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Der steinige Weg zur Erholung

NEW YORK – Es herrscht derzeit Konsens, dass Amerikas Rezession – die bereits ein Jahr alt ist – wahrscheinlich lang und tief wird und dass fast alle Länder davon betroffen sein werden. Ich habe die Vorstellung, dass das, was in Amerika passiert ist, vom Rest der Welt abgekoppelt wäre, immer für einen Mythos gehalten. Die Ereignisse belegen diese Einschätzung.

Glücklicherweise hat Amerika endlich einen Präsidenten der ein gewisses Verständnis von der Natur und Heftigkeit des Problems besitzt und sich zu einem kräftigen Konjunkturprogramm verpflichtet hat. Zusammen mit den konzertierten Maßnahmen anderer Regierungen bedeutet dies, dass der Abschwung weniger stark wird, als er es sonst wäre.

Die US-Notenbank Federal Reserve (Fed), die durch eine Kombination aus exzessiver Liquidität und lascher Regulierung zur Entstehung der Probleme beigetragen hat, versucht dies wiedergutzumachen, indem sie die Wirtschaft mit Liquidität überschwemmt –  ein Zug, der bestenfalls Schlimmeres verhindert hat. Es überrascht nicht, dass diejenigen, die zur Entstehung der Probleme beigetragen haben und das Desaster nicht kommen sahen, bei ihrer Bewältigung keine meisterhaften Leistungen erbracht haben. Nun steht die Dynamik des Abschwungs fest, und die Lage wird sich verschlechtern, bevor es besser wird.

In gewisser Weise ähnelt die Fed einem betrunkenen Fahrer, der plötzlich bemerkt, dass er von der Straße abkommt, und anfängt, von einer Seite zur anderen zu schleudern. Die Antwort auf den Mangel an Liquidität ist mehr und mehr Liquidität. Wenn die Wirtschaft anfängt, sich zu erholen, und die Banken anfangen, Kredite zu vergeben, werden sie dann in der Lage sein, die Liquidität reibungslos aus dem System abzuzapfen? Steht Amerika eine Zeitspanne der Inflation bevor? Oder wird die Fed – was wahrscheinlicher ist – in einem nächsten Moment des Überschwangs überreagieren und den Aufschwung im Keim ersticken? Angesichts der bislang zur Schau gestellten unbeständigen Führung können wir nicht viel Vertrauen in das haben, was uns erwartet.

Dennoch bin ich nicht sicher, ob einige der zugrunde liegenden Probleme, mit denen die globale Wirtschaft konfrontiert ist, ausreichend Beachtung erhalten, und ohne diese ist es unwahrscheinlich, dass die aktuelle globale Rezession einem stabilen Wachstum weicht – egal wie gut die Fed ihre Sache macht.

Lange Zeit haben die USA eine wichtige Rolle dabei gespielt, die globale Wirtschaft am Laufen zu halten. Amerikas Verschwendungssucht – die Tatsache, dass das reichste Land der Welt nicht im Rahmen seiner Verhältnisse leben konnte – wurde häufig kritisiert. Doch vielleicht sollte die Welt dankbar sein, denn ohne die amerikanische Verschwendungssucht wäre die globale Gesamtnachfrage nicht ausreichend gewesen. In der Vergangenheit füllten die Entwicklungsländer diese Rolle aus, indem sie Handels- und Haushaltsdefizite produzierten. Doch bezahlten sie einen hohen Preis, und jetzt sind Finanzverantwortung und konservative Geldpolitik in Mode.

Tatsächlich akkumulierten viele Entwicklungsländer in der Angst, ihre wirtschaftliche Souveränität an den IWF zu verlieren – wie 1997 während der Asien-Krise geschehen – Reserven in Höhe von Hunderten Milliarden Dollar. Geld, das in Reserven angelegt wird, ist nicht ausgegebenes Einkommen.

Zudem bedeutet die wachsende Ungleichheit in den meisten Ländern der Welt, dass Geld von denen, die es ausgeben würden, an jene übergegangen ist, die so wohlhabend sind, dass sie es nicht vollständig ausgeben können, egal wie sehr sie es versuchen.

Der unendliche Hunger der Welt nach Öl, der ihre Fähigkeit oder Bereitschaft zur Förderung übertrifft, hat einen dritten Faktor beigesteuert. Die steigenden Ölpreise haben Geld an ölreiche Länder fließen lassen, was wiederum zur Liquiditätsschwemme beigetragen hat. Obwohl die Ölpreise momentan gebremst wurden, könnte eine stabile Erholung sie wieder in die Höhe schnellen lassen.

Eine Zeitlang sprachen die Menschen fast beifällig von der Liquiditätsschwemme. Doch war diese lediglich die Kehrseite dessen, worüber Keynes sich sorgte: eine ungenügende globale Gesamtnachfrage. Das Gewinnstreben trug zu der rücksichtslosen Verschuldung und Risikobereitschaft bei, die dieser Krise zugrunde lagen.

Eine Zeitlang wird die amerikanische Regierung die Aufstockung der Ersparnisse der US-Verbraucher teilweise ausgleichen. Doch wenn die amerikanischen Konsumenten ihre Ersparnisse, die bei fast null liegen, auf bescheidene 4 % oder 5 % des BIP heraufsetzen, wird der schwächende Effekt auf die Nachfrage (zusätzlich zu dem, der durch die sinkenden Investitionen, Exporte sowie die staatlichen und lokalen Ausgaben der Regierung entsteht) selbst durch die größten staatlichen Ausgabenprogramme nicht vollkommen ausgeglichen werden. In zwei Jahren werden die Regierungen, eingedenk der riesigen Erhöhung der Schuldenlasten durch die Megarettungspakete und der wahnsinnigen Defizite, unter dem Druck stehen, primäre Überschüsse (das heißt, die staatlichen Ausgaben abzüglich der Zinszahlungen sind geringer als die Einnahmen) zu erwirtschaften.

Vor einigen Jahren sorgte man sich über das Risiko einer ungeordneten Entladung der „globalen Ungleichgewichte“. Die derzeitige Krise kann als ein Teil davon angesehen werden, doch wird wenig an den zugrunde liegenden Problemen geändert, die diese Ungleichgewichte aufkommen ließen. Wir brauchen nicht nur vorübergehende Anreize, sondern längerfristige Lösungen. Es ist nicht so, dass es einen Mangel an Bedürfnissen gäbe; es ist nur so, dass diejenigen, die diese Bedürfnisse erfüllen könnten, einen Engpass an Mitteln haben.

Erstens müssen wir den beunruhigenden Trend der wachsenden Ungleichheit umkehren. Eine progressivere Einkommensbesteuerung wird ebenfalls dazu beitragen, die Wirtschaft zu stabilisieren, durch das, was Ökonomen als „automatische Stabilisatoren“ bezeichnen. Es wäre auch hilfreich, wenn die hochentwickelten Länder ihren Verpflichtungen nachkämen und den Ärmsten der Welt helfen würden, indem sie ihre Entwicklungshilfeetats auf 0,7 % des BIP anheben würden.

Zweitens braucht die Welt gewaltige Investitionen, wenn sie auf die Herausforderungen der Erderwärmung reagieren soll. Transportsysteme und Lebensmuster müssen sich dramatisch ändern.

Drittens wird ein globales Währungsreservesystem benötigt. Es ist für die ärmsten Länder der Welt wenig sinnvoll, den reichsten zu geringen Zinssätzen Geld zu leihen. Das System ist instabil. Das Dollar-Reservesystem zeigt Abnutzungserscheinungen, doch wird es wahrscheinlich mit einem Dollar-Euro-System oder einem Dollar-Euro-Yen-System ersetzt, dass noch instabiler ist. Die jährliche Ausgabe einer globalen Reservewährung (die Keynes Bancor nannte und der IWF Sonderziehungsrechte, SZR, nennt) könnte dazu beitragen, die globale Gesamtnachfrage anzukurbeln und dazu verwendet werden, Entwicklung zu fördern und die Probleme anzugehen, die die Erderwärmung mit sich bringt.

Dieses Jahr wird trostlos. Die Frage, die wir uns jetzt stellen müssen, lautet: Wie können wir die Wahrscheinlichkeit erhöhen, dass wir am Ende eine stabile Erholung erreichen?

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