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Der lange, mühsame Weg zur wirtschaftlichen Erholung

SAO PAULO: Die Weltwirtschaft hat sich gegenüber ihrem Tiefstpunkt 2009 deutlich erholt, doch das Wachstum ist nach wie vor ungleichmäßig, und die jüngsten Daten wichtiger hoch entwickelter Volkswirtschaften sind enttäuschend. Wohin also steuert die Weltwirtschaft?

Das die Erholung reibungslos ablaufen würde, hat keiner erwartet: Historisch gesehen dauert es lange, nach einer Finanzkrise dieser Größenordnung aufzuräumen, vor allem angesichts der hohen Schuldenlast und Arbeitslosigkeit und der beschädigten Bankensysteme. Doch die Risiken für die weltwirtschaftlichen Aussichten steigen, und es bedarf verstärkten politischen Handelns, um die Weltwirtschaft auf Kurs zu halten.

Dies ist der Hintergrund, vor dem der Internationale Währungsfonds seine aktualisierten Prognosen und Bewertungen für die Weltwirtschaft veröffentlicht hat. Seine Analyse besteht aus drei einander ergänzenden Dokumenten: dem World Economic Outlook, dem Global Financial Stability Report und dem Fiscal Monitor.

Summa summarum sieht es gar nicht so schlecht aus. Wir erwarten für 2011 und 2012 ein weltweites Wachstum von etwa 4,5%, obwohl sich die Erholung der zwei Geschwindigkeiten fortsetzen wird: Die hoch entwickelten Volkswirtschaften tuckern mit ungefähr 2,5% jährlichem BIP-Wachstum daher, während Schwellenmärkte und Entwicklungsländer mit einer beeindruckenden Wachstumsrate von 6,5% dahin brausen.

Doch aufgrund politisch unzureichender Maßnahmen lauern unter der Oberfläche weiter Gefahren. In den USA und Japan ist eine unerwartet schwache Entwicklung zu verzeichnen, und auch wenn diese durch temporäre Faktoren bedingt war – darunter die Lieferstörungen infolge des Erdbebens in Japan – hängen die Arbeits- und Häusermärkte in den USA und einigen Teilen Europas noch immer in den Seilen.

Zudem bleiben die Länder am europäischen Rand weiter in Schwierigkeiten. Die Nachhaltigkeit ihrer Anpassungsprogramme wird derzeit erneut in Zweifel gezogen. Diese vermehrte Unsicherheit könnte durch negative Rückkopplungsschleifen zwischen Staatsrisiken und Bankensystem auf die Wirtschaftsaktivität im übrigen Teil der Europäischen Union übergreifen. Und das Wachstum in den hoch entwickelten Ländern reicht nicht aus, um ernste Fortschritte beim Abbau der hohen Arbeitslosigkeit – die mit hohen gesellschaftlichen Kosten verbunden ist – zu erzielen.

Angeführt wird die Erholung von den Schwellenmärkten, von denen freilich eine Anzahl mit Überhitzungsrisiken und wachsenden finanziellen Ungleichgewichten zu kämpfen hat. Die Inflation steigt stärker, als es durch steigende Rohstoff- und Lebensmittelpreise zu erklären ist, während das Kreditwachstum und die Preise für einige Vermögenswerte im historischen Vergleich langsam relativ hoch erscheinen. Und die einkommensschwachen Volkswirtschaften leiden unter erhöhten Lebensmittel- und Treibstoffpreisen, die einen hohen Anteil an den Warenkörben der privaten Haushalte ausmachen.

Unter diesen Umständen ist politische Inaktivität keine Alternative. Dies gilt insbesondere für die hoch entwickelten Volkswirtschaften, wo die Politik die Probleme kraftvoller angehen muss. Einige der Probleme sind politischer Art, z.B. der langsame Fortschritt bei der Herbeiführung einer umfassenden und widerspruchsfreien Lösung für Europas Schuldenkrise und das Patt bei der Wiederherstellung haushaltspolitischer Nachhaltigkeit in den USA. Einige der Probleme rühren aus dem Finanzsektor her, der einmal mehr die niedrigen Zinsen nutzt, um auf der Suche nach höheren Profiten den Fremdkapitaleinsatz in die Höhe zu schrauben.

Dringend erforderlich ist ein robusteres globales Finanzsystem. Bei der Reparatur der Banken wurden gewisse Fortschritte erzielt, aber diese sind zu langsam, insbesondere in Europa. In einigen Fällen bleiben Finanzierungsschwierigkeiten, und die Bilanzen sind nach wie vor nicht völlig gesäubert. Das Tempo der Rekapitalisierung muss beschleunigt werden, und mit der neuen Runde von „Stresstests“ für die europäischen Banken wird eine klare rote Linie gezogen.

Fiskalische Reparaturen sind ebenfalls von zentraler Bedeutung. Eine Kernpriorität für die hoch entwickelten Volkswirtschaften besteht darin, den Prozess fiskalischer Anpassungen fortzusetzen, den die meisten von ihnen in diesem Jahr eingeleitet haben. Doch die beiden größten hoch entwickelten Volkswirtschaften – die USA und Japan – haben hiermit noch gar nicht begonnen. Sie sollten so schnell wie möglich glaubwürdige Konsolidierungspläne verabschieden, die nicht nur die Ziele, sondern auch die Instrumente, um diese zu erreichen, konkret benennen.

Das Tempo der Haushaltskonsolidierung sollte unter aufmerksamer Betrachtung von Wachstum und Beschäftigung festgelegt werden. Ein zu langsames Tempo wäre unglaubwürdig; ein zu schnelles Tempo würde das Wachstum abwürgen. Daher sollten die Hilfsmittel, die zur Durchführung fiskalischer Anpassungen eingesetzt werden, die wirtliche Effizienz steigern oder zumindest nicht beeinträchtigen. In den Schwellenmärkten und einkommensschwachen Ländern besteht die Herausforderung darin, Überhitzungen zu vermeiden, die Finanzrisiken im Zaum zu halten und die dringend erforderlichen sozialen Ausgaben anzugehen, ohne Abstriche bei der Nachhaltigkeit zu machen. Der steile Anstieg der Lebensmittel- und Energiepreise ist eine echte Katastrophe für diese Länder und muss sorgfältig gesteuert werden.

Schlussendlich dauert die Erholung an, aber sie steht nicht auf festem Boden. Sie ist fragil, unausgewogen und begrenzt. Wir sind nicht der Ansicht, dass dies auf eine w-förmige Rezession hinweist. Doch die Risiken für die Zukunft wachsen, und es bedarf eines entschlossenen politischen Handelns, um ihnen entgegenzuwirken. Die Zeit drängt.

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