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Die nächste Mission des IWF?

Die Weltwirtschaft ist in zunehmendem Maße von unbeständigen Marktreaktionen auf globale Ungleichgewichte bedroht, während der IWF seine ursprüngliche Daseinsberechtigung als zentrale Währungsinstitution der Welt weitgehend verloren hat. Diese beiden Entwicklungen sollten den Fonds dazu veranlassen, eine neue Funktion für sich einzufordern, nämlich als Verwalter der weltweiten Reserven.

In den 60er Jahren beschäftigte sich der IWF mit den Problemen aller großen Wirtschaftsnationen, und in den 80ern und 90ern entwickelte er sich zum Krisenmanager für aufstrebende Märkte. Doch ist diese Aufgabe jetzt aufgrund der Größe mancher großer aufstrebender Wirtschaftsnationen wesentlich schwieriger. Und in jedem Fall verlagert sich der nervöse Schwerpunkt der Finanzwelt wieder zurück zu den Kernländern der Weltwirtschaft, wie den Vereinigten Staaten, Großbritannien und Australien, die hohe Leistungsbilanzdefizite mit Überschüssen aus ärmeren Ländern finanzieren.

Diese Überschüsse ergeben sich aus hohen Sparquoten sowohl im privaten als auch im öffentlichen Sektor in den Öl produzierenden und aufstrebenden asiatischen Wirtschaftsnationen, was zu einer raschen Anhäufung der Devisenreserven dort geführt hat. Doch ist dies für die jeweiligen Länder keinesfalls ein Segen. Sie haben so viele Reserven angehäuft, dass selbst die Ankündigung einer kleinen Umschichtung des Vermögens, z. B. von Euro auf Dollar, die Märkte aufwirbeln und zu Störungen und Panik führen kann. Wie bei vorherigen Reservensystemen, die verschiedene Vermögenswerte anboten (z. B. den Dollar, das Pfund und zwischen den beiden Weltkriegen Gold), ist Instabilität systeminhärent.

Die Versuche der neuen Überschussländer, alternative Reservenanlagen zu finden, waren problematisch. Am meisten Aufmerksamkeit wurde bislang Chinas Reserven in Höhe von $ 1 Billion gewidmet und seinen Bestrebungen, den Wert dieses Vermögens aufrechtzuerhalten. Als es in diesem Sommer eine Investition von $ 3 Milliarden aus US-Staatsanleihen in den Blackstone Private-Equity-Fonds umschichtete, folgte schnell ein peinlicher Sturz des Werts.

Am anderen – empfangenden – Ende fürchten die Regierungen der Industriestaaten, dass die neuen Staatsfonds strategisch eingesetzt werden und dass dabei nicht nur einfach der Logik des Marktes gefolgt wird. Sogar das erfolgreiche Staatsfondsmodell des Singapurer Temasek, der lange Zeit größtenteils unbemerkt blieb, zieht nun mehr Aufmerksamkeit auf sich, als es die Besitzer und Manager je wollten.

Die zunehmende Nervosität ist verständlich. Angesichts der Tatsache, dass die Zentralbanken und Staatsfonds der aufstrebenden Marktwirtschaften die Kapitalmärkte heutzutage effektiv beherrschen können, entstehen die Ergebnisse schließlich nicht mehr durch das Zusammenspiel von Millionen unabhängiger Mutmaßungen, Entscheidungen oder Strategien. Wenn Instanzen dieser Größe Entscheidungen treffen, werden sie auf jeden Fall strategisch vorgehen. Alle Parteien beginnen, politische Manipulation zu vermuten.

Durch multilaterale Institutionen, die dazu verpflichtet sind, das Beste für alle zu erreichen, können jedoch die daraus entstehenden Kontroversen gelöst und der politische Stachel entfernt werden. Das sollte die Hauptfunktion des IWF sein. Heutzutage bedeutet Überwachung eigentlich nur Beratung. In den 60er Jahren dagegen, als der IWF noch die Regeln des Bretton-Woods-Systems beaufsichtigte, bevor dieses 1971 zusammenbrach, war die Überwachung an die Leistungsfähigkeit des Fonds als großer Finanzmittler geknüpft.

Die Fähigkeit des IWF, die wichtigsten Länder, z. B. Großbritannien, qualifiziert zu beraten, wurde durch die Abhängigkeit dieser Länder von IWF-Ressourcen gefördert. Der IWF war vor allem durch seine finanzielle Macht so potent, und diese Macht wurde durch die Fonds-Kredite gesteigert – zunächst von den G-10, die die Allgemeinen Kreditvereinbarungen einführten.

In den Jahren nach dem Zusammenbruch des Bretton-Woods-Systems erfand sich der IWF neu als Hauptvehikel zur Verwaltung der Überschüsse, die den Ölpreisschocks der 70er Jahre folgten. Er nahm Kredite bei den neuen Überschussländern auf, die ihr neues Vermögen somit teilweise durch die Vermittlung des IWF verwalteten. Daher konnte der Fonds denjenigen Ländern Geld leihen, die aufgrund der Erhöhung der Erdölpreise Schocks erlitten.

In der Tat kann ein großer Finanzakteur eine stabilisierende Rolle spielen. In der Vergangenheit stabilisierte das antizyklische Verhalten großer privater Finanzinstitute im Falle einer Panik die Markterwartungen. Das Haus Rothschild hat dafür gesorgt, dass die erste Hälfte des neunzehnten Jahrhunderts stabil verlief. Bei den großen Paniken von 1895-6 und 1907 beruhigte J.P. Morgan die US-Wirtschaft. Zur Zeit der Weltwirtschaftskrise in den 1930er Jahren gab es keine entsprechende Macht. 2007 gibt es einige Anzeichen dafür, dass Goldman Sachs sich verpflichtet fühlt, gegen den Strom zu schwimmen, um die Märkte zu stabilisieren.

Der IWF könnte eine leistungsstarke stabilisierende Kraft auf den Finanzmärkten sein, wenn er einen wesentlichen Teil des Reservevermögens der neuen Überschussländer verwaltete, da er so gut positioniert wäre, um gegen Spekulanten zu bieten. Letzten Endes würden davon die Inhaber des Reservevermögens profitieren, die aufgrund ihrer hohen Überschüsse ein ähnliches Interesse an der Stabilität der Weltwirtschaft und der Finanzmärkte haben. Gleichzeitig würde die Verwaltung des Reservevermögens durch einen international kontrollierten Vermögensverwalter die Vermutungen und Zweifel beseitigen, dass die Vermögenswerte zu strategischen politischen Zwecken eingesetzt werden.

Doch um diese vollkommen neue Aufgabe auszuführen, müsste der IWF das Vertrauen seiner Mitglieder zurückgewinnen. Die Zunahme der Reserven in vielen asiatischen Ländern war eine wohlüberlegte Antwort auf die Finanzkrise von 1997, die die Ernüchterung in Bezug auf den IWF verstärkte. Bevor er also die Rolle als globaler Reservenverwalter übernehmen könnte, müssten daher die neuen Überschussländer wesentlich mehr Einfluss auf die Führung des Fonds erhalten. Erst dann könnten sie sicher sein, dass sie nicht Opfer von politisch motivierter Manipulation werden.

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