Tuesday, November 25, 2014
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Die Macht zur Beendung der Armut

NEW YORK: Als jemand, der während des Koreakrieges aufgewachsen ist, weiß ich aus eigener Erfahrung, was Armut bedeutet. Ich erlebte sie jeden Tag um mich herum und lebte sie auch selbst. Eine meiner frühesten Kindheitserinnerungen ist, wie ich einen Lehmweg in die Berge hinauf wanderte, um den Kämpfen zu entgehen. Hinter mir brannte mein Dorf, und ich fragte mich, was mit mir und meiner Familie werden würde.

Die Antwort gaben die Vereinten Nationen und andere internationale Organisationen. Mit Hilfe vieler Länder und Freunde gelang es meinem Land nach diesem schrecklichen, verheerenden Konflikt, wieder auf die Beine zu kommen und weiter zu machen. Durch jahrzehntelange harte Arbeit und die Opfer von Millionen von Koreanern brachte es die Republik Korea in weniger als einem halben Jahrhundert von verzweifelter Armut zu Wohlstand.

Als Generalsekretär der UNO lebe ich diese Geschichte noch immer. Jeden Tag arbeite ich daran, die extreme Armut beenden zu helfen, die weltweit nahezu eine Milliarde Menschen gefangen hält.

Sie können sie darum vielleicht vorstellen, welche machtvollen Erinnerungen in mir aufstiegen, als ich das Millenniumsdorf Mwandama in dem bitterarmen südafrikanischen Land Malawi besuchte. Wie einst in meiner Jugend sah ich hier erneut die Herausforderungen und die Not ländlicher Armut. Zugleich jedoch sah ich einmal mehr die Kraft des Gemeinschaftssinns, sie zu überwinden – desselben Gefühls von Solidarität und Entschlossenheit, das vor fünf Jahrzehnten die ländliche Modernisierung in Korea einleitete.

Im Jahre 2000 verpflichteten sich Staats- und Regierungschefs weltweit, Armut, Hunger und Krankheit bis 2015 deutlich zu reduzieren. Die von allen UNO-Mitgliedsländern unterstützten Zielsetzungen umfassen acht Millenniumziele. Das Millenniumdorfprojekt – eine Partnerschaft von Wissenschaft, Wirtschaft und UNO-Agenturen – soll zeigen, wie sich diese Entwicklungsziele selbst in den weltweit ärmsten Gemeinschaften verwirklichen lassen.

Wie bei Südkoreas eigener Erfahrung im Kampf gegen die Armut machen heute die Millenniumdörfer und ähnliche Projekte anderswo Riesenfortschritte bei der Nahrungsmittelproduktion, der Kindergesundheit und der Errichtung eines nachhaltigen Weges heraus aus der Armut. Zugleich beeindruckte mich ein entscheidender Unterschied zwischen den Anstrengungen Koreas in den 1960er Jahren und dem, was heute möglich ist. Bei meinem Besuch von Mwandama erlebte ich das Potenzial der modernen Technologie – Smartphones und mobiles Breitband, verbesserte Saatenvarianten, neuste Entwicklungen bei der Tropfenbewässerung, moderne Diagnosetests für Malaria und preiswerte Solarstromnetze –, das menschliche Wohl auf Weisen voranzutreiben, die noch vor ein paar Jahren schlicht nicht praktikabel waren.

Ich sah einen Mitarbeiter des Gesundheitsdienstes ein Smartphone verwenden, um die Malariabehandlung innerhalb eines Haushalts zu managen. Er benutzte dabei ein preiswertes Diagnose-Set, um die Malariadiagnose zu bestätigen und so die Notwendigkeit eines Mikroskops und Labors zu umgehen, ein Smartphone, um anschließend das Testergebnis einzugeben und Rat von einem von Spezialisten des Gesundheitswesens entworfenen „Expertensystem“ zu erhalten, sowie eine dem neusten medizinischen Stand entsprechende medikamentöse Kombinationstherapie, um die Krankheit zu heilen. Das betroffene Kind wurde innerhalb der eigenen vier Wände geheilt; noch vor ein paar Jahren wäre dasselbe Kind große Gefahr gelaufen, zu sterben, hätte man es nicht rechtzeitig in ein weit entfernt gelegenes Krankenhaus gebracht.

Ich sah noch andere bahnbrechende Änderungen im täglichen Leben. In einem Gemeinwesen, das sich einst nicht selbst ernähren konnte, platzte ein riesiges Lagerhaus beinahe vor Getreideüberschüssen aus den Nähten. Durch Nutzung ertragsreicher Saaten, eine bessere Bodenbewirtschaftung sowie eine ordentliche Reihenbepflanzung konnte die Gemeinschaft ihre Ernte mehr als verdreifachen, und Dorfbewohner, die früher hungrige Getreidekäufer waren, sind heute Getreideverkäufer, deren Nahrungsbedarf gesichert ist.

Dieser Überschuss wiederum hat unmittelbar zu einer verbesserten Bildung beigetragen, da die Familien einen Teil davon dem Mittagessenprogramm der Schule spenden. Die Schüler bekommen jetzt eine nährstoffreiche Schüssel Haferflocken und Obst, die ihnen die Energie verleiht, den gesamten Schultag über zu lernen. Und wie schon viele Schulen feststellen konnten, hat das Schulmittagessen zu einem Leistungssprung bei den nationalen Examina zum Jahresende geführt.

In diesem Monat tritt das Millenniumdorf-Projekt in seine zweite Phase auf dem Weg zum Millenniumzieldatum 2015. In Afrika und inzwischen auch weltweit ziehen Regierungen verstärkt Lehren aus diesem und anderen, ähnlichen Projekten, die da lauten: Gebt den örtlichen Gemeinschaften mehr Befugnisse und Fähigkeiten und helft ihnen, mittels modernster Technologien in ihre Zukunft zu investieren und so die extreme Armut zu beenden. Die Millenniumziele erschienen vielen einst als bloße Hoffnungen und Sehnsüchte. Heute wissen wir, dass sie tatsächlich ein praktischer Wegweiser sind, um der Armut zu entgehen.

Die Staats- und Regierungschefs, die im September zur jährlichen Generaldebatte bei der UNO zusammenkamen, waren sich in Bezug auf einen zentralen Punkt alle einig: Der Kampf gegen Armut, Hunger und Krankheit ist entscheidend für unser kollektives Überleben. Sie wissen, dass extreme Armut das Leben von hunderten von Millionen Menschen bedroht, denen ein verlässlicher Zugang zu ausreichend Essen, Trinkwasser, Krankenversorgung und Bildung fehlt.

Sie wissen auch, dass die Gefahren nicht am Rand des Dorfes oder der Slumsiedlung enden; die heutigen Hungerschwerpunkte sind nur allzu oft die Gewaltschwerpunkte von morgen. Egal, ob wir reich, arm oder irgendetwas dazwischen sind: Wir teilen ein überwältigendes Interesse am Erfolg der Millenniumziele, damit jede Region, die in äußerster Armut gefangen ist, sich befreien, wachsen und gedeihen kann.

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    1. CommentedMoctar Aboubacar

      I think this is the article's most important point. Ending poverty is certainly one of the central questions regarding development. And just like the Millennium Villages, it doesn't mean very much if efforts to end poverty are not sustainable in the long-term.
      However the MDGs set goals to be achieved; in and of themselves they are more a priority list than a practical roadmap. It is when the universal nature of the goals adapts to and finds application in local contexts that MDGs become practical and actionable. In this light projects which arise from a small scale, which adopt the point of view of the poor but which effectively link to the national and global economies seem to be of particular value.

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