Friday, August 1, 2014
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Der Geist des 12. September

WASHINGTON, DC – Die Terrorangriffe auf die Vereinigten Staaten vor zehn Jahren hatten heftige Reaktionen zur Folge: US-Truppen wurden nach Afghanistan sowie in den Irak gesandt, und mit dem Heimatschutzministerium wurde eine neue staatliche Behörde eingerichtet, um Maßnahmen und Programme zum Schutz der USA vor weiteren Angriffen zu koordinieren. Diese teuren, einschneidenden Maßnahmen – der “weltweite Krieg gegen den Terror” – kann als Erfolg, als Ablenkung und als Beispiel verstanden werden.

Am wichtigsten dabei ist, dass es seit dem 9.11.2001 keinen erfolgreichen ausländischen Terroranschlag gegen die USA mehr gegeben hat. Dies muss man der US-Regierung zugute halten. Zweifellos wurde eine Menge des Geldes, dass für die Sicherheit der USA ausgegeben wurde, verschwendet. Und die Verursacher der ursprünglichen Anschläge, Al Kaida, waren für Amerika nie eine so große Bedrohung, wie es die Sowjetunion im Kalten Krieg war.

Trotzdem war nach dem 11. September klar, dass ein paar Personen unter dem Einfluss einer radikalen Form des Islam darauf aus waren, den USA und ihren Bürgern so viel Schaden wie möglich zuzufügen. Wären ihnen nur wenige weitere Anschläge wie damals in New York und Washington geglückt, hätten sie bedeutenden Schaden anrichten können. Schlimmstenfalls hätten die USA sich von der ihnen eigenen Offenheit abgewendet und wären zu einem geschlossenen, misstrauischen Land geworden.

Glücklicherweise sind die Terroristen gescheitert – sicherlich auch deshalb, weil die amerikanische Regierungen gemeinsam mit anderen alles daran gesetzt haben, sie zu behindern, zu töten, einige von ihnen gefangen zu nehmen und andere zu entmutigen. An Geld und Bürokratie allerdings haben die Amerikaner für das Jahrzehnt ohne Terroranschläge möglicherweise zu viel bezahlt – beispielsweise in Form verschärfter Durchsuchung von Flugpassagieren. Aber dies war besser, als weiteren Angriffen zum Opfer zu fallen.

Die höchsten Kosten des Krieg gegen den Terror bestanden nicht in den Taten der USA in den letzten zehn Jahren, sondern in ihren Versäumnissen. Wie Thomas L. Friedman und ich in unserem neuen Buch That Used To Be Us: How America Fell Behind in the World It Invented and How We Can Come Back geschrieben haben, hängt Amerikas Zukunft davon ab, wie das Land vier große Herausforderungen bewältigt: Globalisierung, die Revolution der Informationstechnologie, die rapide wachsenden Staatsschulden und die Energiefrage. Werden diese Herausforderungen nicht gelöst, bremst dies das nationale Wirtschaftswachstum und behindert damit Aufstiegschancen der nächsten Generationen und den globalen Einfluss des Landes.

In den letzten zehn Jahren wurden diese Herausforderungen nicht genügend beachtet. Dafür gibt es mehrere Gründe, darunter der Fokus der USA auf die Bedrohung durch den Terrorismus. Auch wenn er zum Schutz des Landes notwendig war, hat der Krieg gegen den Terror die Aufmerksamkeit und die Ressourcen des Landes von den Problemen abgelenkt, die es lösen muss, um auch in Zukunft seinen Reichtum und seine Macht zu sichern.

Das dringendste dieser Probleme ist der Zustand des Bildungssystems, das junge Amerikaner nicht ausreichend auf die Arbeitsplätze einer durch Globalisierung und Informationstechnologie veränderten Wirtschaft vorbereitet. Während die USA in Flughafensicherheit und “Nation-Building” im Hindukusch und in Mesopotamien investierte, fehlten Investitionen in Straßen, Brücken, Labore und Wissenschaftler, die die Wirtschaft voranbringen.

Um ihren Herausforderungen zu begegnen, müssen die USA einige von vielen Menschen beanspruchte Regierungsprogramme kürzen – was besondere Auswirkungen auf ältere Menschen, die Sozialversicherung und die medizinische Versorgung haben wird – und die Einnahmen durch angemessene Steuererhöhungen vergrößern. Gleichzeitig muss das Land in Infrastruktur, Forschung und Entwicklung investieren, die für Innovation und zukünftiges Wirtschaftswachstum unabdingbar sind.

In der aktuellen politischen Landschaft ist die Formel des Kürzens, Besteuerns und Investierens nicht sehr populär. Diese Maßnahmen können nur umgesetzt werden, wenn ein umfassender Sinn für gemeinsame Ziele und Opfer entsteht. Ein solches politisches Klima gab es vor zehn Jahren direkt nach den Terroranschlägen. Durch sie entstand diese Art von Entschlossenheit, die in den nächsten Jahren zur Lösung der anstehenden Aufgaben benötigt wird.

Im kommenden Jahrzehnt müssen die USA weiter wachsam bleiben, um ähnliche Angriffe wie der vom 11. September zu verhindern. Aber gleichzeitig müssen das Land und seine Menschen des 12. September wiederbeleben und ihn zur Lösung unserer großen Herausforderungen nutzbar machen.

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