Friday, July 25, 2014
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Die falsche Wahl der Weltbank

NEW YORK – Die Entscheidung für den amerikanischen Kandidaten Jim Yong Kim als Präsidenten der Weltbank, und gegen Nigerias Finanzministerin Ngozi Okonjo-Iweala, die weithin als deutlich überlegene Kandidatin gesehen wurde, kann unmöglich entschuldigt, aber leicht erklärt werden. Sie verdeutlicht auch die ernste Gefahr für die immer noch andauernde Aufgabe der Entwicklungshilfe.

Das Auswahlverfahren krankte an einigen Ungleichheiten und Intransparenzen, auch wenn die Vereinigten Staaten das Gegenteil behaupten. Tatsächlich glichen diese Behauptungen den in der öffentlichen amerikanischen Debatte häufig vorkommenden linguistischen Nebelkerzen: ebenso wie die Flächenbombardierung während des Vietnamkrieges “Befriedung” genannt wurde und heute die illegalen Einwanderer als “undokumentierte Fremde” bezeichnet werden.

So beeinflusste die Unterstützung der amerikanische Propagandamaschine für Kim, der mit US-Unterstützung und großzügigen Versprechen viele Hauptstädte bereiste, sicherlich die Wahl gegen Okonjo-Iweala. Immerhin ist die Weltbank eine Geldgeberorganisation. Also handelten Kreditnehmer wie Indien und Mexiko, die eigentlich für Okonjo-Iweala hätten stimmen sollen, vernünftig, und wählten statt dessen Kim. Okonjo-Iwealas menschliches Kapital kam gegen Kims Finanzkapital nicht an.

In einem wirklich offenen, auf Qualifikation beruhenden Wettbewerb, hätte der Beratung des 25-köpfigen Exekutivdirektoriums eine Debatte zwischen den Kandidaten vorausgehen müssen. Ich vermute, dass Okonjo-Iweala, die für ihre enorme Kompetenz und Schlagfertigkeit bekannt ist, viel besser abgeschnitten hätte als Kim. Dann hätte die Welt gesehen, warum sie von so vielen von uns bevorzugt wurde.

Auch der weltweite Einfluss der mächtigen liberalen Medien in den USA sollte nicht unterschätzt werden. Der Economist stellte sich zwar hinter Okonjo-Iweala, aber die New York Times sprach sich für Kim aus. Dieses Jahr ist in den USA ein Jahr der Wahlen: Hätte Präsident Barack Obama einen Laternenpfahl nominiert, hätte Amerikas “Vorzeigezeitung” auch diesem ausgezeichnete Voraussetzungen bescheinigt.

Darüber hinaus muss man berücksichtigen, dass ebenso wie im Jahr 2000 Ralph Naders Kandidatur (und der Oberste Gerichtshof der USA) den Sieg von Al Gore gegen George W. Bush verhindert hat, Okonjo-Iweala von der Kandidatur José Antonio Ocampos, eines von Brasilien unterstützten ehemaligen Finanzministers von Kolumbien, behindert wurde. Durch seine Kandidatur wirkte Okonjo-Iweala wie eine “afrikanische Kandidatin” von nur regionaler Bedeutung, während Ocampo der “lateinamerikanische Kandidat” war.

Statt dessen hätte Brasilien mit Indien, Mexiko und Südafrika zusammenarbeiten und gemeinsam mit ihnen Okonjo-Iweala unterstützen sollen. Als sich Brasilien in diese Richtung bewegte, war es zu spät, um noch einen Unterschied zu machen.

Und nun wird man den Gedanken nicht los, dass die Wahl Kims sich für die Entwicklungshilfe als Katastrophe herausstellen könnte. Seine Tirade aus dem Jahr 2000 gegen die liberalen Reformen, die Länder wie Indien und China in globale Wachstumsmaschinen verwandelt, die Armut vermindert und die unteren Schichten gefördert haben, zeigt, dass er bei grundlegenden Themen zu Fehleinschätzungen neigt. Niemand erinnert sich an irgendein Zeichen von Reue, was vermuten lässt, dass er seine Torheit nicht abgelegt hat – und vielleicht die Gelegenheit nutzt, die Uhr rückwärts zu drehen und Jahrzehnte des Fortschritts in der wirtschaftlichen Entwicklungshilfe zunichte zu machen.

Aber ich fürchte, Kim wäre selbst für der Gesundheitspolitik eine Katastrophe – ein Bereich, in dem seine Verdienste für die Arbeit gegen AIDS, Malaria und Tuberkulose zu Recht anerkannt werden. Dank des Wirtschaftswachstum in Folge der von ihm abgelehnten Reformen haben Länder wie Indien und Brasilien heute höhere Einnahmen, die sie unter anderem für die Gesundheitsfürsorge der Armen ausgeben können.

Daher werden sich die öffentlichen Gesundheitsthemen, denen Kim bei der Weltbank gegenüber steht, sehr von den “großen” Krankheiten unterscheiden, die er in der Vergangenheit bekämpft hat. Indien ringt beispielsweise um ein Gleichgewicht zwischen der öffentlichen und privaten medizinischen Versorgung für routinemäßige Gesundheitsprobleme und mit Fragen der medizinischen Ausbildung und flächendeckenden Versorgung (wie mit der Frage, ob das Land sich mit “Barfußärzten” zufrieden geben soll oder lieber voll qualifizierte Mediziner haben will).

Kann Kim bei diesem und anderen Problemen, mit denen er keine Erfahrung hat, die Führung übernehmen? Dies darf bezweifelt werden.

Aus dem Englischen von Harald Eckhoff

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  1. CommentedAndrés Arellano Báez

    The only thing that we are going to miss in the WB is a debate about external debt. That is really the big problem on third world and Ngozi Okonjo-Iweala is a leader in that area. In Kim's mandate, nothing is going to change. Sadly.

  2. CommentedMichael Philipps

    Bhagwati is incapable of judging people who are not economists. Ngozi may be an economist but what's her accomplishments as an economist? Both as a scholar and as a practioner. In any case, most economists are useless when it comes to policies. They are big on talks and small on useful actions.
    Bhagwati is intellectually ossified. Old age has clouded his judgment. He has proved to be mostly on the wrong side of issues!

  3. CommentedKonrad Kerridge

    Bhagwati's real objection is that he doesn't agree with Kim's progressive views. Too bad. The days of naive, context-free economic liberalism as an economic development approach are over. Development professionals know more now than when Reagan was in charge. Bhagwati however hasn't moved on. He is about 30 years out of date. And ideologically ossified.

  4. CommentedGonzalo Vargas

    So, in essence, the choice is wrong not because the lack of transparency but because Dr Kim isn't liberal enough- or perhaps even anti-liberal. But, don't worry, what can a doctor do against an army of economists backed by the Treasury?

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