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Der Kampf um die Ukraine

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2004-11-25

Die alten Grundsätze gelten: Standhaftigkeit lohnt sich, Entschlossenheit verleiht Durchhaltevermögen. Wir, die wir um den Fortbestand unserer Demokratie in der Ukraine kämpfen, glauben daran. Mehr als je zuvor müssen wir jetzt daran glauben, denn russische Truppen in ukrainischen Uniformen sind in unser Land eingedrungen, weil sich ukrainische Soldaten weigern, Befehle auszuführen, durch die jene Demonstranten vernichtet werden sollen, die unsere Demokratie verteidigen. Wir werden die Solidarität unserer Nachbarn und der friedliebenden Völker auf der ganzen Welt benötigen, um sicherzustellen, dass unsere Träume von der Demokratie in Frieden verwirklicht werden können.

Wir haben diesen Kampf zur Sicherung des Sieges von Viktor Juschtschenko, dem wahren Sieger der ukrainischen Präsidentenwahlen vom letzten Sonntag, nicht gesucht. Aber nachdem uns dieses Ringen um unsere Freiheit aufgezwungen wurde, wird es uns weder an Mut noch an Entschlossenheit fehlen.

Die vor uns liegenden Tage und Nächte werden nicht einfach und die geheime Präsenz der russischen Truppen werden sie umso gefährlicher machen. Die Kräfte hinter Ministerpräsident Viktor Janukowitsch haben törichterweise Stimmzettel gefälscht und die Wahlkommission des Landes bis zu einem absurden Ausmaß eingeschüchtert. Anschließend versuchten sie, die ukrainische Bevölkerung dazu zu bringen, diesen Betrug hinzunehmen. Man drohte, öffentliche Ansammlungen zu verbieten, die Grenzen für neue Visumantragsteller zu schließen und jedes Wort des Protestes im Fernsehen zu verbieten.

Immer mehr Mitglieder einer Regierungsmaschinerie, die dachte, sie könne den Menschen in der Ukraine einen betrügerischen Wahlgang verkaufen, scheuen sich, diese Entscheidung mit Gewalt durchzusetzen. Mitglieder der Armee, der Sicherheitskräfte und Regierungsvertreter schrecken davor zurück, nach der Pfeife der Janukowitsch-Clique zu tanzen. Einer derart wankelmütigen Führungselite traut man nicht zu, von jetzt an beständig zu sein.

Der vor uns liegende Weg ist ein Minenfeld. Wir wissen, dass eine instabile Regierung wieder zu kompromissloser Unnachgiebigkeit zurückkehren kann. Sie werden versuchen, unsere Unterstützer zu demoralisieren und bei uns Loyalisten einzuschleusen, die den Virus des Defätismus verbreiten. Sie werden danach trachten, uns zu überlisten, indem sie sich an die normalen, hart arbeitenden Ukrainer wenden, die sich Sorgen machen, wie sie ihre Kinder ernähren und kleiden sollen und ihnen erklären, dass eine taumelnde Wirtschaft Stabilität braucht, um gerettet zu werden. Sie werden versuchen, das Land zwischen russischen und ukrainischen Sprechern zu spalten.

Es ist allerdings zu spät für Strategien der Spaltung und des Chaos. Die Ukrainer wissen, dass die Entscheidung, die sie jetzt treffen, nämlich heute unbeirrt auf der Seite Viktor Juschtschenkos zu stehen, ihre Freiheit, die Gesundheit der Nation, ihre Unabhängigkeit und wirtschaftliche Stärke für alle Zeiten bestimmen wird. Wir werden daher standhaft in der Kälte und im Schnee ausharren, um sicherzustellen, dass unsere demokratische Entscheidung respektiert wird. Das nicht zu tun, würde bedeuten, nicht nur unsere Freiheit, sondern auch unsere Hoffnungen auf ein besseres Leben aufzugeben.

Wir trotzen denjenigen, die versuchen unsere Demokratie zu korrumpieren, aber wir strecken allen unseren Nachbarn, einschließlich Russland, unsere Hand der Freundschaft entgegen. Russland hat keinen Grund zu intervenieren. Eine lebendige ukrainische Demokratie benötigt die Kameradschaft Russlands und Europas, um jene Gesellschaft aufzubauen, die sich die Menschen in der Ukraine wünschen. Unsere Unerschrockenheit ist mit Realismus durchwirkt. Durch die Sicherung unserer Demokratie helfen wir auch Russland, seine eigene Demokratie zu sichern.

Denn wir engagieren uns nicht für eine Revolution, sondern für eine friedliche, demokratische Entwicklung. Die Ukrainer haben das Schlimmste ertragen, das der Mensch seinen Mitmenschen antun kann: Die von Stalin inszenierten Hungersnöte in den 1930er Jahren und die Abschlachtungen durch die Nazis im Zweiten Weltkrieg. Unsere Belastungsfähigkeit und Standhaftigkeit sind daher über jeden Zweifel erhaben. Wir werden nicht aufgeben und unsere Demokratie wird sich durchsetzen. Steht uns bei.

Julia Timoschenko, ehemalige stellvertretende Ministerpräsidentin der Ukraine, ist neben Viktor Juschtschenko Ko-Vorsitzende der Opposition in der Ukraine.

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