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Die Sicherheitsfalle

CHICAGO: Obwohl sich die Welt zunehmend integriert, stößt man immer wieder auf der Wort „Sicherheit“ – im Sinne von Versorgungssicherheit etwa von Lebensmitteln oder Energie. In der Regel geht es dabei darum, dass ein Land Produktionseinrichtungen errichtet und kontrolliert, koste es, was es wolle. Da pflanzen also arabische Länder in der Wüste wasserhungrigen Weizen, oder China erwirbt Anteile an Ölgesellschaften im Sudan. Sind diese Maßnahmen wirtschaftlich sinnvoll? Und wenn nicht, was sollte die Welt tun, um ihre Notwendigkeit zu verringern?

Lassen Sie uns mit dem Eigentum an ausländischen Ressourcen beginnen. Man könnte glauben, dass ein Land, das ausländisches Öl besitzt, die Verkaufsgewinne nützen könnte, um seine Wirtschaft gegen hohe weltweite Ölpreise abzusichern. Aber das ergibt wirtschaftlich keinen Sinn. Der Preis für Öl auf dem Weltmarkt schwankt entsprechend seinen Opportunitätskosten. Statt den Preis auf dem heimischen Ölmarkt zu subventionieren (und so den heimischen Herstellern und Verbrauchern Anreize zu bieten, zu viel Öl zu verbrauchen), wäre es deutlich sinnvoller, den Preis im Inland bis in Höhe des internationalen Preises steigen zu lassen und die Windfall-Gewinne aus ausländischen Ölanlagen an die Bevölkerung auszuschütten.

Der zentrale Punkt ist, dass grundlegende wirtschaftliche Entscheidungen nicht durch Eigentum an zusätzlichen ausländischen Ölanlagen beeinflusst werden sollten. Doch aufgrund des von kleinen, mächtigen Interessengruppen ausgeübten politischen Drucks wird ein solcher Geldsegen im eigenen Land unweigerlich für unkluge Subventionen ausgegeben. Infolgedessen trifft das Erwerberland womöglich bestenfalls suboptimale Wirtschaftsentscheidungen.

Könnte der Erwerb ausländischer Ressourcen zu einer Glättung des Nationaleinkommens führen? Ein derartiger Kauf wird im Rückblick immer dann nutzbringend sein, wenn der Preis für den betreffenden Rohstoff, in unserem Fall Öl, gestiegen ist. Fällt der Ölpreis jedoch, verlieren die Bürger an Einkommen und Wohlstand (relativ zu dem Ertrag, hätte man das Geld anderswo investiert). Geht man davon aus, dass die ausländischen Ölanlagen zum Erwerbszeitpunkt einen fairen Preis hatten, profitiert das Land also nur, wenn der Kauf zur Glättung seiner Einnahmen beiträgt. Allerdings können derartige Käufe selbst für Länder, die stark auf Öl angewiesen sind, die Einkommensschwankungen verstärken.

Ein Beispiel: In großen Ländern wie den USA oder China, auf welche ein erheblicher Teil der weltweiten Nachfrage entfällt, dürfte der Ölpreis dann hoch sein, wenn das Land wirtschaftlich stark wächst und die Bürger hohe Einkommen verzeichnen. Andererseits dürfte der Preis niedrig sein, wenn es dem Land selbst schlecht geht. Ausländische Ölanlagen sind in derartigen Fällen ein schlechtes Absicherungsgeschäft, denn sie mindern das Einkommen ihrer Bürger, wenn es ohnehin schon niedrig ist, und erhöhen es, wenn es gerade hoch ist.

Selbst dort, wo der Erwerb von Eigentum in Ölanlagen ein nützliches Sicherungsgeschäft ist (wie im Falle eines kleinen, Öl verbrauchenden Landes), ist unklar, ob der Kauf von Anteilen an undurchsichtigen Unternehmen im Ausland die beste Strategie ist. Die Eigentumsrechte eines Landes an ausländischen Ölanlagen dürften mit steigendem Ölpreis leiden. Selbst wenn das ausländische Unternehmen nicht beginnt, seine Minderheitseigentümer hinauszudrängen, wird seine Regierung versucht sein, die ausländischen Eigentümer durch Besteuerung der Windfall-Gewinne (sofern die Regierung raffiniert ist) oder Verstaatlichung (sofern sie plump agiert) zu enteignen – insbesondere, falls ihre Wähler im Nachhinein, von Populisten angestachelt, das Gefühl haben, die Anlagen seien zu billig verkauft wurden.

Doch vielleicht sind das, wovor diese Länder wirklich Angst haben, weniger hohe Preise als ein kompletter Zusammenbruch des Marktes und ein Absturz in eine autarke Welt á la „Mad Max“, wo Öl knapp ist, kein Land bereit ist, mit dem von ihm produzierten Öl Handel zu treiben, und es keinen weltweiten Gleichgewichtspreis gibt. Träte etwas Derartiges ein, würde das Eigentum an Ölanlagen im Ausland aller Wahrscheinlichkeit wertlos, da jedes Land nur das innerhalb seiner politischen Grenzen (oder der Grenzen anderer nahe gelegener Länder, in die es einmarschieren könnte) produzierte Öl nutzen könnte.

In dieser Art Welt ergibt scheinbar unsinniges Verhalten wie der Anbau von Weizen in der Wüste langsam einen Sinn. Freilich muss man in einem solchen Fall Alternativen erkunden: effizientere Nutzung, ein Ausweichen auf leichter zugängliche Ersatzstoffe und die Verringerung des Gesamtverbrauchs (wobei es in all diesen Fällen leichter ist, Energiemangel zu bewältigen als Lebensmittelmangel).

Mehr noch, selbst in einer derart düsteren Welt ist schwer vorstellbar, dass der Markt vollständig oder für lange Zeit zusammenbricht. Tatsächlich ist denkbar, dass Schwarzmarkthändler und Schmuggler etwa dort Getreide kaufen, wo es erhältlich ist, und es in Länder transportieren, wo es das nicht ist, um es dort zu verkaufen. Solange die Regierungen keine absolut dichten Grenzzäune um ihre Länder errichten – und die Kosten hierfür dürften unerschwinglich sein –, entstünde so wieder ein unentwickelter Weltmarkt.

Trotzdem, und verständlicherweise, entscheiden sich viele Länder aus Furcht vor einem Marktzusammenbruch – bedingt etwa durch Krieg, Handelssanktionen oder schlicht kurzsichtige Entscheidungen ausländischer Regierungen, die eigene Bevölkerungen vor Preisanstiegen schützen wollen –, die Produktion im eigenen Land zu verorten und vor Außenhandel zu schützen. Paradoxerweise freilich hat ein Land, sobald für die eigene Sicherheit gesorgt ist, weniger Anreiz, einen Marktzusammenbruch zu vermeiden, der sein ursprüngliches Streben nach Sicherheit ausgelöst hat.

Ein internationales Übereinkommen, um zu gewährleisten, dass Länder den Export insbesondere zentraler Rohstoffe – außer bei schweren (und nachweislichen) widrigen Umständen im eigenen Land – nicht verbieten, würde helfen, die Angst vor einem Marktzusammenbruch zu verringern. In ähnlicher Weise könnte die Schaffung internationaler strategischer Rohstoffreserven auf neutralem Boden unter neutraler Aufsicht Sorgen über politisch motivierte Störungen mindern.

Leider erfordert all dies erhebliche internationale politische Übereinstimmung, Zusammenarbeit und gegenseitigen guten Willen – die alle heutzutage dünn gesät sind. Bis wir den gemeinsamen Willen hierzu finden, wird das Streben nach nationaler wirtschaftlicher Sicherheit weiter zu kollektiver Unsicherheit führen.

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