hartnäckig hoher Arbeitslosigkeit zu kämpfen. Das Problem in den hoch entwickelten Ländern ist dabei keine Erholung ohne Schaffung neuer Arbeitsplätze, sondern eine anämische Erholung – oder schlimmer noch die Möglichkeit einer W-förmigen Rezession.

Diese zweigleisige Welt wirft einige ungewöhnliche Risiken auf. Während Asiens Wirtschaftsleistung zu gering ist, um das Wachstum in der übrigen Welt nach oben zu ziehen, könnte sie ausreichen, um die Rohstoffpreise in die Höhe zu drücken.

Zugleich könnten die US-Bemühungen zur Ankurbelung ihrer Wirtschaft durch die von der US Federal Reserve verfolgte Politik der „quantitativen Lockerung“ nach hinten losgehen. Schließlich sucht das Geld auf den globalisierten Finanzmärkten nach den besten weltweiten Anlagegelegenheiten, und die bestehen nun einmal in Asien und nicht in den USA. Daher fließt das Geld nicht unbedingt dorthin, wo es gebraucht wird, und viel davon landet an Orten, wo es unerwünscht ist und eine weitere Zunahme der Vermögens- und Rohstoffpreise verursacht, insbesondere in den Schwellenmärkten.

Es steht angesichts der hohen Kapazitätsüberschüsse und Arbeitslosigkeit in Europa und Amerika kaum zu erwarten, dass die quantitative Lockerung einen Inflationsschub auslöst. Sie könnte jedoch Befürchtungen über eine künftige Inflation anheizen, was zu höheren langfristigen Zinsen führen dürfte – genau das Gegenteil von dem also, was die Fed anstrebt.

Dies ist nicht die einzige (oder gar wichtigste) Gefahr für die Weltwirtschaft. Die gravierendste Bedrohung geht von der Welle der Sparpolitik aus, die derzeit um die Welt schwappt, nun, da sich die Regierungen insbesondere in Europa mit von der Großen Rezession herbeigeführten hohen Defiziten konfrontiert sehen und Befürchtungen, dass einige Länder möglicherweise ihre Schulden nicht werden bezahlen können, zur Instabilität an den Finanzmärkten beitragen.

Das Ergebnis einer verfrühten Haushaltskonsolidierung steht praktisch schon fest: Das Wachstum wird sich verlangsamen, die Steuereinnahmen sinken, und der Defizitabbau wird enttäuschend ausfallen. Zudem wird der Abschwung in Europa in unserer global integrierten Welt den Abschwung in den USA verstärken und umgekehrt.

Angesichts der Tatsache, dass die USA derzeit in der Lage sind, zu extrem niedrigen Zinsen Geld aufzunehmen, und angesichts des Versprechens hoher Renditen auf öffentliche Investitionen nach einem Jahrzehnt der Vernachlässigung ist klar, was Amerika tun sollte. Ein umfassendes öffentliches Investitionsprogramm würde kurzfristig die Beschäftigung und langfristig das Wachstum anregen, was am Ende zu einer geringeren Staatsverschuldung führt. Doch die Finanzmärkte haben ihre Kurzsichtigkeit in den Jahren vor der Krise unter Beweis gestellt, und sie tun es gerade wieder, indem sie Druck zur Senkung der Ausgaben ausüben, selbst wenn das bedeutet, dringend erforderliche öffentliche Investitionen zu reduzieren.

Darüber hinaus wird die politisch festgefahrene Lage dazu führen, dass kaum etwas getan wird, um die übrigen schwärenden Probleme zu bewältigen, vor denen die amerikanische Wirtschaft steht: Die Zwangsvollstreckungen aus Hypotheken dürften (von juristischen Komplikationen abgesehen) unvermindert fortdauern; kleine und mittelgroße Unternehmen werden wohl weiter finanziellen Mangel leiden; und die kleinen und mittelgroßen Banken, die sie traditionell mit Krediten versorgen, dürften weiterhin um ihr Überleben kämpfen.

In Europa seinerseits dürften die Dinge kaum besser laufen. Europa hat es endlich geschafft, Griechenland und Irland zu Hilfe zu kommen. Im Vorfeld der Krise wurden beide von rechtsgerichteten Regierungen geführt, die sich entweder durch einen Amigo-Kapitalismus auszeichneten oder, schlimmer noch, demonstrierten, dass die Ökonomie des freien Marktes in Europa kein Stück besser funktioniert als in den USA.

In Griechenland blieb es, wie in den USA, einer neuen Regierung überlassen, das Chaos aufzuräumen. Die irische Regierung, die die leichtsinnige Kreditvergabe durch die Banken ermutigte und so die Schaffung einer Immobilienblase förderte, war – vielleicht nicht überraschend – bei der Lenkung der Volkswirtschaft nach der Krise nicht geschickter als in der Zeit davor.

Von der Politik einmal abgesehen, hinterlassen Immobilienblasen in ihrem Gefolge ein Erbe der Verschuldung und der Überkapazitäten an Immobilien, das sich nicht ohne Weiteres beheben lässt – insbesondere, wenn Banken mit politischen Beziehungen sich der Umstrukturierung von Hypotheken widersetzen.

Der Versuch, die wirtschaftlichen Aussichten für 2011 zu ermitteln, erscheint mir als keine besonders interessante Frage. Die Antwort ist: Sie sind düster, ohne großes Potenzial nach oben und mit einer Menge Risiken nach unten. Wichtiger ist, wie lange Europa und Amerika brauchen werden, um sich zu erholen, und ob Asiens scheinbar exportabhängige Volkswirtschaften weiter wachsen können, wenn ihre historischen Märkte stagnieren.

Meine Vermutung ist, dass diese Länder ihr rasches Wachstum aufrecht erhalten werden, wenn sie ihren wirtschaftlichen Fokus auf ihre riesigen, bisher unerschlossenen Binnenmärkte verlagern. Dies erfordert eine beträchtliche Umstrukturierung ihrer Volkswirtschaften, doch sind China und Indien beide dynamisch und haben ihre Widerstandsfähigkeit mit ihrer Reaktion auf die Große Rezession unter Beweis gestellt.

Weniger optimistisch bin ich, was Europa und Amerika angeht. In beiden Fällen ist das grundlegende Problem eine unzureichende Gesamtnachfrage. Die ultimative Ironie dabei ist, dass dort gleichzeitig Überkapazitäten und enorme unerfüllte Bedürfnisse bestehen – und es politische Strategien gibt, die wieder für Wachstum sorgen könnten, indem sie Erstere nutzen, um Letztere zu befriedigen.

So müssen etwa sowohl die USA als auch Europa ihre Volkswirtschaften nachrüsten, um die von der globalen Erwärmung ausgehenden Herausforderungen in Angriff zu nehmen. Es gibt praktikable politische Strategien, die auch im Rahmen langfristig knapper Budgets funktionieren würden. Das Problem ist die Politik: In den USA ist es der Republikanischen Partei wichtiger, dass Präsident Barack Obama scheitert, als dass die Wirtschaft Erfolg hat. In Europa zerren 27 Länder mit unterschiedlichen Interessen und Perspektiven in unterschiedliche Richtungen, ohne ausreichend Solidarität, um dies auszugleichen. Die Rettungspakete sind vor diesem Hintergrund beeindruckende Leistungen.

Sowohl in Europa wie in Amerika sind der Politik durch die Ideologie des freien Marktes, die das ungebremste Wachstum der Vermögensblasen ermöglichte – die Märkte haben immer Recht, daher dürfen sich die Regierungen nicht einmischen – jetzt die Hände dabei gebunden, effektive Reaktionen auf die Krise zu konzipieren. Man sollte meinen, dass die Krise das Vertrauen in diese Ideologie untergraben würde. Stattdessen ist sie wieder da und zieht Regierungen und Volkswirtschaften in den Schlund der Sparpolitik herab.

Wenn die Politik das Problem in Europa und Amerika ist, dürften nur politische Veränderungen diesen wieder Wachstum bringen. Alternativ können sie warten, bis sich der Überhang an Kapazitätsüberschüssen abbaut, Investitionsgüter veralten und die internen Heilungskräfte ihre allmähliche Magie entfalten. So oder so sind in nächster Zeit keine Erfolge zu erwarten.

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