Saturday, September 20, 2014
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Die Ziele Chinas für 2012

PEKING – Angesichts wirtschaftlicher Globalisierung und dem Entstehen einer multipolaren Welt werden China und andere Schwellenländer eine viel wichtigere Rolle spielen als bisher – nicht nur im Jahr 2012, sondern auch in den folgenden Jahrzehnten. Mit dem Anstieg von Chinas Wirtschaftskraft und Einfluss auf die Weltwirtschaft nach der Finanzkrise von 2008 kam die Idee auf, dass China und die Vereinigten Staaten gemeinsam im Rahmen einer Art “G-2”-Abkommen die Welt anführen sollten. Aber solch ein Abkommen steht weder in Einklang mit Chinas unabhängiger Außenpolitik, noch mit dem allgemeinen Trend in Richtung stärkerer Verteilung geopolitischer Macht auf die internationale Gemeinschaft. Auch mit dem diesjährigen Regierungswechsel in China wird sich diese Position nicht ändern.

Vielmehr hat Chinas Premierminister Wen Jiabao bei seinem Besuch des elften Gipfels der Chinesisch-Europäischen Union in Prag im Mai 2009 erklärt, dass China dem G-2-Konzept nicht zustimmt. Chinas feste Absicht ist es, niemals Hegemonie anzustreben oder eine globale Dominanz einer kleinen Minderheit von Staaten zu unterstützen.

Woran China glaubt, ist vielmehr die verstärkte Zusammenarbeit mit allen großen Regionen der Welt. Nehmen wir Europa – eine prächtige und altehrwürdige Zivilisation und heute ein Hauptakteur auf der Bühne der Welt. Die zunehmende Integration der EU hat dem europäischen Kontinent zu großer Dynamik verholfen. Trotz seiner aktuellen Schwierigkeiten verfügt Europa über außergewöhnliche Kraft und internationalen Einfluss.

China hat die europäische Integration immer unterstützt und hofft, dass die EU sich zu einer Stütze der internationalen Ordnung entwickelt. Im Zuge der globalen Finanzkrise und der europäischen Schuldenkrise hat China Staatsanleihen aufgekauft, direkte Investitionen getätigt und Unternehmensdelegationen nach Europa gesandt. Während des Besuches des spanischen Premierministers José Luis Zapatero in Peking im April 2011 hat Ministerpräsident Wen die Bereitschaft Chinas bestätigt, zur Unterstützung der europäischen Versuche, die Krise zu lösen, weiterhin spanische Staatsanleihen zu kaufen. Darüber hinaus bietet Chinas riesiger Markt und sein großes Angebot an Arbeitskräften für Europa wichtige Möglichkeiten.

In dieser neuen multipolaren Ära müssen China und Europa zusammenarbeiten, und wenn sie ihre Kooperation vertiefen möchten, befinden sie sich nun an einem kritischen Punkt. Was wir dazu beitragen, um Möglichkeiten miteinander zu teilen, Herausforderungen zu begegnen und Entwicklungen anzustoßen, wird nicht nur direkten Einfluss auf das Wohlergehen unserer Völker haben, sondern auch auf die Zukunft der Welt. Die Zusammenarbeit von China und der EU wird entscheidend dafür sein, weltweit Frieden und Stabilität zu bewahren. Wir haben die gemeinsame Verpflichtung, internationale Probleme durch politische Mittel zu lösen, und beide Seiten haben in der Beschäftigung mit globalen Herausforderungen wie Klimawandel, Terrorismus und der Nichtverbreitung von Massenvernichtungswaffen bereits eine konstruktive Rolle gespielt.

Auch die gleichzeitige Veröffentlichung des chinesischen 12. Fünfjahresplans und Europas 2020-Strategie hat dazu beigetragen, unsere Kooperation zu vertiefen. Nach 2008 haben China and Europa zusammengearbeitet, um eine globale finanzielle Kernschmelze zu verhindern, sich Protektionismus in den Weg zu stellen und die Reform des internationalen Finanzsystems voran zu treiben. Dies hat zur weltweiten wirtschaftlichen Erholung beigetragen.

China nimmt auch seine Beziehungen zu den USA sehr ernst. Tatsächlich ist unser bilaterales Verhältnis in der internationalen Gemeinschaft eines der wichtigsten. Diese Beziehung ging seit der Aufnahme diplomatischer Verbindungen 1979 durch einige schwierige Phasen, ist aber alles in allem gewachsen und kommt beiden Seiten zugute. Heute teilen China und die USA mehr Interessen als je zuvor, und die Aussichten auf noch umfassendere Kooperation sind ermutigend.

Während des Besuchs von Präsident Hu Jintao in Washington, DC im Januar 2011 haben er und Präsident Barack Obama sich geeinigt, eine von Hu so genannte “chinesisch-amerikanische Kooperationspartnerschaft auf Grundlage von Respekt und gegenseitigem Nutzen” aufzubauen. Sie haben erneut ihre Anerkennung der Souveränität und territorialen Integrität des jeweils anderen bestätigt und Übereinkünfte über grundlegende strategische Fragen erreicht. Diese beinhalten Bemühungen zur Stärkung der Zusammenarbeit in der asiatisch-pazifischen Region und in multilateralen Institutionen sowie eine gemeinsame Antwort auf regionale und globale Herausforderungen von Frieden und Stabilität, beispielsweise auf der koreanischen Halbinsel.

China ist das größte Entwicklungsland der Welt, Europa ist der größte Block entwickelter Länder und die USA ist das größte einzelne Industrieland. Gemeinsam stellen wir fast ein Drittel der Einwohner der Erde und zwei Drittel der weltweiten Wirtschaftsleistung. Als die drei größten Weltmächte müssen China, die EU und die USA ihre Kooperation verstärken und mit dem Rest der Welt zusammenarbeiten, um die komplexen internationalen Probleme, die uns alle betreffen, zu lösen. Gemeinsam müssen wir die große Aufgabe schultern, den Weltfrieden zu sichern und die gemeinsame Entwicklung zu stärken.

China verfolgt zwar eine eigene unabhängige Außenpolitik, kann seine Entwicklung aber nicht in Isolation weiterführen. Ebenso kann die Welt sich nicht ohne China weiter entfalten. Hu sagte einmal, das 21. Jahrhundert solle eine Zeit von Frieden, Entwicklung und Zusammenarbeit sein. China ist bereit, sich mit der EU, den USA und dem Rest der Welt zu verbinden, um das Potenzial einer wahrhaft harmonischen Welt zu verwirklichen.

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