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Die gegenwärtigen Währungsoptionen

Nach der asiatischen Finanzkrise und ihren weltweiten Auswirkungen - darunter der Zusammenbruch der festen Wechselkurse in Russland und Brasilien - entfachte eine heftige Debatte darüber, wie die makro-ökonomische Stabilität zu sichern sei. Die Alternativen lassen sich, so scheint es, in Systemen zusammenfassen, in denen entweder der Wechselkurs streng festgelegt wird und als Anker dient oder die Wechselkurse frei floaten können, wobei die Zentralbank eine niedrige Inflationsrate vorausplant und alles unternimmt, um diese Vorgabe zu erreichen.

Feste Wechselkurse waren sehr beliebt im harten Kampf gegen die Inflation, der die letzten zwei Jahrzehnte in vielen aufstrebenden Märkten, insbesondere in Lateinamerika, prägte. Diese Anker waren erfolgreich bei der Eindämmung der Inflation und sogar bei der Verhinderung einer Hyperinflation. Mit dem Rückgang der Inflation suchten Politiker jedoch eine größere Entscheidungsfreiheit beim Umgang mit ihren Wechselkursen und gingen zu Mischsystemen über, die flexible Festkurse, Währungsschlangen, Crawling Pegs und ex ante bekanntgegebene Kurse einschlossen. Die vor drei Jahren ausgebrochene Panik auf den Finanzmärkten setzte diesem Trend ein Ende, und zuvor als extreme Optionen angesehene Wechselkurssysteme erlangten wieder Bedeutung.

Regierungen scheinen nunmehr der Suche nach einem institutionellen Mechanismus, der einen festen Wechselkurs garantiert, Vorrang einzuräumen oder der Einführung des Systems des freien Floating, bei dem Interventionen in ausländische Devisenmärkte zur Stützung der eigenen Währung abgelehnt werden. Die erste Option - beispielsweise ein stärkerer fester Wechselkurs - kommt zum Ausdruck in Argentiniens Currency Board, in der Einführung einer gemeinsamen Währung (wie dem Euro in Europa) und der Preisgabe nationaler Währungen zugunsten des Dollars, wie es in Panama und, seit kurzem, auch in Ecuador der Fall ist.

Die zweite Option - “freies Floaten der Wechselkurse” - verzichtet auf jede Form von Anker für den Wechselkurs. Da jedoch die wirtschaftliche Stabilität einen nominellen Anker erfordert, hat das sogenannte “Inflation Targeting” zunehmend an Bedeutung gewonnen. In Lateinamerika verzichteten Chile, Kolumbien, Mexiko und Brasilien auf Währungsschlangen und andere Mechanismen, die die Einhaltung von Wechselkursvorgaben ermöglichen sollen, und lassen statt dessen ihre Währungen frei floaten. Diese Systeme freien Floatings werden durch ein formales Inflationsziel gestützt, das als Anker für die nationale Währungspolitik dient.

Inflation Targeting kombiniert die Flexibilität des Floatings mit einer rigiden Währungspolitik, die die Inflation eindämmen und auf Dauer niedrig halten soll. Ein solches System basiert auf der formalen Bekanntmachung eines bestimmten Inflationsziels - beispielsweise einer jährlichen Rate oder eines engen Korridors -, an das sich die Zentralbank halten muss. Ist das Ziel einmal festgelegt, berechnet die Zentralbank die zukünftige Inflationsrate voraus und vergleicht sie mit ihrem Ziel. Währungspolitik (vorwiegend Änderungen der Zinssätze) dient dann dazu, den Unterschied auszugleichen.

Solche Systeme, in den frühen neunziger Jahren in Neuseeland entwickelt, wurden später von Australien, Kanada, Finnland, Israel, Schweden und Großbritannien sowie, in jüngster Zeit, von aufstrebenden Märkte wie Südafrika, der Tschechischen Republik, Südkorea und Polen eingeführt. Inflation Targeting wird mittlerweile von einer Reihe anderer Länder in Erwägung gezogen, die flexible Wechselkurse hatten, und wird als Alternative zum “Währungsanker” betrachtet, bei dem zuvor festgesetzte Geldumlaufmengen das Ziel sind (wie es bei der Deutschen Bundesbank vor Einführung des Euro der Fall war). Eine Vorausplanung der Inflation hat gegenüber einer Vorausplanung der Geldumlaufmenge möglicherweise den Vorteil, dass Letztere nicht sehr transparent ist (normalerweise widmet die Öffentlichkeit diversen Geldmengenaggregaten keine Aufmerksamkeit). Angesichts einer in aufstrebenden Märkten normalen Instabilität bei der Geldnachfrage ist eine vorgeplante Höhe der Geldumlaufmenge auch nur schwer zu regulieren.

Eine erfolgreiche Einführung des Inflation Targeting erfordert jedoch, dass die Zentralbank frei von politischer Kontrolle und Einflussnahme ist. Sie muss alleine die Zinssätze und andere notwendige Anpassungsmaßnahmen festlegen. Als Gegenleistung für ihre Unabhängigkeit übernimmt die Zentralbank auch die ausdrückliche Verantwortung für das Erreichen des Inflationsziels und auch dafür, sowohl die Öffentlichkeit als auch die Regierung über ihre währungspolitischen Strategien, Entscheidungen und Ergebnisse zu informieren.

Die Kombination von Wechselkurs-Floating und Inflation Targeting hat sich bei der Kontrolle der Inflation als ziemlich erfolgreich erwiesen; gleichzeitig wurden die Wechselkurse nicht durch große Schwankungen in Mitleidenschaft gezogen, so dass Verunsicherungen und andere Verzerrungen vermieden wurden. Die jüngste Erfahrung Brasiliens war in der Tat positiv. Als der feste Wechselkurs aufgegeben wurde, erfuhr der Real zwar zunächst eine starke Entwertung, die Inflation bewegte sich jedoch an der Acht-Prozent-Marke, die die Finanzinstitutionen zuvor festgelegt hatten.

Inflation Targeting ist für aufstrebende Märkte jedoch nicht problemlos. Damit dieses System funktioniert, bedarf die Zentralbank präziser Informationen darüber, wie Wechselkursänderungen und andere Faktoren auf die Inflation einwirken. Volkswirtschaften, die unter relativ hohen Inflationsraten leiden, den Handel liberalisieren oder andere Reformen durchführen, sind selten stabil, und dies bedeutet, dass sich die Faktenlage schnell ändert. Die daraus resultierende Verunsicherung macht Entscheidungen der Zentralbank kompliziert und schadet ihrer Glaubwürdigkeit. Zudem können sich in stark „dollarisierten“ Volkswirtschaften Schwankungen des Wechselkurses, auch wenn sie keine ernsthaften Folgen für die Wirtschaft haben, auf die Einkommensverteilung auswirken, indem sie unerwartete und hohe Kosten für Vermögenswerte und Verbindlichkeiten verursachen, die in ausländischen Währungen gezeichnet sind.

Trotz dieser Probleme bietet Inflation Targeting signifikante Vorteile in Form von Klarheit, Transparenz und Flexibilität. Es sollte daher von Ländern in Betracht gezogen werden, die für ein freies Floating der Wechselkurse optierten und erwägen, zu dessen Unterstützung einen makro-ökonomischen Anker einzuführen. Die Erfahrung nach der asiatischen Finanzkrise zeigt, dass eine Stabilität im Finanzsektor entscheidend für die Vermeidung von Krisen ist und dass eine solche Stabilität eindeutige Währungsrichtlinien erfordert: entweder ein streng festgelegter Wechselkurs oder Inflation Targeting. Die Erfahrung mit Mischsystemen, insbesondere mit solchen, die einen großen Ermessensspielraum zulassen, hat gezeigt, dass sie im Finanzsektor zu erheblichen Verunsicherungen führen, die eine makro-ökonomische Instabilität fördern.

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