Saturday, November 22, 2014
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Die unbeständigen Staatsfonds

NEW YORK – Vor zwei Jahren waren Staatsfonds das Schreckgespenst der weltweiten Finanzwirtschaft. Dann kam die globale Finanzkrise, und die Sorgen darüber schienen zu verfliegen. Nun, da die Krise abebbt, kehren die Befürchtungen über die Staatsfonds und ihr Verhalten zurück.

Staatsfonds präsentieren sich gern als politisch unabhängige, kommerziell motivierte Anlageinstrumente. Doch haben die letzten zwei Jahre bewiesen, dass sie in einer Krise nicht gegen den politischen Druck gefeit sind, den Schwerpunkt ihrer Portfolios auf Investitionen im eigenen Land zu verlagern. Diese Tendenz in Zeiten des Konjunkturrückgangs legt nahe, dass Staatsfonds für ausländische Firmen nicht die langfristigen, stabilen Aktionäre sind, für die sie (und manche Kommentatoren) sich ausgeben.

In den Jahren nach 2000, aber vor dem Anfang der Finanzkrise, war der Anteil der Kapitalinvestitionen von Staatsfonds in ausländische Märkte gestiegen und erreichte im zweiten Quartal 2008 einen Spitzenwert von 90 %. In der zweiten Hälfte 2008 wurde jedoch ein eindeutiger Rückzug der Staatsfonds in die einheimischen Märkte erkennbar. Als sich die Finanzkrise auf die Schwellenländer ausbreitete, die die meisten Staatsfonds halten, fiel der Anteil der Auslandsinvestitionen innerhalb der Staatsfondsportfolios auf etwa 60 %.

In der zweiten Hälfte 2009, als sich die Weltwirtschaft erholte, kehrte sich dieser Trend um. Aber die Botschaft ist klar: Wenn die einheimischen Volkswirtschaften stabilisiert werden müssen, verlagern Staatsfonds ihren Schwerpunkt auf Investitionen im Inland. Im Falle eines weltweiten Wirtschaftsereignisses, z. B. der jüngsten Krise, kann dies einen Rückzug aus den ausländischen Märkten bedeuten, wenn diese am anfälligsten sind.

Es mag plausibel erscheinen, dass ein „Rückzug ins eigene Land“ durch geringere Möglichkeiten in ausländischen Märkten bedingt sein kann, anstatt durch den Wunsch, die einheimische Wirtschaft zu stabilisieren. Schließlich waren die Märkte der Industrieländer, das bevorzugte Investitionsobjekt der Staatsfonds, als Erste von der Finanzkrise 2007-2008 betroffen.

Doch ist diese Argumentation aufgrund von zwei unterschiedlichen Fakten fehlerhaft. Erstens haben wir mehrfach Beispiele für Inlandsinvestitionen von Staatsfonds gesehen, die eindeutig darauf abzielten, die einheimische Wirtschaft zu stützen und zu stabilisieren. Nachdem der Doha Securities Market zwischen Januar und Oktober 2008 ein Fünftel seiner Kapitalisierung verlor, pumpte die Qatar Investment Authority 5,3 Milliarden US-Dollar in ihren landeseigenen Bankensektor, indem sie eine Beteiligung von 20 % an jeder der fünf Banken kaufte, die an der Börse des Landes notiert sind.

Ähnliche Verluste am Kuwait Stock Exchange haben die Kuwait Investment Authority dazu veranlasst, 5,4 Milliarden Dollar in einen neuen Fonds zu investieren, der Liquidität für den lokalen Markt bereitstellen soll, und für 1,5 Milliarden Dollar eine 24%-Beteiligung an der Gulf Bank zu erwerben. China pumpte durch Investitionen seines nationalen Staatsfonds, der China Investment Corporation, über 46 Milliarden Dollar in die China Development Bank und die China Everbright Bank. Es gibt jede Menge weitere Beispiele für die Stabilisierung inländischer Märkte durch Staatsfonds.

Zweitens haben nicht nur die neuen Kapitalinvestitionen ins Ausland während der Finanzkrise abgenommen, sondern die Staatsfonds haben sich in jüngerer Zeit auch an einer beispiellosen Desinvestitionswelle beteiligt, insbesondere bei ausländischen Anlagen. Während in der Vergangenheit äußerst selten gemeldet wurde, dass Staatsfonds desinvestierten, haben wir 23 Desinvestitionen von Staatsfonds im Jahr 2009 im Wert von über 14 Milliarden Dollar identifiziert. Achtzehn dieser Desinvestitionen, die ungefähr 13 Milliarden Dollar wert sind, beinhalteten ausländische Anlagen.

Die verstärkte Konzentration auf das eigene Land (auf Kosten der Auslandsinvestitionen) ergibt sich aus einer Abnahme der verwalteten Vermögenswerte in Krisenzeiten. Durch niedrige Erträge aus den früheren Investitionen der Staatsfonds verringerte sich ihr bestehendes Vermögen, während niedrige Rohstoffpreise und ein Rückgang des internationalen Handels die akkumulierten Devisenreserven reduzierten, die normalerweise einen Großteil des neuen Kapitals ausmachen, das in Staatsfonds fließt. In Krisenzeiten investieren Staatsfonds nicht nur einen kleineren Anteil ihrer Portfolios im Ausland und verkaufen einige ausländische Beteiligungen, sondern der Gesamtwert ihrer Investitionen schrumpft in der Tendenz ebenfalls.

Übrigens ist es plausibel, dass das zyklische Verhalten der Staatsfonds für die unterdurchschnittliche Leistung ihrer Beteiligungen verantwortlich ist. Staatsfonds investieren tendenziell eher in ausländische Märkte, wenn die Zeiten gut sind und die Wertpapierkurse mit höherer Wahrscheinlichkeit überbewertet werden, und sie desinvestieren bei Marktrückgängen, wenn sich aus dem Desinvestitionsangebot Wertpapierkurse ergeben, die unter dem Basiswert liegen. Somit könnte die unterdurchschnittliche Leistung der Aktienportfolios von Staatsfonds eher eine Folge von unglücklichem, aber erzwungenem, Timing sein als das Ergebnis einer schlechten Auswahl von Aktien.

Insgesamt ergibt sich in den letzten beiden Jahren ein zeitweiliger Rückzug der Staatsfonds aus den ausländischen Märkten, hauptsächlich aus den Industrieländern. Staatsfonds stellen sich selbst gern als unabhängige Einrichtungen dar, dennoch ist klar, dass sie, sobald die eigene Wirtschaft ins Wanken gerät, den geballten Druck der Medien, der Öffentlichkeit und der Politiker zu Hause nicht ignorieren können, die alle bezweifeln, dass es sinnvoll ist, einheimisches Vermögen in Krisenzeiten im Ausland zu investieren.

Doch kann dieser Trend nicht ewig anhalten, da viele Volkswirtschaften, die Staatsfonds unterhalten, einfach keine ausreichend attraktiven Investitionsmöglichkeiten anbieten, um die Masse an Staatsfondsinvestitionen aufzunehmen. Zudem bieten die einheimischen Volkswirtschaften nicht die Diversifizierungsvorteile, nach denen Länder suchen, die von einem einzelnen Rohstoff als Einkommensquelle abhängig sind.

Daher kann man davon ausgehen, dass der Rückzug der Staatsfonds auf den einheimischen Markt nicht andauern kann. Tatsächlich konnten die ersten Anzeichen für eine neuerliche Zunahme der Auslandsinvestitionen von Staatsfonds bereits Ende 2009 beobachtet werden. Dabei könnten sich die erwarteten Vorteile daraus, Staatsfonds als Aktionäre zu haben – also einen langfristigen, stabilen Investor zu haben –, schlicht als Illusion erweisen, die genau in dem Moment zerplatzt, in dem Stabilität am meisten benötigt wird: in einer globalen Finanzkrise.

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