MOSKAU – Die neue amerikanische Regierung von Barack Obama plant, einen obersten Technologiebeauftragten zu ernennen und damit den meisten großen Unternehmen von heute zu folgen. Sollten andere Länder ebenfalls einen haben?
Anstatt die Vereinigten Staaten unterwürfig nachzuahmen, finde ich, die meisten Länder bräuchten einen obersten Informations beauftragten (OIB) – jemanden, der Informationen für ein Mittel zur Veränderung hält, nicht nur für ein Mittel zur Effizienzsteigerung. Der freie Fluss von Informationen schränkt die offizielle Macht ein und gibt Einzelpersonen die Macht, für sich selbst zu agieren. Er ist das Wesentliche am freien Markt und sollte auch das Wesentliche an einer freien Demokratie sein. Die Menschen sollten wissen, was ihre Behörden tun, was die Politik ihrer Regierung kostet, wer dafür bezahlt und wer davon profitiert.
Selbstverständlich könnte ein solcher staatlicher OIB nicht alles alleine erledigen. Doch sollte er oder sie dazu anregen, dass es passiert – überall dort, wo Informationen genutzt und versteckt werden.
Der oder die OIB hätte keine politische Entscheidungsbefugnis per se , aber er oder sie sollte einen hohen Posten in der Regierung innehaben – idealerweise mit geringer bürokratischer Belastung. Der oder die OIB hätte keinen Machtbereich und würde nicht mit anderen hohen Beamten um Macht oder „Revier“ streiten, stattdessen würde er oder sie den Präsidenten oder andere Personen einfach jedes Mal, wenn es angebracht ist, an die Bedeutung von Informationen erinnern.
Sollte dazu mehr als Überzeugung erforderlich sein, dann wäre dies Sache des Präsidenten (Staatschefs). So würde der oder die OIB die Macht von Informationen veranschaulichen, indem er oder sie die Menschen anhand von Informationen davon überzeugt, das Richtige zu tun, und nicht mit rechtlichen Mitteln.
Es ist keine staatliche „Informationsbehörde“ erforderlich. Der oder die OIB würde eher wie ein „Virus“ funktionieren, das sich überall ausbreitet, anstatt ein zusätzliches Anhängsel zu sein, das der Regierung aufgepfropft wird.
Das Virus würde die Regierungsbehörden permanent daran erinnern, wirkungsvoller und zugänglicher zu werden, anstatt einfach nur effizienter. Idealerweise würde sich dies auf die Mitarbeiter und Bürger auswirken, indem ihre Erwartungen verändert würden. Es waren keine Gesetze, die Online-Banking erschaffen haben; es waren veränderte Erwartungen und Verbrauchernachfrage. (Es gab zwar ein paar Gesetze zur Haftbarkeit, doch spielten sie nur eine ermöglichende Rolle.)
Kurz gesagt: Der oder die OIB würde die Regierung bei „technologischen Maßnahmen“, wie z. B. der Einführung von Breitband-Internetzugängen, nicht bedrängen, doch würde er oder sie eine Strategie vorlegen, wie Informationen gesammelt, verwaltet und verbreitet werden sollten, damit die Öffentlichkeit sie nutzen und analysieren kann. Der oder die OIB würde die Behörden im Hinblick auf ihre Öffentlichkeitsarbeit beraten – doch würde „Öffentlichkeitsarbeit“ neu definiert wie in der Nichtregierungswelt, was neben dem Sprechen auch das Zuhören einbezieht und auch bedeutet, dass Fehler zugegeben werden, um sie berichtigen zu können.
Was der oder die OIB nicht tun sollte, ist fast ebenso wichtig. Er oder sie sollte nicht versuchen, Informationen zu zentralisieren, sondern eher für einen reibungslosen Fluss sorgen. In Anlehnung an die Finanzliquidität kann man das Informationsliquidität nennen.
Welche spezifischen Ziele sollte der oder die OIB verfolgen?
Offenheit und Transparenz bedeuten nicht einfach, alles online zur Verfügung zu stellen, sondern Informationen so aufzubereiten, dass sie einfach abzurufen, zu vergleichen und zu analysieren sind. Das umfasst alles von den eigentlichen Daten bis hin zur Darstellung dieser Daten, die einen organisationsübergreifenden Vergleich der Daten zu verschiedenen Zeitpunkten ermöglichen sollte. Die Daten müssen zudem einfach zu bearbeiten sein, sodass Dritte – ob gewerbliche Datendienstleister oder Journalisten – ansprechende und aufschlussreiche Visualisierungen erstellen können.
Ein staatlicher OIB muss uns auch daran erinnern, dass das Internet, so wunderbar es ist, den Leuten am meisten bringt, die lesen und schreiben können. Die digitale Kluft ist keine große Kluft mehr; es ist die Alphabetisierungskluft, die viele Menschen zurückhält.
Der oder die OIB sollte kein Bildungsminister sein, doch kann er oder sie umfassend Ratschläge zur Verwendung von Informationstechnologie geben: vom Inhalt des Lehrplans bis hin zu institutionellen Änderungen, die durch bessere Kommunikation zwischen Lehrern, Eltern und Schülern zustande kommen und Hausaufgaben, Noten und sogar die Fahrpläne für den Schulbus und die Speisepläne für das Mittagessen betreffen. Genau wie Konsumenten Produkte bewerten können, sollten Eltern und Schüler die Leistung einzelner Lehrer bewerten und Feedback dafür geben können.
Der oder die OIB muss sich ernsthaft mit der Informationssicherheit auseinandersetzen – gemeinsam mit den OIBs anderer Länder (da Internetkriminalität keine Grenzen kennt). Ein großer Faktor, der zur Existenz von Viren, Spam und Ähnlichem beiträgt, ist ihre Lukrativität. Anders als beim Drogenhandel würde eine Legalisierung das Problem kaum lösen, doch ist die Frage ähnlich, da die Ökonomie eine wesentlich größere Rolle spielt, als im Allgemeinen anerkannt wird.
Zwei große Veränderungen sind notwendig. Erstens wird das Senden einer E-Mail mehr kosten müssen, als es derzeit der Fall ist. Zweitens müssen sich die Internetanbieter, die in der besten Position sind, um die Sicherheit der Rechner einzelner Benutzer zu verwalten, stärker engagieren – auch hier durch ein System, das den Kosten schlechter Sicherheit Rechnung trägt und diese an die Verantwortlichen zurückreicht. (Genau wie wir von Autofahrern verlangen, dass sie versichert sind, sollten wir von den Benutzern u. U. verlangen, dass sie entweder Sicherheitsdienste von ihrem Internetanbieter erwerben oder eine Art Kaution/Versicherung abschließen.)
Es gibt viele solche Beispiele; alles, was wir brauchen, sind bessere Informationen, um sie zu finden und um entsprechende Maßnahmen zu ergreifen, ob innerhalb der Regierung oder im privaten Sektor.
Eine Regierung kann vor allem drei Dinge tun: Gesetze erlassen (und durchsetzen), Geld ausgeben (oder einnehmen) und Menschen inspirieren. Jedes Land braucht einen OIB, der sein Volk durch die Macht der Informationen inspirieren kann.


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