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Die offene Bildung: eine Revolution

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2008-01-22

Als Gründern der beiden größten Open-Source-Medienplattformen weltweit – Wikipedia und Connexions – ist uns beiden vorgeworfen worden, wir wären Träumer. Unabhängig voneinander haben wir uns mit der Idee infiziert, eine Web-Plattform zu schaffen, die es jedem Einzelnen ermöglichen würde, sein Wissen in freie und offene Lernressourcen einzubringen. Jimmy begann mit seiner öffentlich erstellten Enzyklopädie. Richard entwickelte eine Plattform für Autoren, Lehrende und Studenten, um Kurse und Lehrbücher zu schaffen, neu zusammenzustellen und mit anderen zu teilen.

Kaum einer hat diese Träume ernst genommen. Inzwischen haben sich Wikipedia und Connexions dank der Unterstützung unzähliger Menschen – von Nobelpreisträgern bis hin zu Teenagern, aus Osttimor bis Los Angeles – weltweit verbreitet und sind heute organisch wachsende Informationsbanken, die von hunderten von Millionen Menschen genutzt werden.

Wir möchten Sie mit dem Traum infizieren, dass jeder Teil einer neuen Bewegung werden kann, die das Potenzial hat, die Welt der Bildung zu verändern. Diese Bewegung kann ein für alle Mal neu definieren, wie Wissen geschaffen und verwendet wird.

Heute müssen Studenten an Community Colleges manchmal ihr Studium aufgeben, weil ihre Lehrbücher mehr kosten als ihre Studiengebühren; und manche Drittklässler müssen ihre Mathetexte teilen, weil nicht für jeden einer da ist. Aber stellen Sie sich eine Welt vor, in der Lehrbücher und andere Lernmaterialien jedem über das Web frei zugänglich sind – nur zum Druckpreis.

Heute hindern Sprachbarrieren viele Einwanderer, ihren Kindern bei den Hausaufgaben zu helfen, weil Texte nur in der Landessprache vorliegen. Aber stellen Sie sich eine Welt vor, in der die Lehrbücher an viele unterschiedliche Lernstile angepasst und in zahllose Sprachen übersetzt sind.

In naturwissenschaftlichen Lehrbüchern wird Pluto noch heute als Planet geführt, und wer weiß, wie lange es dauert, bis er dort gestrichen wird. Aber stellen Sie sich eine Welt vor, in der Lehrbücher von unzähligen Mitarbeitern kontinuierlich aktualisiert und korrigiert werden.

Vor einem Jahrzehnt war eine solche Welt nur ein Traum. Heute jedoch sind die Puzzleteile der Bewegung für eine offene Bildung zusammengekommen, sodass jeder überall seine eigenen Kurse oder Textbücher schreiben, zusammenstellen, individuell anpassen und veröffentlichen kann. Offene Lizenzen machen es legal, die Materialien dafür zu verwenden und neu zu kombinieren. Technische Innovationen wie XML und Print-on-Demand machen die Auslieferung der Ergebnisse technisch möglich und preiswert.

Die neuen, von der Bewegung für eine offene Bildung propagierten Entwicklungs- und Vertriebsmodelle stellen eine natürliche und unabwendbare Evolution des Verlagswesens im Bildungsbereich dar. Diese verläuft parallel zur Entwicklung in der Softwarebranche (hin zu Linux und anderer Open-Source-Software), der Musikbranche (man denke an das jüngste Radiohead-Download, bei dem jeder zahlte, was das Album seiner Einschätzung nach wert war) und im Bereich der wissenschaftlichen Veröffentlichungen (die US-Regierung schrieb kürzlich vor, dass die Ergebnisse aller von den National Institutes of Health geförderten Forschungsarbeiten (Förderungsumfang: 28,9 Milliarden Dollar) online der Öffentlichkeit zugänglich gemacht werden müssen).

Das Aufregende an der offenen Bildung ist, dass der kostenlose Zugang nur der Anfang ist. Die offene Bildung verspricht, die aktuelle Produktionspipeline für Lehrbücher in ein riesiges dynamisches Ökosystem des Wissens zu verwandeln, wo kontinuierlich Neues geschaffen, verwendet, wiederverwendet und verbessert wird. Die offene Bildung verspricht, Kindern mit Lernmaterialien zu versorgen, die – anders als heutigen Materialien von der Stange – auf ihre individuellen Bedürfnisse zugeschnitten sind, aber auch raschere Rückkopplungsschleifen, die Lernergebnisse und Entwicklung und Verbesserung von Inhalten genauer aufeinander abstimmen. Und schließlich verspricht die offene Bildung neue Ansätze für das kollaborative Lernen, die die soziale Interaktion zwischen Schülern und Lehrern weltweit nutzen.

Ende letzten Jahres trafen wir in Kapstadt mit Delegierten aus aller Welt zusammen, um einen Konsens über die Ideale und die Ansätze im Bereich der offenen Bildung herbeizuführen, und haben uns diesen in der am 22. Januar offiziell veröffentlichten Kapstadter Open Education Declaration verpflichtet (siehe www.capetowndeclaration.org ).

Jeder hat anderen etwas zu vermitteln. Jeder hat etwas zu lernen. Gemeinsam können wir dazu beitragen, die Art und Weise, wie unsere Welt Wissen verändert, verbreitet und nutzt, zu verwandeln. Gemeinsam können wir den Traum von der offenen Bildung Wirklichkeit werden lassen.

Jimmy Wales ist Gründer von Wikipedia und Wikia. Richard Baraniuk ist Gründer von Connexions und Professor für Ingenieurswesen an der Rice University.

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